Internationale Zuckerhandelspreise

Deutsche Zuckerrübenanbauer sind seit dem Ende der Zuckermarktordnung am 1. Oktober 2017 deutlich mehr von den internationalen Zuckerpreisen abhängig, die an den Börsen in London und New York sowie innerhalb der EU gehandelt werden. Zwar haben einige Zuckerhersteller den Landwirten auch Zahlungsmodelle mit dreijähriger Preisbindung angeboten, jedoch lohnt sich der Blick auf die internationalen Märkte heute mehr denn je.

Zuckerpreis schmilzt weiter ab - Indien bläst zum Abverkauf

31.01.2019
Zuckerpreis schmilzt weiter ab - Indien bläst zum Abverkauf

Die niedrigen Zuckerpreise auf dem Weltmarkt und eine gute Ernte haben in Indien dazu geführt, dass die Zuckermühlen auf extrem hohen Vorräten sitzen, 83 Prozent mehr als im Vorjahr. Bislang ist nur wenig exportiert worden, um den Zucker nicht zu verschleudern. Neu Delhi hatte die Zuckermühlen zu Exporten in Höhe von 2 Mio Tonnen aufgefordert, bisher sind aber nur 620.000 Tonnen verschifft worden. Darüber hinaus schulden die Zuckermühlen den Anbauern noch 2,7 Milliarden US$, die man versucht, durch Überbrückungskredite zu finanzieren. Inzwischen gibt es erste, teils gewalttätige Unruhen, weil die Anbauer ihr Geld fordern. (1)

Um nicht in nachhaltige Schwierigkeiten zu kommen, sollen nun große Zuckermengen verkauft und gleichzeitig der Anbau erweitert werden. Staatliche Exportbeihilfen sollen den Verkaufspreis für den Zucker von 29 Rupien per kg auf 35-36 Rupien anheben. (2)

Indiens Zuckervorräte haben sich 2018 auf 15,4 Mio. Tonnen fast verdoppelt. Die nächste Ernte Indiens wird auf eine Zuckermenge von 36 Mio. Tonnen geschätzt, noch einmal gut 5 Prozent mehr als in der Vorsaison. Das würde bedeuten, dass Indiens Zuckerproduktion seit 15 Jahren das erste Mal die von Brasilien übertrifft, die mit gut 30 Mio. Tonnen um gut 20 Prozent geringer eingeschätzt wird. Gründe dafür sind Wechselkurseffekte zwischen Brasilianischem Real und US$ und Ölpreisschwankungen, die eine kurzfristige Steigerung der Ethanolproduktion attraktiv machen. (3)

Insgesamt gibt es zurzeit keinen vernünftigen Grund, von einer nachhaltigen Erholung des Zuckerpreises am Weltmarkt auszugehen.
 

Quellen:
(1) The Economic Times India
(2) Bloomberg Markets
(3) Commodity Newswires, Barchart.com

Enorme Ausschläge beim Zuckerpreis - Warum?

10.10.2018
Enorme Ausschläge beim Zuckerpreis - Warum?
Der Weltmarktpreis für Zucker macht zurzeit durch einen rasanten Anstieg auf sich aufmerksam. Einer der Gründe dürfte sicher die starke Aufwertung des Brasilianischen Real gegenüber dem US-Dollar sein. Der konservativ-neoliberale, von den Märkten favorisierte Präsidentschaftskandidat Bolsonaro hat die erste Runde der Präsidentschaftswahlen deutlich für sich entschieden und stützt daher diesen Trend. Ähnliches gilt übrigens auch für Kaffee, einen für Brasilien wichtigen Agrarrohstoff. Kaffee- und Zuckerpreise befanden sich seit Monaten auf dem Weg nach unten. Große Short-Seller (Spekulative Finanzanleger) trugen diesen starken Trends Rechnung und wetteten auf weiter fallende Preise. Durch die plötzliche positive Wechselkursentwicklung waren diese gezwungen, sich mit großen Positionen einzudecken. Das führte am Rohstoffmarkt zu enormen Preisausschlägen.

Hurrican Michael sorgt zurzeit für den Ausfall von etwa 40 % der Ölproduktionskapazitäten im Golf von Mexiko. Die Benzinpreise in den USA steigen und steigen. Um dem entgegen zu wirken, hat US-Präsident Trump die Zulassung von E15 angekündigt. Bisher wird in den USA üblicherweise E10 getankt. Ethanol wird in den USA hauptsächlich aus Mais erzeugt. Die Landwirte, eine wichtige Klientel für die anstehenden Kongresswahlen, dürften davon profitieren: Etwa 40 % der US-Maisernte dürfte in die Ethanolproduktion gehen. Der schwelende Handelsstreit mit China hat zu starken Einkommenseinbußen bei Sojabohnen geführt, die nun durch Mais im Anbau ersetzt werden könnten.

Ethanol kann natürlich auch aus Zuckerrohr oder -rüben hergestellt werden. Möglicherweise führt auch die Annahme, dass das passiert, zu einer kurzfristigen Steigerung und Stützung der Zuckerpreise.
In der Regel haben politische Börsen jedoch kurze Beine, und eine Prognose bleibt schwierig.

Quellen: Commerzbank Commodity Research, ARD-Börse, Eigene Beobachtungen

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Börsen-Exkurs: Wie spekuliert ein Short-Seller?
Ein Short-Seller setzt auf fallende Kurse. Er leiht sich für eine geringe Gebühr z. B. eine Aktie/Future zu einem Kurs von 100 € und verkauft sie. Zu einem festen Termin muss er die Aktie dem Verleiher zurück geben. Fällt die Aktie auf 80 €, kauft er diese und gibt sie an den Verleiher zurück. Die Differenz ist sein Gewinn. Die Spekulation ist aufgegangen.

Steigen aber wider Erwarten die Kurse, hat sich der Leerverkäufer verzockt. Er muss ja die Aktie wieder zurück geben und ist jetzt gezwungen, sich möglichst schnell noch einzudecken, um liefern zu können und seinen Verlust gering zu halten. Diese sogenannten "short-squeezes" können die Kurse in sehr kurzer Zeit in irrationale Höhen treiben.

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Weltzuckerpreise ab 2008

Wo geht die Reise hin?

Innerhalb der vergangenen 8 Jahre bewegten sich die Weltzuckerpreise an den Börsen in London (Weißzucker) und New York (Rohzucker) zwischen 150 und 600 Euro/Tonne. Seit dem Höchststand von Roh- und Weißzucker an den Börsen Anfang 2011 befanden sich die Preise mit starken Schwankungen in einem Abwärtstrend. Seit Oktober 2015 konnte ein deutlicher Anstieg bis Oktober 2016 um 200 Euro verzeichnet werden. Im Laufe des Jahres 2017 gingen die Preise jedoch wieder zurück und pendelten sich bis Ende des Jahres beim Weißzucker bei knapp unter 300 Euro/Tonne ein. 

Quelle: EU-Kommission, Börsen London und New York, Europreise dem Wechselkurs angepasst. (Stand 31. August 2018)

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