Internationale Zuckerhandelspreise

Deutsche Zuckerrübenanbauer sind seit dem Ende der Zuckermarktordnung am 1. Oktober 2017 deutlich mehr von den internationalen Zuckerpreisen abhängig, die an den Börsen in London und New York sowie innerhalb der EU gehandelt werden. Zwar haben einige Zuckerhersteller den Landwirten auch Zahlungsmodelle mit dreijähriger Preisbindung angeboten, jedoch lohnt sich der Blick auf die internationalen Märkte heute mehr denn je.

Zucker steigt und steigt

04.12.2019 | Während andere Marktbeobachter von einem Kursfeuerwerk bei Zucker berichten, sind wir etwas zurückhaltender, und bezeichnen den Kursverlauf eher als Achterbahnfahrt. Das ist nicht weniger aufregend!

Innerhalb des einjährigen Trendkanals begann am 28.06.2019 ein weiterer Abschwung (0). Dieser verlief bis zum 12.09.2019 (1). Innerhalb von 51 Handelstagen fiel der Kurs um 16,8 %. Ein wichtiger Punkt liegt dabei in der Mitte dieser Zeitspanne: Hier passiert etwas, das Marktbeobachter aufmerksam macht. Während die Notierungen bis zum 12.08. um teilweise mehr als 3 Standardabweichungen nach oben und unten streuen, kehrt danach große Ruhe ein (!!). Die Notierungen fallen zwar immer noch, aber mit einer Standardabweichung von weniger als 1,5; und stets oberhalb einer Unterstützungslinie. Es gibt keine Ausreißer nach unten mehr! Im Nachhinein kann das als Vorbote der Mini-Rallye bewertet werden. Der Ehrlichkeit halber ist zu erwähnen, dass die Chartanalyse nicht als klare Wissenschaft betrachtet werden darf, sondern auch viel Interpretationsspielraum verleiht.

Am 12.09.2019 wird der untere Rand des langen Abwärtstrendkanals touchiert (1), und ab hier beginnt eine furiose Mini-Rallye! Innerhalb von 14 Handelstagen steigen die Notierungen, unterbrochen von einer großen Lücke (2) um über 21 Prozent (3), nur um  anschließend wieder um fast 7 % abzutauchen. Der obere Rand des langen Abwärtstrendkanals wird zur Unterstützung (4), und seitdem erleben wir wieder 7 % Anstieg in 28 Handelstagen (5).

Zurzeit bestimmt eine Nachrichtenlage das Bild, die für höhere Notierungen für Weltmarktzucker spricht. Allerdings nähern wir uns einem Preis um die 13 USc pro Pfund. Ab hier wird das Zuckergeschäft sowohl für Indien als auch Brasilien, die großen Player am Markt, komfortabel. Ölpreise und Wetterbedingungen können die Notierungen noch etwas bewegen. Wir erwarten mittelfristig eine Beruhigung auf dem Niveau um 13 USc pro Pfund.

Was gibt es Neues am Zuckermarkt?

14.11.2019 | Unsere kleine Prognose vom 23.09.2019 hat sich schneller und weitergehend erfüllt, als wir geahnt haben.

Es gibt Gründe für diese kleine Mini-Rallye und den Ausbruch aus dem Trendkanal nach oben, die diese Tendenz zurzeit auch weiter befeuern. Die globalen Gründe, die für die nächsten ein bis zwei Jahre vorsichtigen Optimismus versprechen, sind bereits genannt worden. UNICA berichtete, dass die Brasilianischen Zuckerproduzenten aus Center South im Oktober 2,1 Mrd. Liter Etanol verkauft haben, 5 Prozent mehr als im Vorjahr, und gleichzeitig eine Rekordmenge für einen einzelnen Monat. Ethanol statt Zucker sorgt für stabile Notierungen im Weltzuckermarkt.

Die Indian Sugar Mills Association (ISMA) prognostiziert für das Jahr 2019/20 einen Rückgang der Indischen Zuckerproduktion um 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ein Zusammenschluss Indischer Zuckerproduzenten spricht sogar von einem Rückgang um 20,7 Prozent. Die Schätzungen liegen dicht beieinander und finden entsprechend Gehör im Markt.

Der Finanzdienstleister INTL FCStone ging im August für 2019/20 noch von einem globalen Defizit von 5,9 Mio. Tonnen aus, und hat diese Angabe aufgrund ungünstiger Wetterbedingungen in Asien auf 7,7 Mio. Tonnen nach oben korrigiert.

Allerdings muss man sich stets bewusst sein, dass es kein wirkliches Zuckerdefizit gibt, denn alleine Indien sitzt auf riesigen Zuckermengen zwischen 4 und 5 Mio. Tonnen. Das Defizit besteht im Kontext von Produktion und Verbrauch. Eine Zuckerknappheit gibt es nicht. Die oben genannten Nachrichten können auch strategischer Natur sein, um ein wenig höhere Preise am Weltmarkt zu forcieren. Wenn man bereit ist, 13 Cent für das Pfund zu bezahlen, kann man so viel Zucker bekommen, wie man möchte. Darauf warten die Inder.

Ein weiterer Schlüsselfaktor ist der Ölpreis: Ist er niedrig, kommt Zucker aus Brasilien. Ist er hoch, wird brasilianischer Zucker knapper und teurer, und die Inder kommen zum Zuge.

Eine internationale Gruppe von Klimaforschern vermutet für 2020 das Auftreten eines El-Nino-Events mit entsprechend negativen Folgen für die Zuckerrohranbauer in Brasilien und Asien. Auch das spricht eher für engere Märkte, mit einem Preisniveau an oder knapp über 13 Cent pro Pfund.

Die sich verschärfenden Prognosen sorgen für zunächst weiter steigende Preise am Weltzuckermarkt. Bei ein wenig über 13 Cent pro Pfund dürfte allerdings ein Widerstand zu erwarten sein, da sich das Angebot nach Einschätzung internationaler Zuckerexperten dann wieder steigern wird.

Aus Louisiana in den USA berichten zwei Zuckerproduzenten von höherer Gewalt durch Frostschäden an den Zuckerrüben. Es ist wahrscheinlich, dass die US-Zuckerimporte am Weltmarkt steigen.

Die Warnung vor heftigen Regenfällen in Brasilien lässt eine Behinderung der Rohrernte erwarten. Beide Meldungen schieben den Zuckerpreis am Weltmarkt am 13.11.2019 um über 2 Prozent weiter an. 

Zuckerpreis sendet charttechnische Signale

23.09.2019 | Der Weltmarktpreis für Zucker sorgt bei den Marktbeobachtern von Strube derzeit für Aufmerksamkeit.

Vor ziemlich genau einem Jahr, am 26.09.2018, markierte der Weltmarktpreis für Zucker bei 9,9 USc/lbs ein Zehnjahrestief. In den folgenden 18 Handelstagen erfolgte eine fulminante Aufholjagd bis auf 14,03 USc/lbs! Das sind über 40 %.

Ab diesem Zeitpunkt ging der Jahreschart in eine typische Chartformation über, die Analysten „Fallende Flagge“ nennen. Interessant ist, dass diese an der Unterstützungslinie des Zehnjahrestiefs nach oben dreht, was für eine erste Bestätigung der Unterstützungslinie spricht, und anschließend einen seit 14 Handelstagen steil fallenden Widerstand nach oben durchbricht.

Charttechniker werten dieses Kursverhalten als erstes Einstiegssignal und versuchen, aufgrund der vorhergegangenen ungewöhnlich deutlichen Chartmuster ein erstes Kursziel zu berechnen. Obwohl das für Agrarrohstoffe sehr gewagt ist, haben wir es versucht, und kommen auf ein Kursziel von 11,80 bis 12,00 USc/lbs im Verlauf der nächsten 23 Handelstage, also um den 16.10.2019. Wir sind gespannt, ob unsere Prognose ungefähr passt, weil die Vorgehensweise besser auf Aktien, als auf Rohstoffe passt.

Folgende Umstände stützen unsere Einschätzung: Die Marktberichte aus Brasilien bezüglich einer geringeren Zuckerproduktion in Center South sorgen für Erwartungen steigender Preise. Die ISO berichtete wiederholt von einem Ende der globalen Überschussphase für die kommenden Jahre. Der Zuckerkommissar von Maharashtra, Indiens Bundesstaat mit der größten Zuckerproduktion, reduzierte seine Ernteschätzung von vormals 6,4 auf 5,3 Mio. Tonnen. Diese Nachrichten sorgen für short-Eindeckungen von Spekulanten, die auf weiter fallende Kurse gesetzt hatten, was den Preis kurzfristig zunächst weiter nach oben treiben dürfte.

Auf der Gegenseite sorgt aktuell ein gegenüber dem US-Dollar schwacher Brasilianischer Real dafür, dass brasilianische Zuckerproduzenten vermehrt Zucker exportieren. Das drückt den Weltmarkt. Die ISO betont wiederholt, dass selbst ein globales Zuckerdefizit nicht ausreicht, um die enormen Lagervorräte nachhaltig zu reduzieren, da es weltweit einen Feldzug gegen Zuckerkonsum zu beobachten gibt, der den Verbrauch empfindlich verringert.

Es bleibt also spannend zu beobachten.

Zuckerpreis schmilzt weiter ab - Indien bläst zum Abverkauf

31.01.2019
Zuckerpreis schmilzt weiter ab - Indien bläst zum Abverkauf

Die niedrigen Zuckerpreise auf dem Weltmarkt und eine gute Ernte haben in Indien dazu geführt, dass die Zuckermühlen auf extrem hohen Vorräten sitzen, 83 Prozent mehr als im Vorjahr. Bislang ist nur wenig exportiert worden, um den Zucker nicht zu verschleudern. Neu Delhi hatte die Zuckermühlen zu Exporten in Höhe von 2 Mio Tonnen aufgefordert, bisher sind aber nur 620.000 Tonnen verschifft worden. Darüber hinaus schulden die Zuckermühlen den Anbauern noch 2,7 Milliarden US$, die man versucht, durch Überbrückungskredite zu finanzieren. Inzwischen gibt es erste, teils gewalttätige Unruhen, weil die Anbauer ihr Geld fordern. (1)

Um nicht in nachhaltige Schwierigkeiten zu kommen, sollen nun große Zuckermengen verkauft und gleichzeitig der Anbau erweitert werden. Staatliche Exportbeihilfen sollen den Verkaufspreis für den Zucker von 29 Rupien per kg auf 35-36 Rupien anheben. (2)

Indiens Zuckervorräte haben sich 2018 auf 15,4 Mio. Tonnen fast verdoppelt. Die nächste Ernte Indiens wird auf eine Zuckermenge von 36 Mio. Tonnen geschätzt, noch einmal gut 5 Prozent mehr als in der Vorsaison. Das würde bedeuten, dass Indiens Zuckerproduktion seit 15 Jahren das erste Mal die von Brasilien übertrifft, die mit gut 30 Mio. Tonnen um gut 20 Prozent geringer eingeschätzt wird. Gründe dafür sind Wechselkurseffekte zwischen Brasilianischem Real und US$ und Ölpreisschwankungen, die eine kurzfristige Steigerung der Ethanolproduktion attraktiv machen. (3)

Insgesamt gibt es zurzeit keinen vernünftigen Grund, von einer nachhaltigen Erholung des Zuckerpreises am Weltmarkt auszugehen.
 

Quellen:
(1) The Economic Times India
(2) Bloomberg Markets
(3) Commodity Newswires, Barchart.com

Enorme Ausschläge beim Zuckerpreis - Warum?

10.10.2018
Enorme Ausschläge beim Zuckerpreis - Warum?
Der Weltmarktpreis für Zucker macht zurzeit durch einen rasanten Anstieg auf sich aufmerksam. Einer der Gründe dürfte sicher die starke Aufwertung des Brasilianischen Real gegenüber dem US-Dollar sein. Der konservativ-neoliberale, von den Märkten favorisierte Präsidentschaftskandidat Bolsonaro hat die erste Runde der Präsidentschaftswahlen deutlich für sich entschieden und stützt daher diesen Trend. Ähnliches gilt übrigens auch für Kaffee, einen für Brasilien wichtigen Agrarrohstoff. Kaffee- und Zuckerpreise befanden sich seit Monaten auf dem Weg nach unten. Große Short-Seller (Spekulative Finanzanleger) trugen diesen starken Trends Rechnung und wetteten auf weiter fallende Preise. Durch die plötzliche positive Wechselkursentwicklung waren diese gezwungen, sich mit großen Positionen einzudecken. Das führte am Rohstoffmarkt zu enormen Preisausschlägen.

Hurrican Michael sorgt zurzeit für den Ausfall von etwa 40 % der Ölproduktionskapazitäten im Golf von Mexiko. Die Benzinpreise in den USA steigen und steigen. Um dem entgegen zu wirken, hat US-Präsident Trump die Zulassung von E15 angekündigt. Bisher wird in den USA üblicherweise E10 getankt. Ethanol wird in den USA hauptsächlich aus Mais erzeugt. Die Landwirte, eine wichtige Klientel für die anstehenden Kongresswahlen, dürften davon profitieren: Etwa 40 % der US-Maisernte dürfte in die Ethanolproduktion gehen. Der schwelende Handelsstreit mit China hat zu starken Einkommenseinbußen bei Sojabohnen geführt, die nun durch Mais im Anbau ersetzt werden könnten.

Ethanol kann natürlich auch aus Zuckerrohr oder -rüben hergestellt werden. Möglicherweise führt auch die Annahme, dass das passiert, zu einer kurzfristigen Steigerung und Stützung der Zuckerpreise.
In der Regel haben politische Börsen jedoch kurze Beine, und eine Prognose bleibt schwierig.

Quellen: Commerzbank Commodity Research, ARD-Börse, Eigene Beobachtungen

++++

Börsen-Exkurs: Wie spekuliert ein Short-Seller?
Ein Short-Seller setzt auf fallende Kurse. Er leiht sich für eine geringe Gebühr z. B. eine Aktie/Future zu einem Kurs von 100 € und verkauft sie. Zu einem festen Termin muss er die Aktie dem Verleiher zurück geben. Fällt die Aktie auf 80 €, kauft er diese und gibt sie an den Verleiher zurück. Die Differenz ist sein Gewinn. Die Spekulation ist aufgegangen.

Steigen aber wider Erwarten die Kurse, hat sich der Leerverkäufer verzockt. Er muss ja die Aktie wieder zurück geben und ist jetzt gezwungen, sich möglichst schnell noch einzudecken, um liefern zu können und seinen Verlust gering zu halten. Diese sogenannten "short-squeezes" können die Kurse in sehr kurzer Zeit in irrationale Höhen treiben.

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Weltzuckerpreise ab 2008

Wo geht die Reise hin?

Innerhalb der vergangenen 8 Jahre bewegten sich die Weltzuckerpreise an den Börsen in London (Weißzucker) und New York (Rohzucker) zwischen 150 und 600 Euro/Tonne. Seit dem Höchststand von Roh- und Weißzucker an den Börsen Anfang 2011 befanden sich die Preise mit starken Schwankungen in einem Abwärtstrend. Seit Oktober 2015 konnte ein deutlicher Anstieg bis Oktober 2016 um 200 Euro verzeichnet werden. Im Laufe des Jahres 2017 gingen die Preise jedoch wieder zurück und pendelten sich bis Ende des Jahres beim Weißzucker bei knapp unter 300 Euro/Tonne ein. 

Quelle: EU-Kommission, Börsen London und New York, Europreise dem Wechselkurs angepasst. (Stand 31. August 2018)

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