Infektiöse Witterung

23. Juli 2021 | Im Juli gehört die Kontrolle auf Blattkrankheiten zu den wichtigsten Maßnahmen im Rübenanbau um hohe Erträge abzusichern. Ab Ende Juni treten in Deutschland mit großen regionalen Unterschieden regelmäßig Cercospora und Mehltau auf. Außerdem werden häufiger Rübenrost und Ramularia-Blattflecken festgestellt. Das Auftreten wird maßgeblich von der Witterung beeinflusst. Die Schadschwelle für die Bekämpfung liegt bis Ende Juli bei 5 Prozent.

Grafik: Mittelwerte und Sorten-Spannweiten der Blattbonituren auf den Versuchsstandorten des IfZ, SV und SV-R 2011 bis 2020

Anhand der Bonituren auf den Sorten-Versuchsstandorten des IfZ kann man einen allgemeinen Eindruck über das Auftreten der Blattkrankheiten über die Jahre gewinnen. Die Sortenversuche liegen über das Bundesgebiet verteilt in den wichtigsten Rübenanbaugebieten. Der Jahresmittelwert ergibt sich aus der Anzahl der bonitierten Standorte und Sorten, Einzelstandorte können im Krankheitsgeschehen nach oben sowie nach unten erheblich abweichen. Abgebildet ist außerdem die Spannweite zwischen der Sorte mit der höchsten Merkmalsausprägung (MAX) und der Sorte mit der niedrigsten Merkmalsausprägung (MIN). Für Cercospora lagen für den dargestellten Zeitraum der letzten 10 Jahre Bonituren von 215 Standorten vor, für Mehltau von 147 Standorten, für Ramularia waren es 56 Versuche und für Rübenrost 87.

Für die Entwicklung von pilzlichen Blattflecken-Erkrankungen und die Ausbreitung im Bestand ist die Witterung am Rübenstandort entscheidend. Liegen insbesondere Temperatur und Luftfeuchte im Optimumsbereich für das Pilzwachstum, dann kann es zu hohen Vermehrungsraten kommen, der Befallsdruck steigt rasant an.

Grafik: Temperatur und Luftfeuchtigkeit für die optimale Entwicklung von Blattkrankheiten

Cercospora entwickelt sich am besten bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit ab 95 Prozent, sowie bei gleichzeitig hohen Temperaturen ab 25 °Celcius. Ab 38 °Celcius stellt der Cercospora-Pilz das Wachstum ein, auch unter 90 Prozent Luftfeuchte findet keine Vermehrung mehr statt. Ramularia-Blattflecken benötigen ebenfalls eine hohe Luftfeuchtigkeit, ihr Temperaturoptimum liegt mit 16 bis 20 °Celcius aber deutlich unter dem von Cercospora.

Der weiße Mehltau bevorzugt schönes Wetter: Sonnig, trocken und warm. Zu viel Feuchtigkeit begrenzt die Entwicklung von Mehltau. Allerdings entwickelt sich der Pilzbelag gut bei hohen Tag- und Nachttemperaturabweichungen und bei Taubildung.

Rübenrost wird als typischer Herbstpilz bezeichnet, denn er wächst in kühlen und feuchten Bedingungen am besten. Im vergangenen Jahr trat er auffallend früh im Juli und häufig auf, der mittlere Boniturwert lag über dem von Mehltau.

In Deutschland gibt es Regionen, die regelmäßig einen sehr starken Befallsdruck mit Cercospora-Blattflecken aufweisen, z. B. in süddeutschen Flussniederungen oder in Beregnungsgebieten.  Andererseits sind auch viele Standorte gering betroffen. Häufig und vor allem im Herbst treten Blattkrankheiten als Mischinfektionen im Bestand auf. 

Die höchsten Ertragseinbußen sind durch Cercospora und Mehltau zu erwarten, die im Sommer häufig gute Wachstumsbedingungen vorfinden. Die regionale Witterung entscheidet über die Ausprägung der Blattkrankheiten im Rübenbestand.



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