Zuckerrüben, Krankheiten, Schädlinge, Zuckerrübenanbau, Zuckerertrag, Zuckerrübe, Resistenz, Toleranz

Cercospora

Die Cercospora-Blattfleckenkrankheit ist eine pilzliche Erkrankung. Sie wird durch den Erreger Cercospora beticola Sacc. hervorgerufen. Cercospora b. ist die Rübenkrankheit mit der weltweit größten Verbreitung. Feuchte und warme Witterung begünstigt das Ausbreiten der Blattflecken.

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Der Cercospora-Pilz überdauert in Blattresten im Boden. Das sklerotienartige Mycel ist bis zu zwei Jahre überlebensfähig und bildet im Frühjahr Konidien, die die Erstinfektion auslösen können. Die Verbreitung der Pilzsporen erfolgt durch Wind und Regentropfen. Bei der Infektion dringt der von den Pilzsporen gebildete Keimschlauch in die Atemöffnungen der Blattzellen ein. Der Pilz wächst myzelartig im Gewebe weiter.

Im hellgrauen inneren Bereich des Cercospora-Blattfleckes erkennt man die für C. beticola typischen dunklen Konidienträger als dunkle Pünktchen. Daraus ragen die hellen Konidien hervor. Dieses sind die Verbreitungsorgane des Pilzes. Sie schnüren sich ab und Wind oder Wasser verbreiten sie weiter im Bestand. Auf dem Blatt keimen sie aus und bilden Hyphen, die durch Blattöffnungen ins Blattinnere vordringen. Die Pilzhyphen bahnen sich ihren Weg zwischen den Zellen. Mit Hilfe von Haustorien zapfen sie die Zellen an. Der Zellsaft versorgt den Pilz mit Nährstoffen. Im Verlauf sterben die Zellen ab und das Blattgewebe nekrotisiert. Der innere Bereich des Cercospora-Flecks wird durch einen dunkelroten bis -braunen Ring umschlossen. (Schaubild)

Konidienbildung und Infektion durch den Pilz finden bei feucht-warmer Witterung die förderlichsten Bedingungen: Optimal sind Temperaturen zwischen 25 und 30 °C und eine Luftfeuchtigkeit von 100 %. Wachstum und Ausbreitung ist jedoch auch zwischen 6 bis 35 °C bei einer Luftfeuchte > 91 % möglich.

Die Krankheit tritt entsprechend Ihrer klimatischen Ansprüche regelmäßig im Süden und Südwesten Deutschlands bevorzugt in den Flußniederungen (z.B. Donau, Rhein) auf. In anderen Regionen ist ein stärkerer Befall in wärmeren Jahren festzustellen oder in besonderen landschaftlichen Lagen, deren Mikroklima die Entwicklung des Pilzes begünstigen. 

Echter Mehltau

Der Echte Mehltau ist eine pilzliche Erkrankung. Schadereger ist der Pilz Erysiphe betae. Der Pilz wird in allen Zuckerrübenanbauregionen weltweit beobachtet. Von besonderer Bedeutung ist er in Gebieten mit trockenem und warmem Klima.

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Echter Mehltau, Erysiphe betae bildet aus grau-weißen Konidien ein Oberflächenmyzel. Hyphen dringen in die Epidermiszellen und verankern das Myzel mit Hilfe von Haustorien auf dem Blatt. Hieraus versorgt sich der Pilz mit Nährstoffen. (Schaubild) Das Myzel wird zunächst als feines Spinnwebennetz auf der Blattoberfläche wahrgenommen. Im Entwicklungsverlauf erscheint das Blatt wie mit Mehl bestäubt. Der weiß-gräuliche Belag läßt sich abwaschen. 

Im Gegensatz zu Cercospora führt Mehltau nicht zum Absterben der Zellen und des Gewebes. Ertragseinbußen werden durch eine parasitische Lebensweise hervorgerufen. Die Konidien des Pilzes werden durch Windbewegungen im Bestand verbreitet. 

Das Auftreten und Ausbreiten von Echtem Mehltau wird im Gegensatz zu den Cercospora-Blattflecken durch eine trocken-warme Witterung begünstigt. Der Befall mit Echtem Mehltau kann ähnlich hohe Ertragsverluste hervorrufen wie der Befall mit Cercospora-Blattflecken. Ein früher Befall im Juli muss entsprechend den Schadschwellen behandelt werden. Bis Ende August sollten die Bestände kontrolliert werden.

Rübenrost

Der Rübenrost ist eine pilzliche Erkrankung. Er wird durch den Erreger Uromyces betae hervorgerufen. Rübenrost wird bei Zuckerrüben in Deutschland eher selten beobachtet. In der Regel tritt er dann ab dem Frühherbst in Erscheinung. Mitunter kommt es zu einem frühen Befall im Juli. Seine speziellen Witterungsansprüche begrenzen oder fördern sein Auftreten und Ausbreiten stark. Deshalb kann es zu auffälligen "Rostjahren" im Rübenanbau kommen. 

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Der Pilz überdauert mit Hilfe von "Wintersporen" an Blattresten im Boden. Im Frühjahr keimen die "Wintersporen" - die Teleutosporen - aus und erzeugen Basidiosporen, die die Rübenpflanzen infizieren. Es findet kein Wirtswechsel statt. Auf den Blattunterseiten bilden sich Sporenlager (Aecidien). Die darin produzierten Aecidiosporen erzeugen nach der Infektion die namengebenden rostroten Pusteln auf den Rübenblättern. In diesen Sporenlagern werden die rostroten Uredosporen "Sommersporen" gebildet. Platzen die Pusteln auf, dann treten die Sporen wie rostroter Staub hervor. Optimal für deren Entwicklung ist eine hohe Luftfeuchtigkeit und Temperaturen zwischen 10 bis 22 °Celsius. Höhere Temperaturen wirken sich kontraproduktiv aus. Im Herbst werden von den Uredosporen wieder die dunkleren Teleutosporenlager - "Wintersporen" erzeugt.

Die Krankheit tritt bevorzugt bei kühlerer und feuchter Witterung auf. Deshalb sind Rostflecken im Herbst relativ häufig meist in Mischung mit Mehltau oder Ramularia im Rübenanbau zu finden. Die Schadwirkung ist dann in der Regel zu vernachlässigen. Die Sporen werden durch den Wind verbreitet, aber auch Niederschläge verbreiten die Krankheit im Bestand. 

Rhizoctonia

Die Späte Rübenfäule ist eine pilzliche Erkrankung. Sie wird durch den Bodenpilz Rhizoctonia solani hervorgerufen. Der Pilz tritt weltweit in allen Rübenböden auf. Die Dauerformen (Sklerotien) sind bis zu 10 Jahre im Boden überlebensfähig. Mais ist ebenfalls eine Wirtspflanze des Pilzes, das sollte bei der Fruchtfolgegestaltung beachtet werden.

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Aus den Sklerotien wächst das Pilzmyzel und besiedelt die Wurzeloberfläche der Zuckerrübe. Während des Wachstums werden Enzyme gebildet, die die Zellwände der Zuckerrübenzellen zersetzen. Dort dringen die Pilzzellen (Hyphen) ein. Die Infektion erfolgt außerdem über Risse und Verletzungen des Rübenkörpers.  
Bodentemperaturen ab 15 °C fördern die Entwicklung des Pilzes. Zwischen 25 - 33 °C entwickelt er sich am besten. Schwere Böden mit schlechter Bodenstruktur, hoher Bodenfeuchte und Staunässe begünstigen die Ausbreitung. Eine warme, feuchte Witterung von Mai bis August fördert deshalb die Entwicklung des Pilzes erheblich. 

Zu den pflanzenbaulichen Gegenmaßnahmen zählen die Beachtung der Vorfrucht und gegebenenfalls Erweiterung der Fruchtfolge: Mais fördert die Ausbreitung, nach Kartoffeln wird ein geringerer Befall festgestellt. Desweiteren sollte die Bodenstruktur verbessert und Bodenverdichtungen sollten vermieden werden. Der Anbau einer toleranten Sorte sichert den Ertrag.

Gürtelschorf

Gürtelschorf wird verursacht durch den Erreger Aphanomyces cochlioides. Aphanomyces ist weltweit einer der wichtigsten Krankheitserreger im Zuckerrübenanbau, wenn man berücksichtigt, dass der Wurzelbrand an Zuckerrübenkeimlingen gleichfalls (mit) durch ihn verursacht wird (weitere Erreger spielen hier auch eine Rolle). Viel Niederschlag und hohe Temperaturen begünstigen das Auftreten von Gürtelschorf.

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Zwei unterschiedliche Sporenformen sorgen für die Infektion der Pflanzen. Oosporen keimen direkt und infizieren die Pflanze durch die gebildeten Hyphen. Sie können im Ackerboden oder in infizierten Pflanzenresten mehrere Jahre überdauern. Zoosporen sind begeißelt und können sich im Bodenwasser frei bewegen. So verbreiten sie sich im Bestand. Nur bei hoher Bodenfeuchtigkeit und Temperaturen von 18-32 °C kommt es zu Infektionen und schneller Ausbreitung im Bestand. Optimale Bedingungen sind intensive Niederschläge, begleitet von Temperaturen um 25 °C. 

Fördernde Faktoren

  • Hohe Temperaturen – Begünstigen auch Sekundärbefall durch Pilze und Bakterien
  • Staunässe
  • Schlechte Bodenstruktur
  • Niedriger pH-Wert 

 

Maßnahmen

  • Zwischenfruchtanbau
  • Bodenstruktur verbessern
  • pH-Wert erhöhen

Bekämpfungsmöglichkeiten mittels Fungizidapplikation sind bisher an großen Rüben nicht bekannt, sodass die züchterische Bearbeitung des Themas einen höheren Stellenwert erhält.

Ertragswirksamkeit 

Schlagweise können die Erntemengen durch hohe Rodeverluste stark reduziert werden. Durch Sekundärerreger verursachte Fäulnis kann die Lagerfähigkeit der Rüben stark beeinträchtigen, sodass eine sofortige Abfuhr nach Rücksprache mit den Zuckerfabriken angezeigt ist. Meist bleiben die Ertragsausfälle jedoch eher gering.

Rotfäule

Die Rotfäule Helicobasidium purpureum ist eine seltene pilzliche Erkrankung. Sie wird jedoch seit ein paar Jahren regional begrenzt häufiger beobachtet. In der Regel wird man bei der Ernte durch violett bis schwarz verfärbte Rübenkörper überrascht. Den Rüben hängt viel Erde an. Die Erde kann die Fäulnis überdecken. 

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Im Pflanzenbestand selbst wird die Erkrankung häufig nicht erkannt. Im Herbst können jedoch Nester mit ungleichmäßigen Pflanzen und mit welkendem Blatt auffallen. Dann sollte man genauer hinschauen und zur Sicherheit eine Rübe herausziehen.

Es gibt zur Zeit keine Sorte, die sich tolerant gegenüber der Rotfäule verhält. In der Zuckerrübenzüchtung wird jetzt nach Resistenzquellen gesucht. Auch sind bisher keine pflanzenbaulichen Maßnahmen bekannt, die den Befall eingrenzen könnten. Man vermutet einen Zusammenhang zwischen Bodendichte und Wasserstau. Pflanzenbauliche Forschungsarbeiten sollen die Wirkmechanismen aufklären.
  
Wichtig ist es einen möglichen Befall mit Rotfäule der Zuckerfabrik zu melden. Denn die betroffenen Rüben müssen schnell verarbeitet werden, da sie in den Mieten weiter faulen und auch gesunde Rüben anstecken. Zusätzlich besiedeln weitere Pilze die geschädigten  Rübenkörper. Im schlimmsten Fall können die betroffenen Rübenmieten nicht mehr an die Fabriken geliefert werden.

Herz- und Trockenfäule (Bormangel)

Die Herz- und Trockenfäule wird durch einen Mangel an dem Mikronährstoff Bor ausgelöst. Der Mangel bestand allerdings bereits einige Wochen vor Ausbruch der Krankheit, war aber zu dem Zeitpunkt äußerlich nicht nicht zu diagnostizieren.

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Bor gehört zu den Mikronährstoffen oder Spurenelementen. Diese sind für das Wachstum der Pflanzen unentbehrlich. In der Regel sind die Böden in Deutschland ausreichend mit Bor versorgt. Doch Zuckerrüben reagieren auf Bormangel besonders empfindlich und können bei starker Unterversorgung eine Herz- und Trockenfäule entwickeln.

Mangelsituationen entstehen beispielsweise durch anhaltende Bodentrockenheit im höchsten Bedarfszeitraum oder bei höheren pH-Werten. Bor kann in nassen Jahren auch ausgespült werden. So wird die Borverfügbarkeit durch Humusanteil und Kalkung, durch Bodenfeuchte und Größe der Bodenteilchen beeinflusst.

Den höchsten Borbedarf haben die Rübenbestände zum Reihenschluss, dem Zeitraum des stärksten Blattwachstums. Ein Mangel zu diesem Zeitpunkt macht sich jedoch erst einige Wochen später bemerkbar. Ein latenter Bormangel zeigt keine Symptome, mindert jedoch bereits die Qualität der Zuckerrüben. Deshalb wird grundsätzlich empfohlen zum Reihenschluss eine Blatt-Düngung mit Bor abzuwägen. Eine Pflanzenanalyse gibt einen genaues Bild der Borversorgung.

Bor ist in der Zuckerrübe an wichtigen Prozessen beteiligt, die für Zell- und Gewebeaufbau sorgen. Damit werden Assimilattransport und Wasserhaushalt bei einem Mangel gestört. Bei der Zuckerrübe wirkt sich Bormangel mindernd auf Zuckergehalt und Zuckereinlagerung aus.

Nematoden

Das Weiße Rübenzystenälchen Heterodera schachtii gehört zu den bedeutensten Schädlingen im Rübenanbau. Es können Ertragsverluste von bis zu 50 % entstehen.

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Gänsefuß- und Kreuzblütengewächse sind die bevorzugten Pflanzen, die der Nematode Heterodera schachtii befällt. Dazu gehören neben der Zuckerrübe u.a. auch Raps sowie einige Kohlarten. Das sollte bei der Gestaltung der Fruchtfolge beachtet werden. Auch Unkräuter wie Melde, Miere und viele mehr gehören zu den Wirtspflanzen.

Wurzelausscheidungen der Zuckerrübe locken die im Boden lebenden Nematoden (Älchen) an. Sie dringen dann mit Hilfe ihres Mundstachels in die Wurzeln ein. Das bewirkt die Bildung eines speziellen Nährgewebes und ein verstärktes Wurzelwachstum. Die Wurzeln verfilzen und bilden den typischen Wurzelbart.

Bei den weiblichen Larven bilden sich nach der Begattung die typischen weißen, zitronenförmigen Zysten. Sie sind bei näherem Hinschauen an den Wurzeln zu erkennen und untrüglicher Beweis für den Nematodenbefall. Darin bilden sich bis zu 500 Eier, die die nächste Larvengeneration enthalten. Je nach Alter verfärben sich die Zysten braun. Der Schlupf wird wiederum durch die Wurzelausscheidungen der Wirtspflanzen angeregt.

Ab einem Wert von 350 bis 500 Eiern und Larven je 100 Gramm Boden sollten nematodentolerante Sorten angebaut werden. Tolerante Sorten verringern jedoch nicht den Verseuchungsgrad, das ist nur mit resistenten Sorten oder nematodenresistenten Zwischenfrüchten möglich. Allerdings ist das Ertragsniveau resistenter Zuckerrübensorten bisher nicht für einen wirtschaftlichen Anbau ausreichend. Bei Verdacht auf Nematodenbefall helfen Ihnen unsere Anbauberater gerne weiter.

Resistente Zwischenfrüchte reduzieren nicht nur den Verseuchungsgrad, sie verbessern außerdem die Bodenstruktur, schützen den Boden vor Erosion und sorgen für eine höhere Bodenfruchtbarkeit.

SBR

Das "Syndrom basse richesse" (SBR) wird im Deutschen als Syndrom des niedrigen Zuckers bezeichnet. Die Krankheit wird durch die Schilfglasflügelzikade (Penastiridius leporinus) ausgelöst, indem sie einen bakteriellen Erregerkomplex in die Pflanzen überträgt. Die Ertragsverluste können erheblich sein.

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SBR wurde 1990 das erste Mal im französischen Burgund beobachtet. Die Krankheit bahnte sich ihren Weg über die Schweiz nach Süddeutschland. Überträger der bakteriellen Krankheit ist die Schilfglasflügelzikade. Sind die Zuckerrüben mit dem bakteriellen Erregerkomplex (ein Proteobakterium und ein Phytoplasma) infiziert worden, dann vermehren sich die Erreger und verstopfen die Leitbahnen der Pflanzen. Es kommt zu einem gestörten Nährstoffhaushalt. An den Blättern bilden sich Chlorosen, im Krankheitsverlauf sterben die Blätter ab. Der Blattneuaustrieb kostet die Zuckerrübe viel Energie, die sie aus dem eingelagerten Zucker gewinnt. 

Symptome:

  • Blattchlorosen (Gelbe Blätter, Vergilbung)
  • Blattnekrosen (Absterben von Blattgewebe)
  • Absterben ganzer Blätter
  • Verbräunung der Gefäßbundelringe im Rübenkörper
  • Blattneuaustrieb von lanzettlich verformten Blättern
  • Verluste im Zuckergehalt von bis zu 5 % absolut
  • Verringerung des Rübenertrages

Bekämpfungsmöglichkeiten:

  • Insektizide: Sie stellen keine Lösung dar, denn der Wirkungsgrad liegt unter 50 Prozent.
  • Unterbrechung des Entwicklungszyklus/Fruchtfolge: Die Zikaden entwickeln sich normalerweise im Winterweizen und fliegen von dort in die Zuckerrübenschläge. Eine veränderte Fruchtfolge mit Winterroggen statt Winterweizen konnte laut französischen Studien den Befall um 30 Prozent minimieren.
  • Tolerante Sorten: In Screenings und in Feldversuchen mit verschiedenen zugelassenen Zuckerrübensorten konnten Unterschiede hinsichtlich ihrer Anfälligkeit gegenüber SBR festgestellt werden. Einige Sorten zeigten ein tolerantes Verhalten gegenüber der Krankheit, sodass in Zukunft eine gezielte Selektion von toleranten Genotypen erfolgversprechend ist.

Rübenkopfälchen

Das Rübenkopfälchen Ditylenchus dipsaci (Kühn) bildet innerhalb der zahlreichen Rassen der Stock- oder Stängelälchen eine eigene Rasse. Der Befall der Rüben ist von Jahr zu Jahr stark unterschiedlich, denn die Entwicklung der Älchen hängt in hohem Maße von der Frühjahrswitterung ab. Im Gegensatz zum Rübennematoden Heterodera schachtii bildet das Rübenkopfälchen keine Zysten aus.

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Rübenkopfälchen haben ein sehr breites Wirtspflanzenspektrum innnerhalb der Kultur-und Zierpflanzen sowie Unkräutern und -gräsern. Dazu zählen Mais, Roggen und Hafer, Bohnen und Erbsen sowie Kartoffeln. Dazu kommen Futter- und Gemüsepflanzen. 

Die Rübenkopfälchen überwintern im Boden an Pflanzenresten. Eine kühle und feuchte Witterung begünstigt ihre Entwicklung und den Befall. Bereits im Frühjahr dringen sie über Spaltöffnungen oder Verletzungen am Hypokotyl in die jungen Pflanzen ein. Die Feuchtigkeit benötigen die Älchen um sich im Boden fortbewegen zu können. Mit bloßem Auge sind die Älchen aufgrund ihrer geringen Größe von rund 1,5 Millimetern Länge nicht zu erkennen. Der Befall im Frühjahr kann zu Verdrehungen an den Pflanzen führen. Der eigentliche sichtbare, schwere Schaden zeigt sich im August/September. Die Älchen haben sich im Kopfbereich der Rüben stark vermehrt und das Gewebe zerstört. Sekundärparasiten, Pilze und Bakterien konnten eindringen und führten zur Fäulnis des Körpers vom Kopf zur Wurzel hinab.

Resistente oder tolerante Zuckerrübensorten speziell für Rübenkopfälchen gibt es zur Zeit noch nicht. Allerdings führt der Landwirtschaftliche Informationsdienst Zuckerrübe (LIZ) jedes Jahr ein Sortenscreening der neuen Zuckerrübensorten unter Ditylenchus-Befall durch. Dabei zeigen einige Sorten - unter anderen unsere Sorte TIMUR - immer wieder eine eindeutige Toleranz gegenüber dem Schädling.

Gute Erfolge zur Linderung des Befalls erzielt man bereits durch eine Saatzeitverzögerung.

Moosknopfkäfer

Der sehr kleine und selten sichtbare Moosknopfkäfer schädigt die Keim- und Jungpflanze der Zuckerrübe durch (Loch-) Fraß an Hypokotyl und Herzblättern. Die Fraßschäden an den Herzblättern zeigen sich im weiteren Wachstumsverlauf durch Deformierungen und Löcher an den Blättern der Jungpflanzen.

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Moosknopfkäfer (Atomaria linearis) können Rüben in der Auflaufphase bis zum 4-Blattstadium unterirdisch als auch oberirdisch empfindlich schädigen. Besonders der Lochfraß am Hypokotyl kann zum Abknicken und Absterben der Wurzel führen. Der Blattfraß ist vor allem an den Herzblättern zu beobachten. Diese Blattschäden zeigen sich später durch Löcher, Deformierungen und Rissen im Wachstumsverlauf an den älteren Blättern.

Auf schweren dunklen Böden, die sich schnell erwärmen, werden Moosknopfkäfer verstärkt beobachtet. Viel organische Masse im Boden wirkt sich zusätzlich fördernd aus. Im Boden schützt das Insektizid Tefluthrin in der Pillenhüllmasse vor dem Käfer. Da Moosknopfkäfer ab Anfang April auftreten, sollten die Pflanzenbestände oberirdisch bis zum 4-Blattstadium beobachtet werden. Hauptwirtspflanzen sind Rüben, Rote Beete, Mangold und Spinat. Die Käfer überwintern auf den abgeernteten Rübenfeldern an Rübenresten im Boden oder unter Grasbüscheln.

Schwarze Bohnenlaus

Die schwarze Bohnenlaus ist weltweit im Rübenanbau verbreitet. Neonicotionide in der Pillenhüllmasse schützten in den vergangenen 20 Jahren effektiv vor einem frühen Befall und dem Aufbau größerer Populationen. Ab der Aussaat 2019 müssen Rübenbestände ab Ende April auf Blattläuse hin beobachtet werden. 

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Die Schwarzen Bohnen- oder Rübenläuse (Aphis fabae) können aber durch ihre Saugtätigkeit junge Pflanzen enorm schädigen. Sie bilden auf den Blattunterseiten der Pflanzen Kolonien. Dabei werden bevorzugt die jungen Blätter besiedelt. Die frischen Blätter in der Mitte der Rosette werden blasig oder kräuseln sich. Bei starkem Befall verkleben die Blätter durch den klebrigen Honigtau, den die Läuse absondern. Beobachtet werden nesterweise Totalausfall und Kümmerwuchs. Die Schadschwelle bis Reihenschluss beträgt 10 % befallene Pflanzen.

Rüben und Ackerbohnen sind die bevorzugten Sommerwirtspflanzen der Schwarzen Bohnenläuse. Hauptwirte im Winter sind die Sträucher Pfaffenhütchen und Schneeball. In der Regel beginnt im März der neue Lebenszyklus, der als Ei überwinternden Schwarzen Bohnenlaus. Auf den Winterwirten entwickeln sich dann die neuen Generationen an geflügelten und ungeflügelten Schwarzen Bohnenläusen. Die geflügelten Läuse (Sommerformen) fliegen in der Regel ab Anfang Mai zu den Sommerwirtspflanzen. Ab Mitte September beginnt der Rückflug zu den Winterwirten. Die Herbst- und Winterwitterung beeinflusst Stärke und Zeitpunkt des Bohnenlausbefalls. Nach milden Wintern muss mit einem früheren Erscheinen der Läuse in den Zuckerrüben gerechnet werden.

Das Viruspotenzial der häufig auftretenden Schwarzen Bohnenläuse ist wesentlich geringer als das der seltenen Grünen Pfirsichblattläuse.

Grüne Pfirsichblattlaus

Die Grüne Pfirsichblattlaus tritt im Gegensatz zur Schwarzen Bohnenlaus in wesentlich geringerer Menge auf. Gefährlich ist die Grüne Pfirsichblattlaus für den Rübenanbau, weil sie Vergilbungsviren überträgt.  

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Die Grüne Pfirsichblattlaus (Myzus persicae) kann bei der Saugtätigkeit gefährliche Vergilbungsviren auf die Pflanze übertragen. Die Grüne Pfirsichblattlaus ist zwar selten, das Viruspotential ist aber wesentlich höher als bei der Schwarzen Bohnenlaus. Meist tritt die Vergilbung nesterweise im sommerlichen Bestand auf, selten sind ganze Bestände mit gelb verfärbtem Blatt zu beobachten. Die gelben Blätter stehen starr, beim Zerdrücken wird das krankheitstypische "Knacken" erzeugt. Im Verlauf verfärben sich die Blätter von den Rändern her zunehmend orange bis braun. Alternaria stellt sich ein. Die Grüne Pfirsichblattlaus kann bis zu fünf Viren übertragen. In der Pflanze vermehren und verbreiten sie sich. Dadurch werden die Leitbündel verstopft und die Nährstoffversorgung ist gestört. Außerdem reduziert die Gelbfärbung des Blattes photosynthetisch-aktive Blattfläche. Es können Ertragsverluste von 30 bis 50 Prozent entstehen.

Die Schadschwelle bis Reihenschluss beträgt 10 % befallene Pflanzen. Man findet die Grünen Pfirsichblattläuse bevorzugt auf den Herzblättern im Inneren der Blattrosette. Da sie selten Kolonien bildet, muss die Pflanze genau auf einen Befall hin untersucht werden.

Einige hundert Pflanzenarten gehören zu den Sommerwirtspflanzen der Grünen Pfirsichblattlaus. Neben Zuckerrüben werden auch Kartoffeln, Raps, Getreide und viele mehr besiedelt. Hauptwirt im Winter ist der Pfirsich. Ebenso wie die Schwarze Bohnenlaus überwintert die Grüne Pfirsichblattlaus als Ei auf dem Winterwirt. Im Frühjahr entwickeln sich zunächst ungeflügelte Läuse auf dem Winterwirt, erst die nachfolgenden Genrationen sind geflügelt und fliegen zu den Sommerwirtspflanzen. 

Nützlinge

Mit zunehmender Einschränkung insektizider Pflanzenschutzwirkstoffe, unabhängig von der Art der Applikation, werden Kenntnisse über die kleinen natürlichen Helfer immer wichtiger. Einige natürliche Gegenspieler von Blattläusen möchten wir Ihnen im Folgenden vorstellen.

Nützlinge - Kleine Helfer auf dem Feld

Nie zuvor seit knapp über 20 Jahren sind Zuckerrübenbestände vom Feldaufgang an so intensiv beobachtet worden. Das war früher, mit der Neonic-Pille, nicht nötig, denn bis zum Reihenschluss war in den meisten Fällen Ruhe. Niemand wagte eine genaue Prognose, wie sich der Wegfall der Neonics ab 2019 auswirken würde. Würde es dauern, bis sich eine Schädlingspopulation etabliert, oder würde es zur rasanten Besiedlung unserer Zuckerrüben kommen, mit verheerenden Folgen? Immer im Rampenlicht: Die Blattläuse als gefürchtete Virusüberträger.

Relativ unbeachtet blieb zunächst das Heer der kleinen, unscheinbaren Helfer.

In den Zuckerrüben fielen diverse Nützlinge in hoher Zahl auf, denen es in vielen Fällen erstaunlich gut gelang, Blattlausbesiedlung unter Kontrolle zu behalten. Es zeigte sich bei Feldbegehungen, dass erschreckend viele Landwirte außer den Marienkäfern keine Nützlinge kannten, bzw. die Adulten, deren Puppen oder deren Larven nicht erkannten.

Die Zahl der Nützlinge, die als natürliche Antagonisten auftreten, ist enorm groß. Die Auswahlkriterien derer, die im Folgenden behandelt werden, richtet sich nach ihrer weiten Verbreitung, bei gleichbleibend hoher Dichte und hoher Effizienz beim Entgegenwirken eines aufkommenden Schädlingsbefalls. Die nicht näher betrachteten, wie etwa Schlupfwespen, sind keinesfalls weniger wichtig!

Daher sollen in dieser kleinen Zusammenfassung die drei wichtigsten Helfer in unserer Klimaregion vorgestellt werden. Übereinstimmend nennen mehrere Autoren die Hainschwebfliege (Episyrphus balteatus), den Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata) und die Familie der Florfliegen (Chrysoperla spec.; C. carnea).

 

  • Schwebfliegen

Schwebfliegen zählen aus ökonomischer Sicht zu den wichtigsten Blattlausantagonisten. Am häufigsten vorkommende Arten sind die Hainschwebfliege, die Große Schwebfliege und die Gemeine Feldschwebfliege. Die Schwebfliege selbst ernährt sich von Pollen und Nektar blühender Pflanzen. Besonders wichtig sind daher für die ersten im Frühjahr erscheinenden Schwebfliegen frühe Pollenspender, wie verschiedene Weidenarten, Hasel, Schwarzdorn und Kornelkirsche.

Die Weibchen legen ihre Eier meist einzeln in die Nähe oder in eine Blattlauskolonie, damit die Larven sofort nach dem Schlüpfen Nahrung finden. Unter Laborbedingungen legt eine Schwebfliege zwischen 2000 und 4500 Eiern, in der Natur ca. 500 (2).

Die Entwicklungsdauer der verschiedenen Stadien hängt in hohem Maße von der Umgebungstemperatur ab. Bei 10 °C schlüpft z. B. die Larve nach 9-11 Tagen, bei 20 °C bereits ab 48 Stunden (2)! Ähnliche Verhältnisse gelten auch für die anderen Stadien.

Die Eiablage ist gut mit der Populationsentwicklung der Blattläuse synchronisiert und erreicht darin die beste Korrelation im Vergleich mehrerer Prädatoren (3). Eine Larve kann in den ein bis zwei Wochen bis zur Verpuppung 400-1000 Blattläuse vernichten. Aus der Puppe schlüpfende Weibchen beginnen bei guter Pollennahrung bereits nach einer Woche mit der Eiablage.

Sehr gute Bilder zu adulten Schwebfliegen und Larven sind bei Schmid (2) zu finden.

 

  • Marienkäfer

Der Siebenpunkt-Marienkäfer ist die bei uns am weitesten verbreitete Art. Weitere wichtige Vertreter sind der Vierzehnpunkt-Marienkäfer (Propylea quatuordecimpunctata) und der Zweipunkt-Marienkäfer (Adalia bipunctata).

Der Siebenpunkt-Marienkäfer ist im Vergleich zu anderen Nützlingen der mit Abstand bedeutendste Antagonist gegen Blattläuse. Sowohl die Larven als auch die adulten Tiere leben räuberisch. Ein Weibchen des Siebenpunkt-Marienkäfers kann bis zu 800 Eier in Gelegegrößen von durchschnittlich 28 Eiern ablegen. In der Regel erfolgt die Ablage an der Blattunterseite in der Nähe von Blattlauskolonien. Die Zeit bis zum Schlupf beträgt 7 bis 10 Tage. Alle Larven eines Geleges schlüpfen gleichzeitig (1).

Die Larve benötigt für ihre Entwicklung 600 bis 800 Blattläuse, die Larvenentwicklung bis zur Verpuppung dauert zwischen 3 und 6 Wochen und umfasst 4 oder 5 Larvenstadien. Nach einer Puppenruhe von 4 bis 9 Tagen schlüpfen die Jungkäfer. Die Imagines verzehren bis zu 150 Blattläuse pro Tag (1).

Untersuchungen haben gezeigt, dass die Marienkäfer bereits in der Anfangsphase der Blattlausentwicklung auf den Kulturflächen vorhanden sein müssen, um eine Blattlauskolonie wirksam zu begrenzen oder gar ausrotten zu können. Bei einem Räuber-Beute-Verhältnis von 1:20 kann in der Regel auf eine Blattlausbekämpfung verzichtet werden (1).

Dabei ist eine bestimmte Blattlausdichte notwendig, um die Marienkäfer im Habitat zu halten (1). Sinkt sie unter einen bestimmten Schwellenwert, wandern die Käfer ab, um woanders nach Beute zu suchen (5,6).

 

  • Florfliegen

Die adulten Florfliegen sind zart und zerbrechlich erscheinende Tiere. Ihre Nahrung besteht aus dem Honigtau von Blattläusen und Nektar blühender Pflanzen. Sie ziehen mit dem Frühjahr in die Felder und ernähren sich vom hier abgesonderten Honigtau. Der Migrationsflug der Florfliegen folgt einem komplexen Schema, welches schließlich mit mehreren Eiablagen endet.

Die Eiablage wird durch die Intensität des Duftes des Honigtaus gesteuert, sodass die Intensität der Eiablage gut mit der Häufung von Blattläusen korreliert.

Die Eier werden an Stielen meist auf die Blattunterseiten geheftet. Nach 3 bis 10 Tagen schlüpfen die Larven, welche im Gegensatz zu ihren Eltern wahrhafte Killer sind. Vom Larvenstadium über die Verpuppung bis zum Imago vergehen zwischen 2 und 3 Wochen. In dieser Zeit vertilgt die Larve zwischen 200 und 500 Blattläusen, neben anderen Beutetieren. Ein Weibchen legt innerhalb ihres Lebens bis zu 800 Eier (1).


Alle Arten von Nützlingen sind extrem empfindlich gegenüber Insektiziden aller Art. Insektizide sollten im Sinne des Integrierten Pflanzenschutzes nur eingesetzt werden, wenn wirtschaftliche Schadschwellen erreicht, bzw. überschritten werden. Jegliche Prädatoren werden durch Insektizide stets härter getroffen als Blattläuse, die über ein enormes Anpassungsvermögen an jegliche Wirkstoffklassen (Resistenz) verfügen, und gleichfalls über ein enormes, uneinholbares Vermehrungspotenzial (7). Viele Antagonisten bringen nur eine oder zwei Generationen pro Jahr hervor. Werden diese durch einen Insektizideinsatz schlagartig dezimiert, haben die Schädlinge danach freien Lauf. Es entsteht ein Teufelskreis aus sich zwangsläufig wiederholenden Insektizidbehandlungen (1).

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1 | Kranhold J.; 2014: Möglichkeiten und Grenzen der Förderung ausgewählter Nützlinge durch lokale Biotopverbundsysteme in der landwirtschaftlich geprägten Kulturlandschaft; Bachelorarbeit; Hochschule Neubrandenburg
http://digibib.hs-nb.de/file/dbhsnb_derivate_0000001811/Bachelorarbeit-_Kranhold-2014.pdf

2 | Schmid U.; 2004: Die Schwebfliege Episyrphus balteatus; In: Entomologische Nachrichten und Berichte, 48, 2004/1
https://www.zobodat.at/pdf/EntBer_48_0001-0010.pdf

3 | Schier A. und Ohnesorge B.; 1990: Untersuchungen zur Populationsdynamik der Getreideblattläuse auf Winterweizen: Einfluß von natürlichen Feinden und Bewirtschaftungsintensität
https://www.hfwu.de/fileadmin/user_upload/FAVM/personalprofiles_FAVM/schier.andreas/Publikationen/schier_1990_DFG_IP_Bericht.pdf

4 | Schumacher K.; 2007: Effekte einer reduzierten Dosis von Pflanzenschutz-mitteln auf tritrophische Systeme im Ackerbau; Dissertation; Universität Potsdam
https://publishup.uni-potsdam.de/opus4-ubp/frontdoor/deliver/index/docId/1448/file/schumacher_diss.pdf

5 | Evans E. W.; 2003: Searching and reproductive behaviour of female aphidophagous ladybirds (Coleóptera: Coccinellidae): a review; Dept. Of Biology; Utah State University
https://www.eje.cz/pdfs/eje/2003/01/01.pdf

6 | Thalji R. A.; 2006: Composition of Coccinellid Communities in Sugar Beet Fields in Vojvodina; Faculty of Agriculture, University of Novi Sad
https://core.ac.uk/download/pdf/26665513.pdf

7 | Rosenthal E.; 2012: Marijuana Pest & Disease Control; Quick American Publishing

 

 

Rübenfliege

Rübenfliegen Pegomyia betae wurden in den vergangenen Jahren in größerem Maße erst ab Mitte/Ende Juni beobachtet. Ab der kommenden Aussaat 2019 wird die Befallssituation neu bewertet werden müssen. Die neonicotioniden Saatgutbeizen schützten vor Rübenfliegen bis zum Reihenschluss. Ab Ende April schlüpfen Rübenfliegen, ihre Larven schädigen die Rüben mit Blattfraß. 

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Ab Ende April schlüpft die 5 bis 6 mm lange Rübenfliege, die als Puppe den Winter im Boden überdauert. Nach 10 bis 14 Tagen beginnt die Eiablage auf der Blattunterseite. Die Eier werden typischer in Kolonien nebeneinander abgelegt. 50 bis 70 Eier sind pro Weibchen möglich. Daraus schlüpfen nach einigen Tagen die weißlichen etwa 6 bis 8 mm langen Larven. Sie schädigen die Pflanzen indem sie zwischen Blattober- und Blattunterseite Gänge ins Blatt fressen. Es bilden sich größere Platzminen und Blasen. Die Blattbereiche vertrocknen und verbräunen. Die erste Generation der Larven im Mai ist am gefährlichsten, weil die Rübenpflanzen bis dahin erst wenig Blattmasse bilden konnten. Bisher schützten die Insektizide in der Pillenhüllmasse gegen die erste Generation der Rübenfliegenlarven, sodass ein starker früher Befall und Blattflächenverlust selten war.

Pro Jahr können sich abhängig von der Witterung drei Generationen entwickeln. Die Larven verpuppen sich. Nach drei Wochen kann die nächste Generation Rübenfliegen schlüpfen.

Rübenmotte

Die Larven der Rübenmotte Scrobipalpa ocellatella können Zuckerrüben erhebliche Schäden zufügen. Sie verspinnen und fressen die Herzblätter, Sekundärinfektionen führen zur Fäulnis des Rübenkörpers. Der Schädling braucht für eine erfolgreiche Etablierung länger anhaltende warme und trockene Witterung.

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Die Rübenmotte entwickelt sich am besten bei langanhaltender warmer und trockener Witterung. Die Motte ist recht unscheinbar, nur 7 mm lang und grau-braun. Neben Zuckerrüben befällt sie auch Rote Beete und Mangold. Die Eier werden an Stängeln und Blättern abgelegt. Die Mottenlarven bilden zunächst ein feines Gespinst um die Herzblätter der Rüben und fressen sie. Beim Auseinanderzupfen der verbliebenen Herzblättchen findet man die sich schnell bewegenden Larven. Diese sind graugrün bis braun gefärbt und 10 bis 12 mm lang. Durch die Verunreinigung des Rübenkopfes mit dem Kot der Larven bilden sich ideale Bedingungen für Sekundärinfektionen mit Bakterien und Pilzen, wie z. B. Rhizopus. Die Fäulnis zieht dann von oben in den Rübenkörper hinein und kann bis zum Totalausfall der Pflanze führen. Bei geringeren Schadensgraden sind Nachteile bei Lagerfähigkeit und Verarbeitung der Rüben zu erwarten.

Die Symptome können einerseits mit der Herz- und Trockenfäule verwechselt werden. Diese wird jedoch durch einen Mangel an dem Mikronährstoff Bor ausgelöst. Andererseits ähnelt das Schadbild auch dem Befall mit Rübenkopfälchen. Abgestorbene Rüben ähneln von oben oft dem Schadbild von Rhizoctonia. Bei geringeren Schadensgraden sind Nachteile bei Lagerfähigkeit und Verarbeitung der Rüben zu erwarten.

Den besten Effekt gegen den Schädling bewirken ergiebige Niederschläge, der die Larven ertränkt und die adulten Tiere am Flug hindert.

 

Insektizide 2020

Bitte scrollen Sie die Tabelle nach rechts um alle Wirkstoffe sichtbar zu machen:  

Schadschwellen  (vorläufig)  


alpha-Cypermethrin

beta-
Cyfluthrin

Delta-
methrin

Dime-
thoat

Floni-camid

lambda-Cyhalothrin

Pirimi-carb

Acetamiprid
(Notfall-zulassung*)

Moosknopfkäfer (Blatt)

Bis 2. Laubblattpaar entfaltet: 20 % geschädigte Pflanzen

XX
Rübenerdfloh

Bis 1. Laubblattpaar entfaltet: 20 % Blattfläche vernichtet / 40 % geschädigte Pflanzen

X
Schwarze Bohnenlaus

Bis Bestandesschluss: neu 30 % befallene Pflanzen (Achtung Kolonienbildung) danach 50 % befallen Pflanzen

XXXXX
Grüne Pfirsichblattlaus

Virusüberträger: 1 geflügelte Grüne Pfisichblattlaus auf 10 Pflanzen bis Ende Juli

XXX
Rübenfliege

Bis 1./2./3. Laubblattpaar ent-faltet: 10/20/30 % mit Minen/ Larven befallene Pflanzen

XX
Gammaeule

20 % Blattschaden

X
Rübenmotte

Mehr als 10 % Pfl. mit Befall

X
Schilfglasflügelzikade  

Zur Zeit keine wirksame insektizide Bekämpfung möglich.  

* Notfallzulassungen vom 12.03.2020 für Präparate mit Acetamiprid mit Mengenbegrenzung ausreichend für ca. 30.000 Hektar oder 7 % der Zuckerrübenanbaufläche gültig für 120 Tage

 

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