Pflanzenschutz, Wirkstoffresistenz, Schadorganismen

16. April 2019 | Pflanzenschutz strategisch

Die Wirkung bestimmter Pflanzenschutzmittel lässt nach. Das ist zurückzuführen auf wirkstoff-resistente pflanzliche, pilzliche und tierische Schaderreger. Der Landwirt wird zu einem strategischen Pflanzenschutzmanagement aufgefordert, um der Entstehung resistenter Schadorganismen vorzubeugen oder sie zu verhindern. Immer weniger neue Pflanzenschutzmittel erhalten eine Zulassung, denn die Hürden sind hoch. Gesucht werden Substanzen, die sehr selektiv wirken und die Nützlinge schonen. Dem konventionellen Landbau wird vorgeschlagen, zusätzliche biologische Bekämpfungsmaßnahmen zu integrieren.

 

Grafik: Pflanzenschutz strategisch: Mit einem Bündel an Maßnahmen gegen Wirkstoffresistenzen vorgehen.

Wie entstehen wirkstoffresistente Schadorganismen? Grundlegender Prozess ist der natürliche Selektionsdruck, der durch den wiederkehrenden Einsatz gleicher Pflanzenschutzwirkstoffe erzeugt wird. Dabei entstehen einerseits Organismen, die der Wirksubstanz gegenüber weniger empfindlich reagieren und sie zum Beispiel schneller abbauen. Andererseits entstehen durch natürliche Mutationen resistent reagierende Schadindividuen, die sich vermehren.

Um Wirkstoffresistenzen vorzubeugen wird von beratenden Institutionen ein Bündel an Maßnahmen vorgeschlagen. Vor jeder Bekämpfung sollte der Schadorganismus exakt bestimmt, die Behandlung sollte individuell abgewägt werden. Das Einhalten der Schadschwellen ist einerseits erforderlich um wichtige Nützlinge zu schonen. Denn es besteht die Möglichkeit, dass Raubinsekten einen niedrigen Befallsdruck eindämmen können. Andererseits erhöhen unnötige, prophylaktische und zu frühe Wirkstoffapplikationen den Selektionsdruck. Weiterhin senkt der Wechsel zwischen Wirkstoffen das Risiko der Resistenzbildung. Standort und Umweltbedingungen (Wetter, Mikro-/Klima) wirken sich entscheidend auf das Auftreten und Ausbreiten von pilzlichen Krankheiten aus. Der optimale Applikationszeitpunkt kann sich von Schlag zu Schlag unterscheiden, er ist aber für die effektive Wirkung sehr wichtig. Weitere Fruchtfolgen verringern in Rüben das Infektionspotenzial durch sporentragendes Rübenblatt. Cercospora-Sporen sind bis zu zwei Jahre überlebensfähig. Fruchtfolgen mit einem größeren Pflanzenartenspektrum fördern die Biodiversität auf dem Acker. Damit erhöhen sich die natürlichen Abwehrmechanismen in Boden und Pflanzengesellschaften.

Herbizidresistente Unkräuter, erfolglose Fungizidmaßnahmen und muntere Schädlinge trotz Insektizidapplikation: Der konventionell wirtschaftende Ackerbauer steht vor grundsätzlichen Problemen. Bekannt sind Ackerschläge, die auf Grund von nicht zu bekämpfendem Unkraut aus der Fruchtfolge genommen werden müssen. In den typischen Cercospora-Starkbefallsregionen sind oftmals mehrere Fungizidapplikationen nötig, um den Befall zu kontrollieren. Der Einsatz von Strobilurinen ist bereits problematisch, denn die Blattflecken reagieren zunehmend resistent gegenüber der Wirkstoffgruppe. Die Grüne Pfirsichblattlaus ist weitgehend resistent gegenüber der insektiziden Wirkstoffgruppe der Pyrethroide, aus der Gruppe der Carbamate sind Resistenzen bekannt. 

Nicht bekämpfbare Schadorganismen können zu hohen Ertragseinbußen führen, aber auch Pflanzenbestände komplett vernichten. Das ist in den vergangenen Jahrzehnten in Mitteleuropa fast in Vergessenheit geraten. Bisher standen ausreichend hochwirksame Präparate zur Verfügung.

 

 

Hinweise des Julius-Kühn-Instituts für das Pflanzenschutzmanagement 2019: 
https://www.julius-kuehn.de/pflanzenschutz/fachausschuesse-pflanzenschutzmittelresistenz/

Eine umfangreiche Datenbank von Alternativen zu chemischen Pflanzenschutzmaßnahmen (ALPS) für alle Feldfrüchte ist ebenfalls auf der Website des JKI zu finden:
http://alps.julius-kuehn.de/suche.jsp

Die DLG hat zur Thematik Wirkstoffresistenz zwei Merkblätter herausgegeben:
https://www.dlg.org/de/landwirtschaft/themen/pflanzenbau/dlg-merkblatt-432/
https://www.dlg.org/de/landwirtschaft/themen/pflanzenbau/dlg-merkblatt-427/

 

Quellen: JKI, DLG, u.a.


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