Preise Weltzuckermarkt

Deutsche Zuckerrübenanbauer sind seit dem Ende der Zuckermarktordnung am 1. Oktober 2017 deutlich mehr von den internationalen Zuckerpreisen abhängig, die an den Börsen in London und New York sowie innerhalb der EU gehandelt werden. Zwar haben einige Zuckerhersteller den Landwirten auch Zahlungsmodelle mit dreijähriger Preisbindung angeboten, jedoch lohnt sich der Blick auf die internationalen Märkte heute mehr denn je.

Indien reduziert Zuckerexport aufgrund hoher Inlandserlöse

23. September 2021 |  Am 20.09.2021 berichtete der Nachrichtendienst Reuters über den Zuckermarkt in Indien mit Informationen, die die zurzeit hohen Notierungen am Weltmarkt mittelfristig stützen dürften.

Indische Zuckerproduzenten halten sich mit der Unterzeichnung neuer Zuckerexportverträge für die kommende Saison zurück, da eine Rallye der Inlandspreise auf ein 4-Jahres-Hoch die Kluft zwischen lokalen und globalen Zinssätzen vergrößert hat, sagten Branchenvertreter gegenüber Reuters.

"Die Mühlen unterzeichnen keine Exportverträge, da sie auf dem lokalen Markt weitaus höhere Preise erzielen", sagte Prakash Naiknavare, Geschäftsführer der National Federation of Cooperative Sugar Factories Ltd.

Niedrigere Lieferungen aus Indien könnten die globalen Preise stützen, da die Lieferungen des Top-Produzenten Brasilien voraussichtlich zurückgehen werden und die Händler auf Indien setzten, um das Defizit auszugleichen.

Nach dem Rekordexport von 7,5 Millionen Tonnen Zucker in der laufenden Saison haben indische Mühlen bisher Verträge über den Export von 1,2 Millionen Tonnen im Wirtschaftsjahr 2021/2022, das am 1. Oktober beginnt, unterzeichnet.

Der Großteil dieser Verträge wurde im August unterzeichnet, aber ein Anstieg der Inlandspreise hat seitdem neue Verträge fast auf Null reduziert, sagten Händler.

Die lokalen Preise sind in zwei Monaten um 13% auf 36.900 Rupien (500,39 USD) pro Tonne gestiegen, der höchste Stand seit November 2017, nachdem die Exporte im laufenden Jahr gestiegen waren und sich die Wirtschaft langsam von der COVID-19-Krise erholt.

Exporteure boten den Mühlen lediglich bis zu 31.5000 Rupien bzw. 32.000 Rupien für Roh- und Weißzucker an.

Die Mühlen sind nicht daran interessiert, Zucker mit einem Rabatt auf die lokalen Preise zu exportieren, da die Regierung die Exportsubventionen der letzten drei Jahren eingestellt hat, sagte ein anderer in Mumbai ansässiger Händler bei einem globalen Handelsunternehmen.

"Die Mühlen warten darauf, dass sich die globalen Preise erholen und die Regierung von Uttar Pradesh ihren Rohrpreis bekannt gibt", sagte der Händler.

Die globalen Rohzuckerpreise müssen über 21 Cent pro Pfund steigen, um Exporte aus Indien rentabel zu machen, oder die Regierung muss die Zuckermühlen verpflichten, einen bestimmten Teil ihrer Produktion zu exportieren, sagte ein in Neu-Delhi ansässiger Händler.

Naiknavare sagte, dass Indien trotz der aktuellen Verlangsamung in der kommenden Saison mehr als 5 Millionen Tonnen exportieren könnte.

"In den kommenden Monaten würden die globalen Preise bei niedrigeren Exporten aus Indien steigen, während die lokalen Preise mit den Lieferungen der neuen Saison korrigiert werden. Es wird Exporte rentabel machen", sagte er.

 

Klimawandel könnte Zuckererzeugung aus Rohr um mehr als die Hälfte reduzieren

16. September 2021 |  Eine steile These, die Beachtung verdient! Am 16.09.2021 veröffentlichte das Stockholm Environmental Institute eine Studie, welche die Auswirkung des Klimawandels auf sechs wichtige Agrarrohstoffe und globale Handelsströme untersucht: Mais, Reis, Weizen, Soja, Zuckerrohr und Kaffee. Dabei wird ein Langzeit-Klimaprognosemodell bis 2070-2099 zugrunde gelegt.

Natürlich werden diese Veränderungen auch massive Auswirkungen auf die Rohstoffpreise haben, was in der Studie allerdings nicht näher bearbeitet wird. China, Brasilien und die USA werden als Risikoquelle für den globalen Agrarhandel beschrieben, da die projizierten Einbrüche etablierte Handelswege vermutlich einbrechen lassen.

Als Beispiel sei hier Mais genannt: In den USA könnte die Maisproduktion um knapp 46 Prozent zurück gehen. Bei gleichzeitig steigender globaler Nachfrage stellt das, etwa für den Inselstaat Jamaika, ein großes Risiko dar. Von der Gesamtimportmenge von 0,32 Mio. Tonnen kommen alleine 0,28 Mio. Tonnen aus den USA!

Es gibt auch Regionen, die vom Klimawandel profitieren, beim Beispiel Mais etwa Russland mit einer Zunahme um knapp 13 Prozent, Kanada (+17 %) oder Chile (+67 %). Die dort projizierten Mehrerträge sind jedoch in der Menge nicht ausreichend, um die Verluste bei den Top-Produzenten zu kompensieren.

Die Studie kann einerseits als Klimaalarmismus wahrgenommen werden, da es nicht so viele Menschen unter den heute handelnden Entscheidern gibt (für die die Studie maßgeblich geschrieben wurde), die diesen Zeitraum überhaupt erleben werden, um die Prognosen zu überprüfen. Andererseits ist das Thema zu ernst und real, um nicht wahrgenommen und durchdacht zu werden.

Die Studie ist auf Englischer Sprache erschienen und ist auch für Nichtwissenschaftler sehr gut verständlich lesbar. Es gibt interessante Tabellen und Grafiken zu den Auswirkungen auf die jeweiligen Kulturen in den verschiedenen Ländern und die globalen Handelsströme. Einige Grafiken sind leider ohne die Daten zwar nett anzuschauen, aber nur begrenzt aussagekräftig. Dafür gibt es jedoch die Daten als Excel-Datei zum Herunterladen, um selbst damit zu arbeiten.

Die Pressemitteilung zur Studie mit allen weiter führenden Links (immer unten auf den Seiten schauen) finden Sie unter folgender Webadresse:

https://www.sei.org/about-sei/press-room/new-assessment-reveals-major-climate-risks-to-global-food-trade-calls-for-urgent-multilateral-action/

 

Quelle:

Adams, K.M., Benzie, M., Croft, S. & Sadowski, S. (2021). Climate Change, Trade, and Global Food

Security: A Global Assessment of Transboundary Climate Risks in Agricultural Commodity Flows.

SEI Report. Stockholm Environment Institute, Stockholm.

https://doi.org/10.51414/sei2021.009

Der Frühstücksdrink wird teurer - Kaffee- und Zuckerpreise haussieren

11. August 2021 |  Die täglichen Commodity-News der letzten zwei Wochen wurden durch Kaffee dominiert. Ein Frosteinbruch in der Brasilianischen Anbauregion Minas Gerais sorgte für eine nachhaltige Schädigung der Kaffeepflanzen. Die Plantagen werden mitunter Jahre brauchen, um wieder in eine Ertragsphase zu kommen, die eine einträgliche Bewirtschaftung ermöglicht. Während Preissteigerungen für den Endverbraucher bereits spürbar werden und sicherlich noch zunehmen, sind die mittelfristigen Auswirkungen für die großen Marktteilnehmer zunächst überschaubar, da diese in der Regel große Mengen über Terminkontrakte hedgen.

Aber was ist schon Kaffee ohne Zucker? Langweilig! Doch nun ist der Zucker zurück in den Commodity-News! Mit einem Paukenschlag markierte Sugar No. 11 am 10.08.2021 ein neues 4 1/2-Jahres-Hoch. Durch die enorme Dürre und den Frosteinbruch in Brasilien sind die Zuckerrohrpflanzen gleichsam geschädigt und in ihrer Ertragskraft eingeschränkt. Die erwarteten Ertragsrückgänge verschärfen die global enge Angebotslage, berichtet der Nachrichtendienst Bloomberg.

Experten erwarten einen Boom-Zyklus für Rohstoffpreise, der bis zu 18 Monate anhalten könnte. Die globale angespannte Lage bei der Seefrachtkapazität, sowohl im Bulk- als auch im Containergeschäft, trägt zu den hohen Preisen bei. Die bereits eingesetzte Inflation bei globalen Lebensmittelpreisen dürfte sich weiter beschleunigen.

Im Vergleich zur letzten Ernte wird ein Ertragsrückgang von 19-20 Prozent in der Region Center-South erwartet. Sowohl die Zuckergehalte im Rohr als auch der Rohrertrag sind nach einem Bericht der Industriegruppe Unica enttäuschend.

In weiten Bereichen der Region Center-South erreichen die nutzbaren Feldkapazitäten kaum 10 Prozent, während für die erfolgreiche Anlage einer Pflanzung mindestens 60 Prozent nötig sind. Ohne zusätzliche Beregnung geht also nichts. Mit einer Entspannung ist erst zu rechnen, sollten sich ab Oktober wieder normale Niederschlagsverhältnisse einstellen.

Mittelfristig geht es für den Zuckerpreis demnach wohl weiter nach oben. Wir sind gespannt. Kaufen Sie Kaffee!

Zuckermarkt: Quo vadis?

6. August 2021 |  Seit dem Tiefpunkt des Corona-Crashes im April 2020 hat sich der Weltmarktpreis für Zucker unter hoher Volatilität mehr als verdoppelt. Heute gab es Nachrichten, die diesen Trend möglicherweise weiter stützen.

Wie der Nachrichtendienst Bloomberg berichtet, beschreitet Indien neue Wege. Die Indische Regierung hat ein Programm aufgelegt, den Autoverkehr mit Ethanol zu fördern. Dazu sollen jährlich ca. 6 Mio. Tonnen Zucker zu Ethanol verarbeitet werden. Damit werden mehrere Ziele verfolgt: Reduzierung der Luftverschmutzung, Verringerung der Ölimporte, Verringerung der inländischen Zuckerschwemme und ein verstärktes Investment in den ländlichen Raum. Bei konsequenter Verfolgung dieser Pläne könnte das für den Rest der Welt eine der größten Veränderungen seit vielen Jahren für die Zuckerwirtschaft bedeuten. Die fehlende Zuckermenge könnte einen Bullenmarkt befeuern. Allerdings würde das zu einem weiter steigenden Food Price Index beitragen, der stetig neue Höhen erreicht und damit andere Probleme in Teilen der Welt generiert. Indien produziert nahezu jedes Jahr einen Überschuss von etwa 6 Mio. Tonnen Zucker, die in der Regel mit hohen Exportsubventionen abgebaut werden und damit den Weltmarktpreis belasten.

Den vollständigen Artikel in Englischer Sprache finden Sie unter folgendem Link: https://finance.yahoo.com/news/cars-fueled-sugar-india-add-233000262.html

 

 

Zuckerflut aus Brasilien

16. Juni 2021 |  Der Nachrichtendienst Bloomberg berichtet über eine Studie, nach der Brasilien den Weltmarkt in den nächsten 10-15 Jahren mit Zucker fluten könnte. Eine der markantesten Ursachen soll der Umstieg Brasilianischer Autofahrer auf E-Mobilität sein, die langsam in dem riesigen Lateinamerikanischen Markt Einzug hält. Demnach wird ein Einbruch des Bioethanolabsatzes um 40 Prozent bis 2035 erwartet. Den Zuckermühlen Brasiliens bleiben danach nur wenig Alternativen, außer eben Zucker zu produzieren, welcher auf den Weltmarkt drängt.

Der Wandel in Lateinamerikas größter Wirtschaft ist ein Schlag für den Weltzuckermarkt, der unter stetigem Druck von Überangebot und weiter niedrigen Preisen leidet. Besonders betroffen wären unter den Rohrzuckerproduzenten besonders Thailand und Indien mit ihren im Vergleich höheren Produktionskosten. Auch für die nachgelagerte Industrie entsteht dadurch Druck, wie etwa für den Öl- und Energiekonzern BP, der kürzlich seine Kapazitäten zur Ethanolproduktion ausgebaut hat.

Die Nachfrage nach Ethanol, die in einigen Jahren bis zu 50 Prozent der Brasilianischen Zuckerrohrernte ausmacht, könnte im worst-case-Szenario der Studie ab 2025 zurück gehen und bis 2035 um 40 Prozent fallen. Von 2035 bis 2040 wird ein weiterer Rückgang um 20 Prozent prognostiziert.

Bisher war es Brasilianischen Zuckermühlen ohne großen Aufwand möglich, zwischen Zucker- oder Ethanolproduktion umzuschalten. Dieser Umstand ermöglichte eine schnelle Reaktion auf den Weltmarkt: In Zeiten Zuckerüberschusses wurde mehr Ethanol produziert, was in vielen Fällen zu einem Abbau des globalen Überangebotes an Zucker führte. Diese Möglichkeit würde nahezu wegfallen. In den letzten 15 Jahren hat dieser Umstand stets zu einer Glättung des Zuckermarktes geführt. In Zukunft würde die Volatilität der Wektmarktpreise zunehmen.

Den Online-Artikel des Nachrichtendienstes Bloomberg in Englischer Sprache finden Sie unter folgendem Link:
https://www.bloomberg.com/news/articles/2021-06-15/get-ready-for-a-flood-of-sugar-as-brazilians-buy-electric-cars

 

Plötzlicher Richtungswechsel

15. April 2021 | Der Weltmarktpreis für Zucker ist seit Anfang April täglich um 0,15 US$ pro Pfund gestiegen, das sind bis heute über 8 Prozent. Wenige Nachrichten führen zu diesem plötzlichen Richtungswechsel.

Eine enormer Notierungssprung bei Rohöl um über 4,5 Prozent am 14.04.2021 führt zur Erwartung höherer Ethanolproduktion, die eine Verknappung von Zucker bedeutet. Als Ursache für die Kurskapriolen des Rohöls wird insbesondere der Aufmarsch Russischer Truppen an der Grenze zur Ukraine verantwortlich gemacht. Niemand mag zurzeit abschätzen, was sich dort entwickelt. Spekulationen gibt es reichlich.

In Frankreich, dem größten Zuckerproduzenten der EU, sind schätzungsweise 10 Prozent der Rübenanbaufläche durch einen schweren Frosteinbruch geschädigt. Dementsprechend reagiert der Markt in Erwartung einer geringeren Versorgungslage.

Die Brasilianischen Überseehäfen sind im wahrsten Sinne des Wortes zugeparkt. Zurzeit stauen sich Schiffe, die Sojabohnen exportieren. Die Warteschlange vor den Häfen ist so lang, dass der Export von Zucker, der normalerweise seinen Höhepunkt im Mai hat, dadurch behindert werden wird.

Zuckerpreis erreicht Dreijahreshoch.

11. Februar 2021 | Der Weltmarktpreis für Zucker kennt zurzeit kein Halten. Bereits am 13. Januar wurde ein neues Dreijahreshoch erreicht und am 10. Februar erneut bestätigt.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Die Ölpreisrallye der vergangenen Wochen spielt eine Rolle, die Produktion von Ethanol statt Zucker aus Rohr ist attraktiv. Die Brasilianischen Ethanolexporte im Januar haben im Vergleich zum Vorjahr um 155 Prozent zugenommen.

Thailands Zuckerexporte liegen nach der strengsten Dürre der letzten 40 Jahre am Boden, viele Farmer haben dem durstigen Zuckerrohr den Rücken zugekehrt und sind auf andere Kulturen ausgewichen, etwa Cassava. Der Anbau dieser stärkehaltigen Wurzelknolle hat im vergangenen Jahr in Thailand um 7 Prozent zugenommen. Jetzt locken Thailändische Zuckermühlen die Farmer mit hohen Rohrpreisen zurück zum Zuckerrohr. In Brasilien wird von einer länger andauernden Phase unterdurchschnittlicher Niederschläge ausgegangen.

Hinzu kommt eine robuste Nachfrage aus Asien, insbesondere aus Indonesien und China, das seine Vorräte füllt. Chinas Importmenge alleine hat im Dezember 2020 um 325 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 910 Mio. Tonnen zugenommen.

Indien würde gerne mehr Zucker exportieren, leidet aber unter dem globalen Mangel an Containerkapazität. Internationale Frachtindizes bestätigen das: Mitte Februar 2020 lag der Drewry World Container Index bei 1600 US$ für einen 40-Fuß-Container, aktuell liegt die Rate bei 5200 US$. Während im Januar 2020 noch 370.000 Tonnen Zucker aus Indien exportiert wurden, waren es im Januar 2021 lediglich 70.000 Tonnen.

Das schürt die Notierungen. Doch damit könnte bald Schluss sein, vermuten Marktinsider. Hohe Preise sind gut gegen hohe Preise. Gute Wetteraussichten und die hohen Weltmarktpreise lassen eine Rückkehr vieler Thai-Farmer zum Zuckerrohr erwarten. Auch aus Indien wird von einer gesteigerten Produktion ausgegangen. Analysten leiten daraus für 2021/22 einen globalen Zuckerüberschuss von 5,2 Mio. Tonnen ab. Der Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg schreibt sogar von einer bevorstehenden Zuckerschwemme.

Weltmarktpreis für Zucker - Ein Basiswert für Spekulanten?

27. Januar 2021 |  Rohstoffhändler, Datenanbieter und Analysten beschäftigen sich im Rahmen der Marktbeobachtung mit sogenannten saisonalen Mustern. Saisonale Muster ergeben sich bei der Betrachtung einer Rohstoffnotierung über viele Jahre. Es ergeben sich charakteristische Chartverläufe, die oft eine hohe Wiederholgenauigkeit haben. Das Phänomen entsteht durch saisonale Angebots- und Nachfragezyklen, Witterungsverläufe und Erntephasen, die zu einem typischen Ansteigen und Fallen der Notierungen führen.

Für Rohstoffproduzenten, -händler und -verarbeiter ist die Kenntnis dieser Muster, neben diversen weiteren Faktoren, wichtig für die Planung ihrer Geschäfte. Es sind jedoch nicht nur unmittelbar mit dem Rohstoff arbeitende Parteien daran interessiert, sondern gleichfalls Trader, die mit dem saisonalen Auf und Ab Geld verdienen möchten. Eignet sich der Zuckerpreis als ein solches Instrument?

Strube dokumentiert, neben anderen Notierungen, täglich den Zuckerpreis. Um ein saisonales Muster zu erhalten, wird der Preis für jedes Jahr indexiert und beginnt bei 100. Um eine einigermaßen sichere Aussage zu erhalten, sind mindestens 10 Jahre in Folge zu indexieren. Das Mittel der Indexwerte ergibt saisonale Werte für jeden Handelstag des Jahres. Aus diesen Werten lassen sich weitere Analysen erstellen. (Grafik1 )

Die meisten Trader sind relativ kurzfristig engagiert, ihnen reicht die Aussage der Grafik nicht. Sie analysieren die Daten wesentlich detaillierter, um genaue Ein- und Ausstiegszeitpunkte zu definieren:

Zunächst wird für jeden einzelnen Monat (oder Woche, Quartal) jedes Jahres ermittelt, ob die Notierung am Monatsende höher oder tiefer als am Monatsbeginn lag, und um welchen relativen Betrag. Im Anschluss daran werden aus den Daten für die Monate der einzelnen Jahre wieder die Mittelwerte über den gesamten Zeitraum gebildet.

Der Trader weiß jetzt, welche Monate Gewinner- oder Verlierermonate waren, und kennt die Höhe der Gewinne oder Verluste im vergangenen Betrachtungszeitraum. Das Interessante für den Trader ist, dass er nicht nur auf steigende, sondern auch auf fallende Notierungen setzen kann. Viele Banken bieten entsprechende Wertpapiere an.

Wir versetzen uns in die Situation des Traders. Wir wollen in den schwächsten und stärksten Monat im Jahr 2020 je rund 1000,00 € investieren. Unsere Auswertung der Jahre 2008-2019 ergibt, dass von allen März-Monaten nur 8,3 % Gewinnmonate waren. Im Mittel ergab der März einen Verlust von 7,4 %. Das ist unser schwächster Monat. Dagegen waren 91,7 % der Juni-Monate Gewinnmonate mit einem mittleren Gewinn von 9,4 %. Das ist unser stärkster Monat.

 

2008-2019

JAN

FEB

MRZ

APR

MAI

JUN

JUL

AUG

SEP

OKT

NOV

DEZ

Anteil Gewinnmonate in %

25,0

50,0

8,3

75,0

50,0

91,7

8,3

41,7

75,0

33,3

41,7

58,3

Mittlerer Gewinn/Verlust in %

1,0

1,8

-7,4

-2,7

-1,7

9,4

1,1

-0,3

6,0

1,5

-2,4

1,7

Typ Faktorzertifikat x 10

  

Short

  

Long

      

Kurs Wertpapier Anfang

  

8,81 €

  

0,17 €

      

Kurs Wertpapier Ende

  

97,48€

  

0,26 €

      

Gewinn %

  

1006,47 %

  

57,58 %

      

Stückzahl

  

110 St.

  

6000 St.

      

Kaufpreis

  

969,10 €

  

990,00 €

      

Verkaufspreis

  

10722,80 €

  

1560,00 €

      

Gewinn

  

9753,70 €

  

570,00 €

      

 

Wir haben für dieses Beispiel bei einer Bank sogenannte Faktorzertifikate ausgesucht, die mit dem Faktor 10 auf fallende Notierungen (Short) und auf steigende Notierungen (Long) ausgegeben werden. Steigt der Basispreis (Zucker No.11) um 1 Prozent, so steigt der Kurs des Long-Faktorzertifikats um 10 Prozent. Entsprechend andersherum ist es im Fall der Short-Faktorzertifikate, sie steigen, wenn der Basiswert fällt. Sollte sich der Kurs des Basiswertes jedoch nicht in die erwartete Richtung bewegen, drohen entsprechend gehebelte Verluste. Die Berechnung beginnt an jedem Handelstag erneut. Unser fiktives Investment hätte jeweils genau vom ersten bis zum letzten Handelstag des jeweiligen Monats gedauert.

Im schwächsten Monat März hätte unser Trader mit seinem Short-Faktorzertifikat einen Kursgewinn von 1006,5 % realisiert, entsprechend einem Gewinn von 9753,70 €. (Grafik 2) Im stärksten Monat Juni wären es mit dem Long-Faktorzertifikat 57,6 % Kursgewinn gewesen, entsprechend einem Gewinn von 570,00 €. (Grafik 3) Alle Gewinne vor Steuern und Gebühren.

Dieses Beispiel zeigt, dass der Zuckerpreis auch für Leute interessant sein kann, die sich, abgesehen vom Zuckerwürfel in ihrer Kaffeetasse, nicht mit dem Rohstoff beschäftigen. Für sie ist das relativ zuverlässig planbare Auf und Ab der Notierungen nützlich, welches gerade für Agrarrohstoffe oft ein spezifisches Charakteristikum darstellt.

Dieses Beispiel stellt ausdrücklich keine Beratung oder eine Aufforderung zum Investieren dar. Die besprochenen Wertpapiere sind mit hohem Risiko, bis zum Totalverlust, verbunden.

Ein turbulentes Jahr nähert sich dem Ende.

11. Dezember 2020 | Was für eine Achterbahnfahrt! Der Weltmarktpreis für Zucker hat im Corona-Jahr 2020 bemerkenswerte Schwankungen an den Tag gelegt. Nach dem Absturz im Februar, als die globale Auswirkung der Pandemie deutlich wurde, erreichten die Notierungen ein markantes Tief Ende April. Seitdem hat sich der Wert unter hoher Volatilität wieder um über 60 Prozent erholt.

Die Gründe sind vielfältig. So gibt es Nachrichten, die eher gegen einen hohen Rohstoffpreis sprechen, als auch solche, die ihn auf Jahressicht eher stützen, oder sogar befeuern.

So wird erwartet, dass Indien auch ohne staatliche Subventionen 1,5-2 Mio. Tonnen Zucker exportiert, die zurzeit hohen Notierungen nutzend. Zeitgleich wird die Zuckerproduktion deutlich zunehmend erwartet, 17 % höher im Vergleich zum Vorjahr.

Brasilien produziert einen höheren Anteil Zucker als Ethanol aus dem Rohr. Für die Periode 2020/21 werden 42 % erwartet, während im Vorjahreszeitraum lediglich 28 % zu Zucker verarbeitet wurden.

Für höhere Notierungen sprechen Defizit-Erwartungen der ISO von 3,5 Mio. Tonnen für 2020/21. Die Zuckerrohrernte in Thailand wird im Vergleich zum Vorjahr um 13 % geringer ausfallen, sie sinkt mit 7,2 Mio. Tonnen auf ein 11-Jahres-Tief. Thailand leidet unter Dürre. Auch in den wichtigen Brasilianischen Anbaugebieten für Zuckerrohr hat es in den letzten Monaten mitunter nur 5-25 % des mittleren üblichen Niederschlags gegeben. Die Rohrbestände leiden.

Im Jahresverlauf haben sich die Notierungen von Agrarrohstoffen wie Zucker und Weizen trotz Covid-Lochs gut gehalten, auch Internationale Aktien haben sich vom anfänglichen Schock erholt. Lediglich der Ölpreis spiegelt den extrem zurückgegangenen Verbrauch wider und notiert noch 25 % niedriger als zu Jahresbeginn.

Wir sind gespannt, wann sich der Zuckerpreis langsam wieder normalisiert und in ein gewisses saisonales Muster zurückkehrt. Zunächst wird abzuwarten sein, wie sich die enormen Impfkampagnen und weitere Maßnahmen auf den weiteren Verlauf der Covid-Pandemie und die Entwicklung der Wirtschaft auswirken. Selbst, wenn die Maßnahmen langfristig erfolgreich sein sollten, sind wir davon überzeugt, dass die Welt danach in vielerlei Hinsicht eine andere sein wird.

Wir werden ein fremdes, stilles, möglicherweise einsames Weihnachtsfest erleben. Landwirte stecken aber in der Regel nicht den Kopf in den Sand, sondern sehen nach vorne. Weizen und Raps sind bereits bestellt, die Zwischenfrüchte überwiegend sehr gut entwickelt. Die Zuckerfabriken laufen unter Volldampf. In jedem Fall wünsche ich Ihnen einige besinnliche Tage und einen guten Wechsel in das Neue Jahr, mit der Hoffnung auf eine baldige Rückkehr zu normalen Verhältnissen.

Ihr Strube Marktbeobachter

 

Interessantes aus Indien: Pragmatische Lösung des Zuckerüberschusses - Aufessen!

3. November 2020 | Nach Berichten verschiedener Wirtschaftsmedien sitzt Indien erneut auf einem Überschuss von ca. 6 Mio. Tonnen Zucker. Hohe Produktionskosten machen es für die Zuckerunternehmen schwierig, den Zucker ohne hohe Exportsubventionen auf dem Weltmarkt zu verkaufen. Streit mit Australien und Brasilien über diese Praxis sind vorprogrammiert.

Die Indische Regierung hat nun angekündigt, keine Subventionen mehr zum Abbau von Überschüssen zu bezahlen, nachdem sich eine erneut um 13 Prozent gestiegene Produktion andeutet.

Wohin also mit dem Zucker?

Der Verband der Indischen Zuckermühlen (ISMA) hat eine Kampagne für den vermehrten Verzehr von Zucker gestartet. Eine neue Webseite präsentiert kurze Artikel mit Titeln wie "Essen, Trinken und Gesundheit: Ein wenig Zucker ist nicht schlimm". Beiträge in den sozialen Medien und Workshops mit prominenten Köchen und Fitness-Coaches begleiten das Thema. Indiens Ernährungsminister stellt klar, dass Zucker seinen schlechten Ruf nicht verdient und mehrheitlich Mythen ohne wissenschaftlichen Hintergrund verdankt.

Der Indische Pro-Kopf-Jahresverbrauch an Zucker stagniert bei 19 kg, etwas geringer im Vergleich zum mittleren globalen Verbrauch von 23 kg. Sollte es der Kampagne gelingen, den Verbrauch in Indien auf das globale Niveau anzuheben, stiege dadurch der Inlandsverbrauch um über 5 Mio. Tonnen pro Jahr. Das Überschussproblem und die damit verbundenen Schwierigkeiten wären gelöst.

Quellen: Bloomberg; BBC News; Indian Sugar Mills Association

Agrarrohstoffe steigen

27. Oktober 2020 | Nach dem Erreichen markanter Tiefs seit Beginn der Corona-Pandemie steigen die Weltmarktpreise für Weizen und Zucker. Chicago-Weizen hat sich seit Ende Juni um gut 30 Prozent erholt, Zucker Nr. 11 seit Ende April um über 60 Prozent. Auch Mais und Sojabohnen haussieren. China muss seine wachsenden Schweinebestände füttern.

Die beginnenden Preisteigerungen und die erneute, rasante Zunahme an Corona-Infektionen führen zu Hamsterkäufen. Nach Berichten von Bloomberg hat Jordanien Rekord-Lagermengen an Weizen aufgebaut, Ägypten hat zusätzlich zu seiner eigenen Ernte seine Einkäufe auf dem Weltmarkt um über 50 Prozent erhöht. Es geht um die Vorbeugung von Lebensmittelkrisen im Falle einer zunehmenden Beschränkung des globalen Handels durch Hafenschließungen.

Und das könnte erst der Beginn sein. China, als der weltgrößte Importeur von allem, Erdöl, Eisenerz oder Sojabohnen, plant die Erweiterung seiner gigantischen Staatsreserven in den Fünfjahresplan aufzunehmen. Das hätte ohne Zweifel Einfluss auf Rohstoffpreise am Weltmarkt, sind sich Analysten sicher.

Hinzu kommen Wetterextreme, wie Dürre in den USA, Russland und Brasilien, die Ernten und Erträge gefährden und die Preise für Lebensmittel von Zucker bis Pflanzenöl weiter in die Höhe treiben.

Laut Welternährungsprogramm ist die Lage düster, speziell in ärmeren Ländern, die zwingend auf Lebensmittelimporte angewiesen sind.

Die Erholung der Rohstoffpreise hat auch eine politische Dimension: Die Situation kommt bei US-Farmen gut an und ist hoch willkommen, werden doch Rekordmengen an Mais und Sojabohnen zu guten, steigenden Preisen verkauft. Um auch den letzten Farmer davon zu überzeugen, den richtigen Präsidentschaftskandidaten zu wählen, verkauft die Trump-Administration in einem eilig präsentierten Zwischenbericht die Situation als ihre Leistung. In dem Bericht werden Werte in die Zukunft projiziert, von denen noch niemand genau wissen kann, ob sie eintreffen. Entsprechend gibt es daran berechtigte Kritik.

Insgesamt unterstreicht das Thema, wie essenziell wichtig eine leistungsfähige Landwirtschaft für die Sicherung der Welternährung ist. Desto unverständlicher ist es, dass Politik und Gesellschaft Landwirten in Gunstregionen, wie bei uns, mit zunehmend höheren, fachlich nicht nachzuvollziehenden Auflagen immer wieder Steine in den Weg legen und eine produktive Arbeit behindern. 


Quellen:

Countries Start Hoarding Food as Prices Rise and Covid Worsens
https://finance.yahoo.com/news/countries-start-hoarding-food-prices-051929166.html

Floods, Drought Are Destroying Crops and Sparking Food Inflation
https://finance.yahoo.com/news/floods-drought-destroying-crops-sparking-100000303.html

How has China's U.S. farm purchases fared under trade deal? (NYSE:ADM) | Seeking Alpha
https://seekingalpha.com/news/3625496-how-chinas-u-s-farm-purchases-fared-under-trade-deal?utm_medium=email&utm_source=seeking_alpha

Trump Administration Claims on Farm Trade Progress Questioned - Bloomberg
https://www.bloomberg.com/news/articles/2020-10-24/trump-administration-claims-on-farm-trade-progress-questioned?source=news_body_link

Ag Report Cover v7red.pdf
https://ustr.gov/sites/default/files/assets/files/interim-report-on-agricultural-trade-between-the-united-states-and-china-final.pdf?source=news_body_link

Agrarsektor vs. Markt

Am 20. Februar 2020 begann ein bisher nie dagewesener Absturz des Deutschen Aktienindex DAX. Auslöser war die Coronapandemie mit ihren bis heute nicht abzuschätzenden Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Große Indices weltweit erholen sich langsam, aber wie sieht es auf dem Agrarsektor aus?

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Zuckerpreis zeigt Erholung

12. Juni 2020 | Seit dem 28. April 2020 erholt sich der Weltmarktpreis für Zucker, nachdem dort ein Zehnjahrestief erreicht wurde. Bis heute betrug der Anstieg der Notierungen beachtliche 30 Prozent! Geht das so weiter?

Der Absturz ab Mitte Februar war bedingt durch mehrere Faktoren, welche sich auch gegenseitig verstärkten, wie einen schwachen Brasilianischen Real, Ölpreiskrieg und nicht zuletzt der weltweit einsetzende lockdown im Zuge der globalen Ausbreitung von COVID-19.

Zurzeit gibt es eigentlich kaum fundamentale Gründe, die für eine Fortsetzung der zu beobachtenden Erholung des Zuckerpreises sprechen.

Die Analysten von Platts nahmen ihre Einschätzung des globalen Zuckerdefizits von 7,6 Mio. Tonnen auf 2,5 Mio. Tonnen zurück. Sie gehen von einer steigenden Zuckerproduktion in Brasilien aus, mit einhergehendem Konsumeinbruch durch die Auswirkungen der Coronapandemie.
Diese Annahme wird gestützt durch einen Bericht von UNICA, dem Verband der Brasilianischen Zuckerrohrindustrie. Demnach nahm die Zuckerrohrverarbeitung in Center South in der ersten Maihälfte um knapp 9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu und übertraf die Erwartungen. Zeitgleich stieg der Anteil des zu Zucker (statt zu Ethanol) verarbeiteten Rohrs: Während es in 2019/20 36 Prozent waren, ist dieser Anteil in 2020/21 auf beachtliche 47 Prozent gestiegen. CONAB als offizielle Brasilianische Behörde stützt diese Berichte durch die Angabe tendenziell gleichgerichteter Werte.
Die Brasilianische Wirtschaft ächzt unter einer eingebrochenen Binnennachfrage, in der ersten Maihälfte ist nach dem Bericht von UNICA der Ethanolverbrauch um 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen.
Nach Berichten des USDA Foreign Agricultural Service soll Indiens Zuckerproduktion 2020/21  um 17 Prozent steigen, mit einer Zunahme der Vorräte um knapp 9 Prozent; Einschätzungen ähnlicher Tendenz wurden auch für den globalen Zuckermarkt genannt.

Bemerkenswert ist die Richtungsparität von Sugar No. 11 (Kerzen) und Brent Öl (schwarze Linie): Seit März bewegen diese beiden Notierungen sich nahezu im Gleichschritt.

Petrobras reduziert Benzinpreis um nahezu 10 Prozent – Ethanol trotzdem interessant - Zuckerpreisrallye ist pulverisiert

19.03.2020 | Damit reagierte der Brasilianische Ölkonzern in der zweiten Märzwoche mit massiven Preiskürzungen an den Tankstellen auf den Ölpreis-Kollaps, der auf dem Russisch-Arabischen Ölkrieg beruht. Das ist noch weit entfernt vom Preissturz in den USA, wo Benzinfutures seit dem 03.03.2020 um fast 50 Prozent abgestürzt sind. Die Welt schwimmt in Öl.

Erwähnenswert ist es dennoch, denn das Signal kommt aus Brasilien, dem Zuckergiganten. Durch das billige Benzin verliert Bioethanol aus Zuckerrohr an Wettbewerbskraft. Demnach ist anzunehmen, dass die Brasilianischen Zuckermühlen bei anhaltend billigen Ölpreisen statt Ethanol ihre Produktion auf Zucker umstellen. Als Reaktion auf diese Nachrichten fiel der Zuckerpreis in New York schlagartig um mehr als 5 Prozent.

Interessant und folgerichtig in der augenblicklichen Situation ist die Meldung des Ethanolherstellers CropEnergies vom 18.03.2020: Statt aus Agrarrohstoffen nur Bioethanol für die Beimischung zu Kraftstoffen (E10) herzustellen, wird die Produktion zum Teil auf Neutralalkohol für Desinfektionsmittel umgestellt. Weltweit werden diese bei hoher Nachfrage knapp.

Es wird bereits über eine weltweit nachlassende Zuckernachfrage berichtet. So schätzt das Marktforschungsunternehmen Czarnikow einen Rückgang des weltweiten Verbrauchs um 2 Mio. Tonnen. Die Menschen gehen zum Essen und Trinken nicht mehr aus, weil Restaurants auf der ganzen Welt nach und nach geschlossen werden, bzw. ihr Angebot verringern. Vorräte bestehen aus Dingen des täglichen Bedarfs und Grundnahrungsmitteln, die Menschen kochen wieder selbst. Das verbraucht weniger Zucker.

Als Folge dieser Entwicklung ist der Zuckerpreis weiter gefallen: Wie gewonnen, so zerronnen. Die Preisrallye, die wir hier seit dem 13.09.2019 beobachten, hat gut 150 Kalendertage angehalten und zu einem Preisanstieg von 47 Prozent geführt. Inzwischen sind wir wieder auf dem Niveau des Beginns der Rallye. Innerhalb von 35 Kalendertagen wurde der Zuckerpreis pulverisiert. Als nächste wichtige Unterstützung dient die Zone um 10,70 Cent pro Pfund. Diese ist mit den Tiefstnotierungen am 18.03.2020 ebenfalls unterlaufen worden, womit wir uns in seit über 10 Jahren "unbekanntem Terrain" befinden. Weiterer Verlauf ungewiss.

Unsere Einschätzung: Abwarten. Zurzeit ist eine rationale Bewertung der Situation so gut wie unmöglich. Ihnen und Ihren Familien, liebe Leser, wünschen wir in diesen Zeiten Gelassenheit, Gesundheit und eine erfolgreiche Zuckerrüben-Aussaat.

Irrationale Märkte spielen verrückt

10.03.2020 | Aus einer Korrektur wird Panik. Russland und Saudi-Arabien brechen einen Ölkrieg vom Zaun, während alle pumpen wie verrückt, bei gleichzeitig immer mehr nachlassendem Bedarf an Öl. Am 09.03.2020 stürzte der Ölpreis im frühen Handel um 30 Prozent ab, der größte Tagesverlust seit dem Golfkrieg 1991. Notenbanken spülen durch Zinssenkung virtuelles Geld in einen ausgeflippten Markt. Allerdings: Da ist nicht mehr viel zu senken. Niemand kann abschätzen, wie sich die Ausbreitung des Coronavirus gestaltet. Die globale Wirtschaft humpelt.

An den Aktienmärkten herrscht irrationale Panik, gestern erlitten alle großen Indizes mehr als 7 Prozent  Verluste, an der Wall Street wurde durch Sicherheitsmechanismen kurzzeitig der Handel ausgesetzt. Zurzeit wechselt das Geld rasend von den schwachen in die starken Hände, ängstliche Zocker realisieren brutale Verluste, langfristig ausgerichtete Anleger dagegen sammeln jetzt in der Korrektur günstig Qualitätsinvestments ein.

Während Rohstoffe wie Kupfer, Eisenerz und Erdöl mit als erste den Sinkflug einleiteten, konnte Zucker sich dem Absturz etwas länger entziehen. Warum?

Nach wie vor gilt, dass große Zuckerproduzenten wie Thailand und Indien von einer reduzierten Produktion ausgehen, global wird verstärkt von einer Defizitsituation ausgegangen. Die ISO erhöhte am 28. Februar erneut ihre Schätzung von vormals 6,1 auf 9,4 Mio. Tonnen Zuckerdefizit. Die hohen Notierungen bewegen Zuckerproduzenten und -händler dazu, sich diese durch Futuresgeschäfte abzusichern, sie gehen "Long". Umgangssprachlich bedeutet das, dass sie bereits heute das Recht erwerben, in der Zukunft zu einem festgelegten Termin eine bestimmte Menge Zucker zu einem bereits jetzt festgelegten Preis zu verkaufen. Dementsprechend sind in den letzten Wochen die Long-Positionen auf Produzentenseite stark gestiegen. Dadurch wurden die Notierungen eine gewisse Zeit gestützt. Der Absturz jedoch ließ sich dadurch nicht aufhalten.

Hohe Long-Positionen auf Produzentenseite bedeuten ein hohes, in die Zukunft gerichtetes Angebot. Der Brasilianische Real ist weiterhin gegenüber dem US-Dollar im freien Fall, Brasilien verkauft also Zucker. Die Februar-Exporte haben nach Aussage des Brasilianischen Handelsministeriums im Vergleich zum Vorjahr um 12,4 % auf 1,3 Mio. Tonnen zugenommen.

Die irrationale Panik ist beim Zuckerpreis angekommen. Seit dem 21.02.2020 hat Sugar No. 11 innerhalb von 10 Handelstagen 20 Prozent eingebüßt. Am 04.03.2020 wurde eine charttechnisch wichtige Marke bei 13,54 Cent pro Pfund einfach durchschlagen, um darauf in den folgenden Handelstagen den freien Fall fortzusetzen. Die nächste charttechnisch wichtige Zone wartet zwischen 11,90 und 12,10 Cent pro Pfund, einem Bereich, der für Zuckerproduzenten wenig attraktiv ist. Kurzfristig wird sich die Achterbahnfahrt wohl noch etwas fortsetzen, bis der Markt sich beruhigt.

Wir wünschen Ihnen zuallererst Gesundheit, eine störungsfreie Aussaat und einen kühlen Kopf beim Investment.

Coronavirus: Auswirkung auf den Zuckerpreis?

25.02.2020 | Bereits in unserem letzten Beitrag sind wir auf das Thema des globalen Effekts eingegangen, als erste weltweite Auswirkungen spürbar wurden. Inzwischen wird täglich in nahezu allen Medien über die Auswirkung der Ausbreitung des Coronavirus (COVID-19) auf die global vernetzte Wirtschaft berichtet.
Die Effekte sind enorm. Um zu sehen, was in ähnlichen Epidemien in der Vergangenheit passiert ist, lohnt es sich, auf einen gut diversifizierten Aktienindex zu schauen, der zahlreiche global vernetzte Unternehmen abbildet. Dazu haben sich Analysten von Citi Research die Performance des S&P 500-Index während einer Auswahl verschiedener Epidemien angeschaut.

Betrachtet wurden folgende Epidemien: SARS (Januar - März 2003), Vogelgrippe H5N1 (Januar - August 2004), MERS (September - November 2012), Ebola (Dezember 2013 - Februar 2014), Zika (November 2015 - Februar 2016), und aktuell das COVID-19 ab Januar 2020, das wir interessehalber selbst weiter verfolgen.

Allgemein wird stets angenommen, dass Wirtschaftskrisen, verursacht wodurch auch immer, mit sinkenden Ölpreisen einher gehen, weil die Nachfrage sinkt und die Förderung nicht so einfach von Heute auf Morgen gedrosselt werden kann. Die Betrachtung des Preises für die Nordseesorte Brent zeigt, dass ein solcher Zusammenhang nicht zwangsläufig vorliegt.

Wirken auf den Weltmarktpreis für Zucker ähnliche Kräfte? Wir haben das für die gleichen Zeiträume untersucht. Dabei wird sichtbar, dass es keinen klar erkennbaren Zusammenhang zwischen globaler Wirtschaft, Epidemien und dem Zuckerpreis zu geben scheint.

Und... was macht aktuell der Zuckerpreis? Seit unserem letzten Beitrag sind 11 Handelstage vergangen, und die Notierungen für Sugar No. 11 sind seitdem knapp 5 % gestiegen. Preistreiber sind, neben anderen, Nachrichten über die seit 40 Jahren gravierendste Dürre in Thailand, mit einer sich wohl weiter verschärfenden Defizitsituation.

Möglicherweise sind die regionalen Schwerpunkte der Epidemie und der Zeitraum ihres Auftretens von größerer Bedeutung. Hinzu kommen Wettereinflüsse, die die Zuckerproduktion beeinflussen. Volkswirtschaftliche Parameter, wie z. B. die unterschiedliche Preiselastizität von Basiswerten, machen eine pauschale Betrachtung und Prognose kaum möglich.

Rahmenbedingungen ändern sich sehr schnell: Seit der SARS-Epidemie ist die Wirtschaft Chinas um das achtfache gewachsen. 2003 machte Chinas BIP 4 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung aus, heute sind es 16 Prozent. COVID-19 entwickelt eine bisher nicht gesehene Dynamik und ist mit Epidemien wie SARS kaum vergleichbar. Verschieden Experten gehen von einer Dauer von über einem Jahr aus, mit bisher nicht abzuschätzenden Folgen.

Quellen:
The Oilfield Almanac and Gazette: Gasmageddon Issue; 10.02.2020
Franklin Templeton: Full Economic Implications of Coronavirus Largely Unknown; 22.02.2020
Reuters Graphics: Comparing the Wuhan Coronavirus Outbreak with SARS and MERS; 01.02.2020
Strube, eigene Berechnungen und Darstellungen

Sugar No. 11 - Eine Blase? Welche Rolle spielt das Corona-Virus?

06.02.2020 | Bei internationalen Marktbeobachtern mehren sich Stimmen der Skepsis, ob die Rallye beim Zuckerpreis weiter geht. Viele halten die derzeitigen Notierungen für übertrieben und prognostizieren für die nächste Zeit eine scharfe Korrektur. Immerhin hat sich der Preis seit dem Tief im September 2019 um 40 % nach oben bewegt, für die Saison absolut ungewöhnlich.

Die Skepsis wird genährt durch Situationen, in denen sich der Zuckerpreis völlig anders verhält als sonst.

Vergleicht man den Zuckerpreis mit großen Rohstoffindizes, marschieren diese mittelfristig im Gleichschritt. Das ist seit September 2019 anders. Der Vergleich mit dem Invesco DB Commodity Index, der, obwohl öllastig, ein guter Indikator für den breiten Rohstoffmarkt ist, zeigt das deutlich. Zucker steigt unbeirrt, während der Index nach unten dreht. [Grafik 1]

Vergleicht man den Zuckerpreis mit dem Ethanolpreis, wird Ähnliches sichtbar. Normalerweise gehen fallende Ethanolnotierungen mit fallenden Zuckernotierungen einher, da mehr Zucker auf den Markt kommt. Ab Oktober 2019 divergieren beide Notierungen stark voneinander. [Grafik 2]

Vergleicht man den Zuckerpreis mit dem Wechselkurs des Brasilianischen Real zum US-Dollar, ist die Faustregel, dass ein schwacher Real zu fallenden Zuckernotierungen führt, weil dann der Anreiz besteht, große Zuckermengen zu verkaufen, die in US-Dollar bezahlt werden. Auch dieses Phänomen läuft seit Mitte September entgegengesetzt. [Grafik 3]

Die Zusammenhänge von Öl-, Ethanol- und Zuckerpreis sind bekannt. Die Rohölmärkte reagieren mit ungeheurer Geschwindigkeit auf veränderte Rahmenbedingungen des Energiemarktes, während Zucker nicht nur als Energy-, sondern auch als Soft-Commodity gehandelt wird und daher einen gewissen Puffer enthält.

Die Änderung politischer Rahmenbedingungen und der Ausbruch und die rasante Verbreitung des Coronavirus in China führen zu enormen Veränderungen im Energiemarkt. Chinas Ankündigung, jährlich im Rahmen einer E10-Kampagne bis zu 14 Mrd. Litern Ethanol zu importieren, ist von der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission zurückgenommen worden. Seit Januar 2020 sind die Ölpreise um 20 % gefallen. Die traditionellen Ferien zu Beginn des chinesischen Neujahrsfestes sind um 10 Tage verlängert worden. Fabriken, Büros und Geschäfte bleiben geschlossen, viele Inlandsflüge sind gestrichen. Viele Fluggesellschaften aus der ganzen Welt haben ihre Flugverbindungen nach China eingestellt, was zu einer enormen Einsparung an Kerosin führt.

Nach Berichten von Bloomberg ist der tägliche Ölverbrauch Chinas um 20 % eingebrochen, eine Menge, die Großbritannien und Italien zusammen verbrauchen. Energieanalysten berichten vom bisher größten jemals beobachteten Nachfrageeinbruch am Ölmarkt, bezogen auf Umfang und Geschwindigkeit.

Es ist schwierig abzuschätzen, wie sich die Situation weiterentwickelt.

In der globalen just-in-time-Wirtschaft laufen erste Läger leer, die normalerweise aus China beliefert werden. Modedesigner sagen Messen ab, weil ihre Kollektionen nicht geliefert werden. Maschinenkomponenten, wie z. B. Halbleiterplatten, die in der Produktion bei uns gebraucht würden, kommen nicht an. Die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft werden langsam überall spürbar.

Beim Zuckerpreis scheint diese Entwicklung noch nicht angekommen zu sein, erste Beobachter warnen vor einer Blase mit einer entsprechend drohenden Korrektur. Und ganz allmählich kommt ein weiterer Player im Markt dazu, der bisher von Rohstoffanalysten keine oder wenig Beachtung fand: Russland. Russland ist der größte Zuckerrübenanbauer der Welt, mit einer Zuckerproduktion 2019 von 7,2 Mio. Tonnen, einer Zunahme von fast 25 % im Vergleich zum Vorjahr.

Insgesamt viele Faktoren, die gegen eine weitere Steigerung des Zuckerpreises sprechen. Es bleibt spannend, wir beobachten die Entwicklung für Sie weiter.

 

Zuckerpreis geht durch die Decke

17.01.2020 | Aktuelle Zuckernotierungen des Leitfutures Nr. 11 haben in den letzten Tagen unsere Einschätzung einer Seitwärtsbewegung als eine Fehleinschätzung erwiesen. Langjährig saisonal bewegt sich der Zuckerpreis Nr. 11 normalerweise im Januar und Februar seitwärts, um dann im März vorübergehend deutlich zu fallen. Das ist dieses Jahr zurzeit anders. Am 10. Januar verließ der Weltmarktpreis für Zucker unsere „Komfortzone“ über 14 Cent pro Pfund und steigt in großen Schritten weiter. Steckt eine Geschichte dahinter?

In Center South (Brasilien) wurden in der zweiten Dezemberhälfte 734.000 Tonnen Rohr zu 13.000 Tonnen Zucker verarbeitet, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Rückgang um 71 % (Rohr) bzw. 82 % (Zucker). Mit 137 Mio. Litern Ethanol wurden 36 % weniger als im Vorjahreszeitraum produziert.

Indien sitzt auf Zuckervorräten von 14 Mio. Tonnen, von denen 6 Mio. Tonnen mit Unterstützung durch Exportsubventionen verkauft werden sollen. Nach Beschwerden bei der WTO sind diese Subventionen jedoch gekürzt worden, und nach und nach wird dieser Zucker auf den Markt kommen. Die hohen Notierungen zurzeit ermutigen die indischen Händler zum Export, was den Preis auch mit einem gewissen Deckel versehen dürfte.

Die Wasserreservoire in Indien sind zurzeit durch ergiebige Monsunniederschläge überdurchschnittlich gut gefüllt, wie der aktuelle Bericht der Central Water Commission der Indischen Regierung zeigt.

Am 26. Januar ist Tag der Republik in Indien, ein Nationalfeiertag, mit einem speziellen Teilnehmer: Als Haupt- und Ehrengast wird der Brasilianische Präsident Jair Bolsonaro in Begleitung einer starken Wirtschaftsdelegation, unter anderem UNICA, anwesend sein. Damit folgt er einer Einladung von Indiens Premierminister Modi. Bolsonaro hat vorgeschlagen, die Produktion von Ethanol in Indien zu fördern. Genügend Rohstoff sei vorhanden und ausbaufähig. Indiens Agrarsektor, Wirtschaft und Umwelt könnte in vielerlei Hinsicht profitieren.

Die Folge wäre die Verringerung des Zuckerangebots am Weltmarkt, einher gehend mit stabilen, auskömmlichen Preisen. Indiens Abhängigkeit von Ölimporten würde sich verringern, der riesige Markt liegt direkt vor der Haustür. CO2-Emission aus fossilen Quellen gingen zurück. Die Luftqualität in indischen Großstädten, legendär schlecht in Mumbai oder Delhi, könnte möglicherweise durch den Einsatz von Flex-Fuel-Fahrzeugen enorm verbessert werden. China, mit einem zukünftig hohen Bedarf an Ethanol für die E10-Produktion, stellt einen großen Nachfrager aus der Nachbarschaft dar.

Der schnelle Start in die Ethanolzeit Indiens kann mit brasilianischem Know-How zügig starten.

Das klingt alles nach einer win-win-Situation. An den Rohstoff- und Wertpapierbörsen der Welt werden Zukunftserwartungen eingepreist und gehandelt. Zum Teil dürfte auch die derzeitige Rallye dadurch befeuert sein.

Quellen:
Government of India, Central Water Commission: Reservoir Level & Storage Bullettin, 09.01.2020
hindustantimes.com: Brazil’s Bolsonaro accepts PM’s invitation to be chief guest on R-Day
bloomberg.com: Sugar Traders Hold Tight: India’s Set to Roil Markets Again
reuters.com: Brazil to promote ethanol in Bolsonaro visit to India - Unica

China braucht Ethanol für Biosprit: Zuckerpreis steigt weiter

10.01.2020 | Chinas Nationale Entwicklungs- und Reformkommission erwägt, den Anteil Biotreibstoffe anzuheben. Nach Angaben des USDA wird China 18 Mio. Tonnen Ethanol pro Jahr benötigen, mehr als das vierfache der derzeit produzierten 4,2 Mio. Tonnen. Die Menge ist erforderlich, um täglich 3,6 Mio. Barrel E10-Benzin bereitzustellen.
Die erwartete Folge ist ein Umschalten von der Zucker- zur Ethanolproduktion in Zuckerrohrmühlen und einer damit einhergehenden Verknappung von Zucker am Weltmarkt.

Zum Jahresende zeigen die Ampeln für den Zuckerpreis weiter auf Grün

20.12.2019 | Zurzeit bestimmen überwiegend Nachrichten den Weltzuckermarkt, die für stabile Notierungen sorgen.

• Ein hoher Wechselkurs des Brasilianischen Real gegenüber dem US-Dollar sorgt für eine Angebotsverknappung von Zucker aus Brasilien.

• Am 18. Dezember gab die Indian Sugar Mills Association neue Produktionszahlen bekannt. Im Zeitraum vom 1. Oktober bis zum 15. Dezember 2019 ging die Produktion um 35 Prozent, bzw. 4,6 Mio Tonnen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück. 

• Für Brasiliens Region Center South wird erwartet, dass lediglich 34 Prozent des Zuckerrohrsaftes der Ernte 2019/20 für die Zuckerproduktion verwendet werden. Im Vergleich zum Vorjahr soll die Ethanolproduktion um mehr als 7 Prozent auf über 33 Mrd. Liter ansteigen. 

• In den USA wurden die Produktionsschätzungen ebenfalls nach unten korrigiert.

Auf der Spekulantenseite wird angenommen, dass die short-Eindeckungen der Trader, die durch die steigenden Preise auf dem falschen Fuß erwischt wurden, nahezu erfüllt sind. Eine weitere Befeuerung der derzeitigen Rallye von dieser Seite scheint nicht mehr zu erwarten zu sein. Inzwischen nehmen große Rohstofffonds eine positive Grundhaltung für den Zuckerpreis ein: Die Zahl der Long-Positionen übersteigt erstmals seit 13 Monaten die Zahl der Short-Positionen. Händler rechnen also mit stabilen, oder sogar steigenden Notierungen.

Wir erwarten weiter bis Ende Februar, sollte nichts Außergewöhnliches vorkommen, eine mittel volatile Seitwärtsbewegung der Weltmarktnotierungen im Korridor von 13 bis 14 USc pro Pfund.

Zum Jahresende bedanken wir uns für Ihr Interesse, wünschen Ihnen Frohe Weihnachten, ein gutes Neues Jahr, und den Investoren und Tradern unter Ihnen (ja, die gibt es hier auch unter den Lesern) stets gute Investments. 

Zucker steigt und steigt

04.12.2019 | Während andere Marktbeobachter von einem Kursfeuerwerk bei Zucker berichten, sind wir etwas zurückhaltender, und bezeichnen den Kursverlauf eher als Achterbahnfahrt. Das ist nicht weniger aufregend!

Innerhalb des einjährigen Trendkanals begann am 28.06.2019 ein weiterer Abschwung (0). Dieser verlief bis zum 12.09.2019 (1). Innerhalb von 51 Handelstagen fiel der Kurs um 16,8 %. Ein wichtiger Punkt liegt dabei in der Mitte dieser Zeitspanne: Hier passiert etwas, das Marktbeobachter aufmerksam macht. Während die Notierungen bis zum 12.08. um teilweise mehr als 3 Standardabweichungen nach oben und unten streuen, kehrt danach große Ruhe ein (!!). Die Notierungen fallen zwar immer noch, aber mit einer Standardabweichung von weniger als 1,5; und stets oberhalb einer Unterstützungslinie. Es gibt keine Ausreißer nach unten mehr! Im Nachhinein kann das als Vorbote der Mini-Rallye bewertet werden. Der Ehrlichkeit halber ist zu erwähnen, dass die Chartanalyse nicht als klare Wissenschaft betrachtet werden darf, sondern auch viel Interpretationsspielraum verleiht.

Am 12.09.2019 wird der untere Rand des langen Abwärtstrendkanals touchiert (1), und ab hier beginnt eine furiose Mini-Rallye! Innerhalb von 14 Handelstagen steigen die Notierungen, unterbrochen von einer großen Lücke (2) um über 21 Prozent (3), nur um  anschließend wieder um fast 7 % abzutauchen. Der obere Rand des langen Abwärtstrendkanals wird zur Unterstützung (4), und seitdem erleben wir wieder 7 % Anstieg in 28 Handelstagen (5).

Zurzeit bestimmt eine Nachrichtenlage das Bild, die für höhere Notierungen für Weltmarktzucker spricht. Allerdings nähern wir uns einem Preis um die 13 USc pro Pfund. Ab hier wird das Zuckergeschäft sowohl für Indien als auch Brasilien, die großen Player am Markt, komfortabel. Ölpreise und Wetterbedingungen können die Notierungen noch etwas bewegen. Wir erwarten mittelfristig eine Beruhigung auf dem Niveau um 13 USc pro Pfund.

Was gibt es Neues am Zuckermarkt?

14.11.2019 | Unsere kleine Prognose vom 23.09.2019 hat sich schneller und weitergehend erfüllt, als wir geahnt haben.

Es gibt Gründe für diese kleine Mini-Rallye und den Ausbruch aus dem Trendkanal nach oben, die diese Tendenz zurzeit auch weiter befeuern. Die globalen Gründe, die für die nächsten ein bis zwei Jahre vorsichtigen Optimismus versprechen, sind bereits genannt worden. UNICA berichtete, dass die Brasilianischen Zuckerproduzenten aus Center South im Oktober 2,1 Mrd. Liter Etanol verkauft haben, 5 Prozent mehr als im Vorjahr, und gleichzeitig eine Rekordmenge für einen einzelnen Monat. Ethanol statt Zucker sorgt für stabile Notierungen im Weltzuckermarkt.

Die Indian Sugar Mills Association (ISMA) prognostiziert für das Jahr 2019/20 einen Rückgang der Indischen Zuckerproduktion um 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ein Zusammenschluss Indischer Zuckerproduzenten spricht sogar von einem Rückgang um 20,7 Prozent. Die Schätzungen liegen dicht beieinander und finden entsprechend Gehör im Markt.

Der Finanzdienstleister INTL FCStone ging im August für 2019/20 noch von einem globalen Defizit von 5,9 Mio. Tonnen aus, und hat diese Angabe aufgrund ungünstiger Wetterbedingungen in Asien auf 7,7 Mio. Tonnen nach oben korrigiert.

Allerdings muss man sich stets bewusst sein, dass es kein wirkliches Zuckerdefizit gibt, denn alleine Indien sitzt auf riesigen Zuckermengen zwischen 4 und 5 Mio. Tonnen. Das Defizit besteht im Kontext von Produktion und Verbrauch. Eine Zuckerknappheit gibt es nicht. Die oben genannten Nachrichten können auch strategischer Natur sein, um ein wenig höhere Preise am Weltmarkt zu forcieren. Wenn man bereit ist, 13 Cent für das Pfund zu bezahlen, kann man so viel Zucker bekommen, wie man möchte. Darauf warten die Inder.

Ein weiterer Schlüsselfaktor ist der Ölpreis: Ist er niedrig, kommt Zucker aus Brasilien. Ist er hoch, wird brasilianischer Zucker knapper und teurer, und die Inder kommen zum Zuge.

Eine internationale Gruppe von Klimaforschern vermutet für 2020 das Auftreten eines El-Nino-Events mit entsprechend negativen Folgen für die Zuckerrohranbauer in Brasilien und Asien. Auch das spricht eher für engere Märkte, mit einem Preisniveau an oder knapp über 13 Cent pro Pfund.

Die sich verschärfenden Prognosen sorgen für zunächst weiter steigende Preise am Weltzuckermarkt. Bei ein wenig über 13 Cent pro Pfund dürfte allerdings ein Widerstand zu erwarten sein, da sich das Angebot nach Einschätzung internationaler Zuckerexperten dann wieder steigern wird.

Aus Louisiana in den USA berichten zwei Zuckerproduzenten von höherer Gewalt durch Frostschäden an den Zuckerrüben. Es ist wahrscheinlich, dass die US-Zuckerimporte am Weltmarkt steigen.

Die Warnung vor heftigen Regenfällen in Brasilien lässt eine Behinderung der Rohrernte erwarten. Beide Meldungen schieben den Zuckerpreis am Weltmarkt am 13.11.2019 um über 2 Prozent weiter an. 

Zuckerpreis sendet charttechnische Signale

23.09.2019 | Der Weltmarktpreis für Zucker sorgt bei den Marktbeobachtern von Strube derzeit für Aufmerksamkeit.

Vor ziemlich genau einem Jahr, am 26.09.2018, markierte der Weltmarktpreis für Zucker bei 9,9 USc/lbs ein Zehnjahrestief. In den folgenden 18 Handelstagen erfolgte eine fulminante Aufholjagd bis auf 14,03 USc/lbs! Das sind über 40 %.

Ab diesem Zeitpunkt ging der Jahreschart in eine typische Chartformation über, die Analysten „Fallende Flagge“ nennen. Interessant ist, dass diese an der Unterstützungslinie des Zehnjahrestiefs nach oben dreht, was für eine erste Bestätigung der Unterstützungslinie spricht, und anschließend einen seit 14 Handelstagen steil fallenden Widerstand nach oben durchbricht.

Charttechniker werten dieses Kursverhalten als erstes Einstiegssignal und versuchen, aufgrund der vorhergegangenen ungewöhnlich deutlichen Chartmuster ein erstes Kursziel zu berechnen. Obwohl das für Agrarrohstoffe sehr gewagt ist, haben wir es versucht, und kommen auf ein Kursziel von 11,80 bis 12,00 USc/lbs im Verlauf der nächsten 23 Handelstage, also um den 16.10.2019. Wir sind gespannt, ob unsere Prognose ungefähr passt, weil die Vorgehensweise besser auf Aktien, als auf Rohstoffe passt.

Folgende Umstände stützen unsere Einschätzung: Die Marktberichte aus Brasilien bezüglich einer geringeren Zuckerproduktion in Center South sorgen für Erwartungen steigender Preise. Die ISO berichtete wiederholt von einem Ende der globalen Überschussphase für die kommenden Jahre. Der Zuckerkommissar von Maharashtra, Indiens Bundesstaat mit der größten Zuckerproduktion, reduzierte seine Ernteschätzung von vormals 6,4 auf 5,3 Mio. Tonnen. Diese Nachrichten sorgen für short-Eindeckungen von Spekulanten, die auf weiter fallende Kurse gesetzt hatten, was den Preis kurzfristig zunächst weiter nach oben treiben dürfte.

Auf der Gegenseite sorgt aktuell ein gegenüber dem US-Dollar schwacher Brasilianischer Real dafür, dass brasilianische Zuckerproduzenten vermehrt Zucker exportieren. Das drückt den Weltmarkt. Die ISO betont wiederholt, dass selbst ein globales Zuckerdefizit nicht ausreicht, um die enormen Lagervorräte nachhaltig zu reduzieren, da es weltweit einen Feldzug gegen Zuckerkonsum zu beobachten gibt, der den Verbrauch empfindlich verringert.

Es bleibt also spannend zu beobachten.

Zuckerpreis schmilzt weiter ab - Indien bläst zum Abverkauf

31.01.2019
Zuckerpreis schmilzt weiter ab - Indien bläst zum Abverkauf

Die niedrigen Zuckerpreise auf dem Weltmarkt und eine gute Ernte haben in Indien dazu geführt, dass die Zuckermühlen auf extrem hohen Vorräten sitzen, 83 Prozent mehr als im Vorjahr. Bislang ist nur wenig exportiert worden, um den Zucker nicht zu verschleudern. Neu Delhi hatte die Zuckermühlen zu Exporten in Höhe von 2 Mio Tonnen aufgefordert, bisher sind aber nur 620.000 Tonnen verschifft worden. Darüber hinaus schulden die Zuckermühlen den Anbauern noch 2,7 Milliarden US$, die man versucht, durch Überbrückungskredite zu finanzieren. Inzwischen gibt es erste, teils gewalttätige Unruhen, weil die Anbauer ihr Geld fordern. (1)

Um nicht in nachhaltige Schwierigkeiten zu kommen, sollen nun große Zuckermengen verkauft und gleichzeitig der Anbau erweitert werden. Staatliche Exportbeihilfen sollen den Verkaufspreis für den Zucker von 29 Rupien per kg auf 35-36 Rupien anheben. (2)

Indiens Zuckervorräte haben sich 2018 auf 15,4 Mio. Tonnen fast verdoppelt. Die nächste Ernte Indiens wird auf eine Zuckermenge von 36 Mio. Tonnen geschätzt, noch einmal gut 5 Prozent mehr als in der Vorsaison. Das würde bedeuten, dass Indiens Zuckerproduktion seit 15 Jahren das erste Mal die von Brasilien übertrifft, die mit gut 30 Mio. Tonnen um gut 20 Prozent geringer eingeschätzt wird. Gründe dafür sind Wechselkurseffekte zwischen Brasilianischem Real und US$ und Ölpreisschwankungen, die eine kurzfristige Steigerung der Ethanolproduktion attraktiv machen. (3)

Insgesamt gibt es zurzeit keinen vernünftigen Grund, von einer nachhaltigen Erholung des Zuckerpreises am Weltmarkt auszugehen.
 

Quellen:
(1) The Economic Times India
(2) Bloomberg Markets
(3) Commodity Newswires, Barchart.com

Enorme Ausschläge beim Zuckerpreis - Warum?

10.10.2018
Enorme Ausschläge beim Zuckerpreis - Warum?
Der Weltmarktpreis für Zucker macht zurzeit durch einen rasanten Anstieg auf sich aufmerksam. Einer der Gründe dürfte sicher die starke Aufwertung des Brasilianischen Real gegenüber dem US-Dollar sein. Der konservativ-neoliberale, von den Märkten favorisierte Präsidentschaftskandidat Bolsonaro hat die erste Runde der Präsidentschaftswahlen deutlich für sich entschieden und stützt daher diesen Trend. Ähnliches gilt übrigens auch für Kaffee, einen für Brasilien wichtigen Agrarrohstoff. Kaffee- und Zuckerpreise befanden sich seit Monaten auf dem Weg nach unten. Große Short-Seller (Spekulative Finanzanleger) trugen diesen starken Trends Rechnung und wetteten auf weiter fallende Preise. Durch die plötzliche positive Wechselkursentwicklung waren diese gezwungen, sich mit großen Positionen einzudecken. Das führte am Rohstoffmarkt zu enormen Preisausschlägen.

Hurrican Michael sorgt zurzeit für den Ausfall von etwa 40 % der Ölproduktionskapazitäten im Golf von Mexiko. Die Benzinpreise in den USA steigen und steigen. Um dem entgegen zu wirken, hat US-Präsident Trump die Zulassung von E15 angekündigt. Bisher wird in den USA üblicherweise E10 getankt. Ethanol wird in den USA hauptsächlich aus Mais erzeugt. Die Landwirte, eine wichtige Klientel für die anstehenden Kongresswahlen, dürften davon profitieren: Etwa 40 % der US-Maisernte dürfte in die Ethanolproduktion gehen. Der schwelende Handelsstreit mit China hat zu starken Einkommenseinbußen bei Sojabohnen geführt, die nun durch Mais im Anbau ersetzt werden könnten.

Ethanol kann natürlich auch aus Zuckerrohr oder -rüben hergestellt werden. Möglicherweise führt auch die Annahme, dass das passiert, zu einer kurzfristigen Steigerung und Stützung der Zuckerpreise.
In der Regel haben politische Börsen jedoch kurze Beine, und eine Prognose bleibt schwierig.

Quellen: Commerzbank Commodity Research, ARD-Börse, Eigene Beobachtungen

++++

Börsen-Exkurs: Wie spekuliert ein Short-Seller?
Ein Short-Seller setzt auf fallende Kurse. Er leiht sich für eine geringe Gebühr z. B. eine Aktie/Future zu einem Kurs von 100 € und verkauft sie. Zu einem festen Termin muss er die Aktie dem Verleiher zurück geben. Fällt die Aktie auf 80 €, kauft er diese und gibt sie an den Verleiher zurück. Die Differenz ist sein Gewinn. Die Spekulation ist aufgegangen.

Steigen aber wider Erwarten die Kurse, hat sich der Leerverkäufer verzockt. Er muss ja die Aktie wieder zurück geben und ist jetzt gezwungen, sich möglichst schnell noch einzudecken, um liefern zu können und seinen Verlust gering zu halten. Diese sogenannten "short-squeezes" können die Kurse in sehr kurzer Zeit in irrationale Höhen treiben.

++++

Weltzuckerpreise ab 2008

Wo geht die Reise hin?

Innerhalb der vergangenen 8 Jahre bewegten sich die Weltzuckerpreise an den Börsen in London (Weißzucker) und New York (Rohzucker) zwischen 150 und 600 Euro/Tonne. Seit dem Höchststand von Roh- und Weißzucker an den Börsen Anfang 2011 befanden sich die Preise mit starken Schwankungen in einem Abwärtstrend. Seit Oktober 2015 konnte ein deutlicher Anstieg bis Oktober 2016 um 200 Euro verzeichnet werden. Im Laufe des Jahres 2017 gingen die Preise jedoch wieder zurück und pendelten sich bis Ende des Jahres beim Weißzucker bei knapp unter 300 Euro/Tonne ein. 

Quelle: EU-Kommission, Börsen London und New York, Europreise dem Wechselkurs angepasst. (Stand 31. August 2018)

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