Preise Weltzuckermarkt

Deutsche Zuckerrübenanbauer sind seit dem Ende der Zuckermarktordnung am 1. Oktober 2017 deutlich mehr von den internationalen Zuckerpreisen abhängig, die an den Börsen in London und New York sowie innerhalb der EU gehandelt werden. Zwar haben einige Zuckerhersteller den Landwirten auch Zahlungsmodelle mit dreijähriger Preisbindung angeboten, jedoch lohnt sich der Blick auf die internationalen Märkte heute mehr denn je.

Coronavirus: Auswirkung auf den Zuckerpreis?

25.02.2020 | Bereits in unserem letzten Beitrag sind wir auf das Thema des globalen Effekts eingegangen, als erste weltweite Auswirkungen spürbar wurden. Inzwischen wird täglich in nahezu allen Medien über die Auswirkung der Ausbreitung des Coronavirus (COVID-19) auf die global vernetzte Wirtschaft berichtet.
Die Effekte sind enorm. Um zu sehen, was in ähnlichen Epidemien in der Vergangenheit passiert ist, lohnt es sich, auf einen gut diversifizierten Aktienindex zu schauen, der zahlreiche global vernetzte Unternehmen abbildet. Dazu haben sich Analysten von Citi Research die Performance des S&P 500-Index während einer Auswahl verschiedener Epidemien angeschaut.

Betrachtet wurden folgende Epidemien: SARS (Januar - März 2003), Vogelgrippe H5N1 (Januar - August 2004), MERS (September - November 2012), Ebola (Dezember 2013 - Februar 2014), Zika (November 2015 - Februar 2016), und aktuell das COVID-19 ab Januar 2020, das wir interessehalber selbst weiter verfolgen.

Allgemein wird stets angenommen, dass Wirtschaftskrisen, verursacht wodurch auch immer, mit sinkenden Ölpreisen einher gehen, weil die Nachfrage sinkt und die Förderung nicht so einfach von Heute auf Morgen gedrosselt werden kann. Die Betrachtung des Preises für die Nordseesorte Brent zeigt, dass ein solcher Zusammenhang nicht zwangsläufig vorliegt.

Wirken auf den Weltmarktpreis für Zucker ähnliche Kräfte? Wir haben das für die gleichen Zeiträume untersucht. Dabei wird sichtbar, dass es keinen klar erkennbaren Zusammenhang zwischen globaler Wirtschaft, Epidemien und dem Zuckerpreis zu geben scheint.

Und... was macht aktuell der Zuckerpreis? Seit unserem letzten Beitrag sind 11 Handelstage vergangen, und die Notierungen für Sugar No. 11 sind seitdem knapp 5 % gestiegen. Preistreiber sind, neben anderen, Nachrichten über die seit 40 Jahren gravierendste Dürre in Thailand, mit einer sich wohl weiter verschärfenden Defizitsituation.

Möglicherweise sind die regionalen Schwerpunkte der Epidemie und der Zeitraum ihres Auftretens von größerer Bedeutung. Hinzu kommen Wettereinflüsse, die die Zuckerproduktion beeinflussen. Volkswirtschaftliche Parameter, wie z. B. die unterschiedliche Preiselastizität von Basiswerten, machen eine pauschale Betrachtung und Prognose kaum möglich.

Rahmenbedingungen ändern sich sehr schnell: Seit der SARS-Epidemie ist die Wirtschaft Chinas um das achtfache gewachsen. 2003 machte Chinas BIP 4 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung aus, heute sind es 16 Prozent. COVID-19 entwickelt eine bisher nicht gesehene Dynamik und ist mit Epidemien wie SARS kaum vergleichbar. Verschieden Experten gehen von einer Dauer von über einem Jahr aus, mit bisher nicht abzuschätzenden Folgen.

Quellen:
The Oilfield Almanac and Gazette: Gasmageddon Issue; 10.02.2020
Franklin Templeton: Full Economic Implications of Coronavirus Largely Unknown; 22.02.2020
Reuters Graphics: Comparing the Wuhan Coronavirus Outbreak with SARS and MERS; 01.02.2020
Strube, eigene Berechnungen und Darstellungen

Sugar No. 11 - Eine Blase? Welche Rolle spielt das Corona-Virus?

06.02.2020 | Bei internationalen Marktbeobachtern mehren sich Stimmen der Skepsis, ob die Rallye beim Zuckerpreis weiter geht. Viele halten die derzeitigen Notierungen für übertrieben und prognostizieren für die nächste Zeit eine scharfe Korrektur. Immerhin hat sich der Preis seit dem Tief im September 2019 um 40 % nach oben bewegt, für die Saison absolut ungewöhnlich.

Die Skepsis wird genährt durch Situationen, in denen sich der Zuckerpreis völlig anders verhält als sonst.

Vergleicht man den Zuckerpreis mit großen Rohstoffindizes, marschieren diese mittelfristig im Gleichschritt. Das ist seit September 2019 anders. Der Vergleich mit dem Invesco DB Commodity Index, der, obwohl öllastig, ein guter Indikator für den breiten Rohstoffmarkt ist, zeigt das deutlich. Zucker steigt unbeirrt, während der Index nach unten dreht. [Grafik 1]

Vergleicht man den Zuckerpreis mit dem Ethanolpreis, wird Ähnliches sichtbar. Normalerweise gehen fallende Ethanolnotierungen mit fallenden Zuckernotierungen einher, da mehr Zucker auf den Markt kommt. Ab Oktober 2019 divergieren beide Notierungen stark voneinander. [Grafik 2]

Vergleicht man den Zuckerpreis mit dem Wechselkurs des Brasilianischen Real zum US-Dollar, ist die Faustregel, dass ein schwacher Real zu fallenden Zuckernotierungen führt, weil dann der Anreiz besteht, große Zuckermengen zu verkaufen, die in US-Dollar bezahlt werden. Auch dieses Phänomen läuft seit Mitte September entgegengesetzt. [Grafik 3]

Die Zusammenhänge von Öl-, Ethanol- und Zuckerpreis sind bekannt. Die Rohölmärkte reagieren mit ungeheurer Geschwindigkeit auf veränderte Rahmenbedingungen des Energiemarktes, während Zucker nicht nur als Energy-, sondern auch als Soft-Commodity gehandelt wird und daher einen gewissen Puffer enthält.

Die Änderung politischer Rahmenbedingungen und der Ausbruch und die rasante Verbreitung des Coronavirus in China führen zu enormen Veränderungen im Energiemarkt. Chinas Ankündigung, jährlich im Rahmen einer E10-Kampagne bis zu 14 Mrd. Litern Ethanol zu importieren, ist von der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission zurückgenommen worden. Seit Januar 2020 sind die Ölpreise um 20 % gefallen. Die traditionellen Ferien zu Beginn des chinesischen Neujahrsfestes sind um 10 Tage verlängert worden. Fabriken, Büros und Geschäfte bleiben geschlossen, viele Inlandsflüge sind gestrichen. Viele Fluggesellschaften aus der ganzen Welt haben ihre Flugverbindungen nach China eingestellt, was zu einer enormen Einsparung an Kerosin führt.

Nach Berichten von Bloomberg ist der tägliche Ölverbrauch Chinas um 20 % eingebrochen, eine Menge, die Großbritannien und Italien zusammen verbrauchen. Energieanalysten berichten vom bisher größten jemals beobachteten Nachfrageeinbruch am Ölmarkt, bezogen auf Umfang und Geschwindigkeit.

Es ist schwierig abzuschätzen, wie sich die Situation weiterentwickelt.

In der globalen just-in-time-Wirtschaft laufen erste Läger leer, die normalerweise aus China beliefert werden. Modedesigner sagen Messen ab, weil ihre Kollektionen nicht geliefert werden. Maschinenkomponenten, wie z. B. Halbleiterplatten, die in der Produktion bei uns gebraucht würden, kommen nicht an. Die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft werden langsam überall spürbar.

Beim Zuckerpreis scheint diese Entwicklung noch nicht angekommen zu sein, erste Beobachter warnen vor einer Blase mit einer entsprechend drohenden Korrektur. Und ganz allmählich kommt ein weiterer Player im Markt dazu, der bisher von Rohstoffanalysten keine oder wenig Beachtung fand: Russland. Russland ist der größte Zuckerrübenanbauer der Welt, mit einer Zuckerproduktion 2019 von 7,2 Mio. Tonnen, einer Zunahme von fast 25 % im Vergleich zum Vorjahr.

Insgesamt viele Faktoren, die gegen eine weitere Steigerung des Zuckerpreises sprechen. Es bleibt spannend, wir beobachten die Entwicklung für Sie weiter.

 

Zuckerpreis geht durch die Decke

17.01.2020 | Aktuelle Zuckernotierungen des Leitfutures Nr. 11 haben in den letzten Tagen unsere Einschätzung einer Seitwärtsbewegung als eine Fehleinschätzung erwiesen. Langjährig saisonal bewegt sich der Zuckerpreis Nr. 11 normalerweise im Januar und Februar seitwärts, um dann im März vorübergehend deutlich zu fallen. Das ist dieses Jahr zurzeit anders. Am 10. Januar verließ der Weltmarktpreis für Zucker unsere „Komfortzone“ über 14 Cent pro Pfund und steigt in großen Schritten weiter. Steckt eine Geschichte dahinter?

In Center South (Brasilien) wurden in der zweiten Dezemberhälfte 734.000 Tonnen Rohr zu 13.000 Tonnen Zucker verarbeitet, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Rückgang um 71 % (Rohr) bzw. 82 % (Zucker). Mit 137 Mio. Litern Ethanol wurden 36 % weniger als im Vorjahreszeitraum produziert.

Indien sitzt auf Zuckervorräten von 14 Mio. Tonnen, von denen 6 Mio. Tonnen mit Unterstützung durch Exportsubventionen verkauft werden sollen. Nach Beschwerden bei der WTO sind diese Subventionen jedoch gekürzt worden, und nach und nach wird dieser Zucker auf den Markt kommen. Die hohen Notierungen zurzeit ermutigen die indischen Händler zum Export, was den Preis auch mit einem gewissen Deckel versehen dürfte.

Die Wasserreservoire in Indien sind zurzeit durch ergiebige Monsunniederschläge überdurchschnittlich gut gefüllt, wie der aktuelle Bericht der Central Water Commission der Indischen Regierung zeigt.

Am 26. Januar ist Tag der Republik in Indien, ein Nationalfeiertag, mit einem speziellen Teilnehmer: Als Haupt- und Ehrengast wird der Brasilianische Präsident Jair Bolsonaro in Begleitung einer starken Wirtschaftsdelegation, unter anderem UNICA, anwesend sein. Damit folgt er einer Einladung von Indiens Premierminister Modi. Bolsonaro hat vorgeschlagen, die Produktion von Ethanol in Indien zu fördern. Genügend Rohstoff sei vorhanden und ausbaufähig. Indiens Agrarsektor, Wirtschaft und Umwelt könnte in vielerlei Hinsicht profitieren.

Die Folge wäre die Verringerung des Zuckerangebots am Weltmarkt, einher gehend mit stabilen, auskömmlichen Preisen. Indiens Abhängigkeit von Ölimporten würde sich verringern, der riesige Markt liegt direkt vor der Haustür. CO2-Emission aus fossilen Quellen gingen zurück. Die Luftqualität in indischen Großstädten, legendär schlecht in Mumbai oder Delhi, könnte möglicherweise durch den Einsatz von Flex-Fuel-Fahrzeugen enorm verbessert werden. China, mit einem zukünftig hohen Bedarf an Ethanol für die E10-Produktion, stellt einen großen Nachfrager aus der Nachbarschaft dar.

Der schnelle Start in die Ethanolzeit Indiens kann mit brasilianischem Know-How zügig starten.

Das klingt alles nach einer win-win-Situation. An den Rohstoff- und Wertpapierbörsen der Welt werden Zukunftserwartungen eingepreist und gehandelt. Zum Teil dürfte auch die derzeitige Rallye dadurch befeuert sein.

Quellen:
Government of India, Central Water Commission: Reservoir Level & Storage Bullettin, 09.01.2020
hindustantimes.com: Brazil’s Bolsonaro accepts PM’s invitation to be chief guest on R-Day
bloomberg.com: Sugar Traders Hold Tight: India’s Set to Roil Markets Again
reuters.com: Brazil to promote ethanol in Bolsonaro visit to India - Unica

China braucht Ethanol für Biosprit: Zuckerpreis steigt weiter

10.01.2020 | Chinas Nationale Entwicklungs- und Reformkommission erwägt, den Anteil Biotreibstoffe anzuheben. Nach Angaben des USDA wird China 18 Mio. Tonnen Ethanol pro Jahr benötigen, mehr als das vierfache der derzeit produzierten 4,2 Mio. Tonnen. Die Menge ist erforderlich, um täglich 3,6 Mio. Barrel E10-Benzin bereitzustellen.
Die erwartete Folge ist ein Umschalten von der Zucker- zur Ethanolproduktion in Zuckerrohrmühlen und einer damit einhergehenden Verknappung von Zucker am Weltmarkt.

Zum Jahresende zeigen die Ampeln für den Zuckerpreis weiter auf Grün

20.12.2019 | Zurzeit bestimmen überwiegend Nachrichten den Weltzuckermarkt, die für stabile Notierungen sorgen.

• Ein hoher Wechselkurs des Brasilianischen Real gegenüber dem US-Dollar sorgt für eine Angebotsverknappung von Zucker aus Brasilien.

• Am 18. Dezember gab die Indian Sugar Mills Association neue Produktionszahlen bekannt. Im Zeitraum vom 1. Oktober bis zum 15. Dezember 2019 ging die Produktion um 35 Prozent, bzw. 4,6 Mio Tonnen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück. 

• Für Brasiliens Region Center South wird erwartet, dass lediglich 34 Prozent des Zuckerrohrsaftes der Ernte 2019/20 für die Zuckerproduktion verwendet werden. Im Vergleich zum Vorjahr soll die Ethanolproduktion um mehr als 7 Prozent auf über 33 Mrd. Liter ansteigen. 

• In den USA wurden die Produktionsschätzungen ebenfalls nach unten korrigiert.

Auf der Spekulantenseite wird angenommen, dass die short-Eindeckungen der Trader, die durch die steigenden Preise auf dem falschen Fuß erwischt wurden, nahezu erfüllt sind. Eine weitere Befeuerung der derzeitigen Rallye von dieser Seite scheint nicht mehr zu erwarten zu sein. Inzwischen nehmen große Rohstofffonds eine positive Grundhaltung für den Zuckerpreis ein: Die Zahl der Long-Positionen übersteigt erstmals seit 13 Monaten die Zahl der Short-Positionen. Händler rechnen also mit stabilen, oder sogar steigenden Notierungen.

Wir erwarten weiter bis Ende Februar, sollte nichts Außergewöhnliches vorkommen, eine mittel volatile Seitwärtsbewegung der Weltmarktnotierungen im Korridor von 13 bis 14 USc pro Pfund.

Zum Jahresende bedanken wir uns für Ihr Interesse, wünschen Ihnen Frohe Weihnachten, ein gutes Neues Jahr, und den Investoren und Tradern unter Ihnen (ja, die gibt es hier auch unter den Lesern) stets gute Investments. 

Zucker steigt und steigt

04.12.2019 | Während andere Marktbeobachter von einem Kursfeuerwerk bei Zucker berichten, sind wir etwas zurückhaltender, und bezeichnen den Kursverlauf eher als Achterbahnfahrt. Das ist nicht weniger aufregend!

Innerhalb des einjährigen Trendkanals begann am 28.06.2019 ein weiterer Abschwung (0). Dieser verlief bis zum 12.09.2019 (1). Innerhalb von 51 Handelstagen fiel der Kurs um 16,8 %. Ein wichtiger Punkt liegt dabei in der Mitte dieser Zeitspanne: Hier passiert etwas, das Marktbeobachter aufmerksam macht. Während die Notierungen bis zum 12.08. um teilweise mehr als 3 Standardabweichungen nach oben und unten streuen, kehrt danach große Ruhe ein (!!). Die Notierungen fallen zwar immer noch, aber mit einer Standardabweichung von weniger als 1,5; und stets oberhalb einer Unterstützungslinie. Es gibt keine Ausreißer nach unten mehr! Im Nachhinein kann das als Vorbote der Mini-Rallye bewertet werden. Der Ehrlichkeit halber ist zu erwähnen, dass die Chartanalyse nicht als klare Wissenschaft betrachtet werden darf, sondern auch viel Interpretationsspielraum verleiht.

Am 12.09.2019 wird der untere Rand des langen Abwärtstrendkanals touchiert (1), und ab hier beginnt eine furiose Mini-Rallye! Innerhalb von 14 Handelstagen steigen die Notierungen, unterbrochen von einer großen Lücke (2) um über 21 Prozent (3), nur um  anschließend wieder um fast 7 % abzutauchen. Der obere Rand des langen Abwärtstrendkanals wird zur Unterstützung (4), und seitdem erleben wir wieder 7 % Anstieg in 28 Handelstagen (5).

Zurzeit bestimmt eine Nachrichtenlage das Bild, die für höhere Notierungen für Weltmarktzucker spricht. Allerdings nähern wir uns einem Preis um die 13 USc pro Pfund. Ab hier wird das Zuckergeschäft sowohl für Indien als auch Brasilien, die großen Player am Markt, komfortabel. Ölpreise und Wetterbedingungen können die Notierungen noch etwas bewegen. Wir erwarten mittelfristig eine Beruhigung auf dem Niveau um 13 USc pro Pfund.

Was gibt es Neues am Zuckermarkt?

14.11.2019 | Unsere kleine Prognose vom 23.09.2019 hat sich schneller und weitergehend erfüllt, als wir geahnt haben.

Es gibt Gründe für diese kleine Mini-Rallye und den Ausbruch aus dem Trendkanal nach oben, die diese Tendenz zurzeit auch weiter befeuern. Die globalen Gründe, die für die nächsten ein bis zwei Jahre vorsichtigen Optimismus versprechen, sind bereits genannt worden. UNICA berichtete, dass die Brasilianischen Zuckerproduzenten aus Center South im Oktober 2,1 Mrd. Liter Etanol verkauft haben, 5 Prozent mehr als im Vorjahr, und gleichzeitig eine Rekordmenge für einen einzelnen Monat. Ethanol statt Zucker sorgt für stabile Notierungen im Weltzuckermarkt.

Die Indian Sugar Mills Association (ISMA) prognostiziert für das Jahr 2019/20 einen Rückgang der Indischen Zuckerproduktion um 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ein Zusammenschluss Indischer Zuckerproduzenten spricht sogar von einem Rückgang um 20,7 Prozent. Die Schätzungen liegen dicht beieinander und finden entsprechend Gehör im Markt.

Der Finanzdienstleister INTL FCStone ging im August für 2019/20 noch von einem globalen Defizit von 5,9 Mio. Tonnen aus, und hat diese Angabe aufgrund ungünstiger Wetterbedingungen in Asien auf 7,7 Mio. Tonnen nach oben korrigiert.

Allerdings muss man sich stets bewusst sein, dass es kein wirkliches Zuckerdefizit gibt, denn alleine Indien sitzt auf riesigen Zuckermengen zwischen 4 und 5 Mio. Tonnen. Das Defizit besteht im Kontext von Produktion und Verbrauch. Eine Zuckerknappheit gibt es nicht. Die oben genannten Nachrichten können auch strategischer Natur sein, um ein wenig höhere Preise am Weltmarkt zu forcieren. Wenn man bereit ist, 13 Cent für das Pfund zu bezahlen, kann man so viel Zucker bekommen, wie man möchte. Darauf warten die Inder.

Ein weiterer Schlüsselfaktor ist der Ölpreis: Ist er niedrig, kommt Zucker aus Brasilien. Ist er hoch, wird brasilianischer Zucker knapper und teurer, und die Inder kommen zum Zuge.

Eine internationale Gruppe von Klimaforschern vermutet für 2020 das Auftreten eines El-Nino-Events mit entsprechend negativen Folgen für die Zuckerrohranbauer in Brasilien und Asien. Auch das spricht eher für engere Märkte, mit einem Preisniveau an oder knapp über 13 Cent pro Pfund.

Die sich verschärfenden Prognosen sorgen für zunächst weiter steigende Preise am Weltzuckermarkt. Bei ein wenig über 13 Cent pro Pfund dürfte allerdings ein Widerstand zu erwarten sein, da sich das Angebot nach Einschätzung internationaler Zuckerexperten dann wieder steigern wird.

Aus Louisiana in den USA berichten zwei Zuckerproduzenten von höherer Gewalt durch Frostschäden an den Zuckerrüben. Es ist wahrscheinlich, dass die US-Zuckerimporte am Weltmarkt steigen.

Die Warnung vor heftigen Regenfällen in Brasilien lässt eine Behinderung der Rohrernte erwarten. Beide Meldungen schieben den Zuckerpreis am Weltmarkt am 13.11.2019 um über 2 Prozent weiter an. 

Zuckerpreis sendet charttechnische Signale

23.09.2019 | Der Weltmarktpreis für Zucker sorgt bei den Marktbeobachtern von Strube derzeit für Aufmerksamkeit.

Vor ziemlich genau einem Jahr, am 26.09.2018, markierte der Weltmarktpreis für Zucker bei 9,9 USc/lbs ein Zehnjahrestief. In den folgenden 18 Handelstagen erfolgte eine fulminante Aufholjagd bis auf 14,03 USc/lbs! Das sind über 40 %.

Ab diesem Zeitpunkt ging der Jahreschart in eine typische Chartformation über, die Analysten „Fallende Flagge“ nennen. Interessant ist, dass diese an der Unterstützungslinie des Zehnjahrestiefs nach oben dreht, was für eine erste Bestätigung der Unterstützungslinie spricht, und anschließend einen seit 14 Handelstagen steil fallenden Widerstand nach oben durchbricht.

Charttechniker werten dieses Kursverhalten als erstes Einstiegssignal und versuchen, aufgrund der vorhergegangenen ungewöhnlich deutlichen Chartmuster ein erstes Kursziel zu berechnen. Obwohl das für Agrarrohstoffe sehr gewagt ist, haben wir es versucht, und kommen auf ein Kursziel von 11,80 bis 12,00 USc/lbs im Verlauf der nächsten 23 Handelstage, also um den 16.10.2019. Wir sind gespannt, ob unsere Prognose ungefähr passt, weil die Vorgehensweise besser auf Aktien, als auf Rohstoffe passt.

Folgende Umstände stützen unsere Einschätzung: Die Marktberichte aus Brasilien bezüglich einer geringeren Zuckerproduktion in Center South sorgen für Erwartungen steigender Preise. Die ISO berichtete wiederholt von einem Ende der globalen Überschussphase für die kommenden Jahre. Der Zuckerkommissar von Maharashtra, Indiens Bundesstaat mit der größten Zuckerproduktion, reduzierte seine Ernteschätzung von vormals 6,4 auf 5,3 Mio. Tonnen. Diese Nachrichten sorgen für short-Eindeckungen von Spekulanten, die auf weiter fallende Kurse gesetzt hatten, was den Preis kurzfristig zunächst weiter nach oben treiben dürfte.

Auf der Gegenseite sorgt aktuell ein gegenüber dem US-Dollar schwacher Brasilianischer Real dafür, dass brasilianische Zuckerproduzenten vermehrt Zucker exportieren. Das drückt den Weltmarkt. Die ISO betont wiederholt, dass selbst ein globales Zuckerdefizit nicht ausreicht, um die enormen Lagervorräte nachhaltig zu reduzieren, da es weltweit einen Feldzug gegen Zuckerkonsum zu beobachten gibt, der den Verbrauch empfindlich verringert.

Es bleibt also spannend zu beobachten.

Zuckerpreis schmilzt weiter ab - Indien bläst zum Abverkauf

31.01.2019
Zuckerpreis schmilzt weiter ab - Indien bläst zum Abverkauf

Die niedrigen Zuckerpreise auf dem Weltmarkt und eine gute Ernte haben in Indien dazu geführt, dass die Zuckermühlen auf extrem hohen Vorräten sitzen, 83 Prozent mehr als im Vorjahr. Bislang ist nur wenig exportiert worden, um den Zucker nicht zu verschleudern. Neu Delhi hatte die Zuckermühlen zu Exporten in Höhe von 2 Mio Tonnen aufgefordert, bisher sind aber nur 620.000 Tonnen verschifft worden. Darüber hinaus schulden die Zuckermühlen den Anbauern noch 2,7 Milliarden US$, die man versucht, durch Überbrückungskredite zu finanzieren. Inzwischen gibt es erste, teils gewalttätige Unruhen, weil die Anbauer ihr Geld fordern. (1)

Um nicht in nachhaltige Schwierigkeiten zu kommen, sollen nun große Zuckermengen verkauft und gleichzeitig der Anbau erweitert werden. Staatliche Exportbeihilfen sollen den Verkaufspreis für den Zucker von 29 Rupien per kg auf 35-36 Rupien anheben. (2)

Indiens Zuckervorräte haben sich 2018 auf 15,4 Mio. Tonnen fast verdoppelt. Die nächste Ernte Indiens wird auf eine Zuckermenge von 36 Mio. Tonnen geschätzt, noch einmal gut 5 Prozent mehr als in der Vorsaison. Das würde bedeuten, dass Indiens Zuckerproduktion seit 15 Jahren das erste Mal die von Brasilien übertrifft, die mit gut 30 Mio. Tonnen um gut 20 Prozent geringer eingeschätzt wird. Gründe dafür sind Wechselkurseffekte zwischen Brasilianischem Real und US$ und Ölpreisschwankungen, die eine kurzfristige Steigerung der Ethanolproduktion attraktiv machen. (3)

Insgesamt gibt es zurzeit keinen vernünftigen Grund, von einer nachhaltigen Erholung des Zuckerpreises am Weltmarkt auszugehen.
 

Quellen:
(1) The Economic Times India
(2) Bloomberg Markets
(3) Commodity Newswires, Barchart.com

Enorme Ausschläge beim Zuckerpreis - Warum?

10.10.2018
Enorme Ausschläge beim Zuckerpreis - Warum?
Der Weltmarktpreis für Zucker macht zurzeit durch einen rasanten Anstieg auf sich aufmerksam. Einer der Gründe dürfte sicher die starke Aufwertung des Brasilianischen Real gegenüber dem US-Dollar sein. Der konservativ-neoliberale, von den Märkten favorisierte Präsidentschaftskandidat Bolsonaro hat die erste Runde der Präsidentschaftswahlen deutlich für sich entschieden und stützt daher diesen Trend. Ähnliches gilt übrigens auch für Kaffee, einen für Brasilien wichtigen Agrarrohstoff. Kaffee- und Zuckerpreise befanden sich seit Monaten auf dem Weg nach unten. Große Short-Seller (Spekulative Finanzanleger) trugen diesen starken Trends Rechnung und wetteten auf weiter fallende Preise. Durch die plötzliche positive Wechselkursentwicklung waren diese gezwungen, sich mit großen Positionen einzudecken. Das führte am Rohstoffmarkt zu enormen Preisausschlägen.

Hurrican Michael sorgt zurzeit für den Ausfall von etwa 40 % der Ölproduktionskapazitäten im Golf von Mexiko. Die Benzinpreise in den USA steigen und steigen. Um dem entgegen zu wirken, hat US-Präsident Trump die Zulassung von E15 angekündigt. Bisher wird in den USA üblicherweise E10 getankt. Ethanol wird in den USA hauptsächlich aus Mais erzeugt. Die Landwirte, eine wichtige Klientel für die anstehenden Kongresswahlen, dürften davon profitieren: Etwa 40 % der US-Maisernte dürfte in die Ethanolproduktion gehen. Der schwelende Handelsstreit mit China hat zu starken Einkommenseinbußen bei Sojabohnen geführt, die nun durch Mais im Anbau ersetzt werden könnten.

Ethanol kann natürlich auch aus Zuckerrohr oder -rüben hergestellt werden. Möglicherweise führt auch die Annahme, dass das passiert, zu einer kurzfristigen Steigerung und Stützung der Zuckerpreise.
In der Regel haben politische Börsen jedoch kurze Beine, und eine Prognose bleibt schwierig.

Quellen: Commerzbank Commodity Research, ARD-Börse, Eigene Beobachtungen

++++

Börsen-Exkurs: Wie spekuliert ein Short-Seller?
Ein Short-Seller setzt auf fallende Kurse. Er leiht sich für eine geringe Gebühr z. B. eine Aktie/Future zu einem Kurs von 100 € und verkauft sie. Zu einem festen Termin muss er die Aktie dem Verleiher zurück geben. Fällt die Aktie auf 80 €, kauft er diese und gibt sie an den Verleiher zurück. Die Differenz ist sein Gewinn. Die Spekulation ist aufgegangen.

Steigen aber wider Erwarten die Kurse, hat sich der Leerverkäufer verzockt. Er muss ja die Aktie wieder zurück geben und ist jetzt gezwungen, sich möglichst schnell noch einzudecken, um liefern zu können und seinen Verlust gering zu halten. Diese sogenannten "short-squeezes" können die Kurse in sehr kurzer Zeit in irrationale Höhen treiben.

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Weltzuckerpreise ab 2008

Wo geht die Reise hin?

Innerhalb der vergangenen 8 Jahre bewegten sich die Weltzuckerpreise an den Börsen in London (Weißzucker) und New York (Rohzucker) zwischen 150 und 600 Euro/Tonne. Seit dem Höchststand von Roh- und Weißzucker an den Börsen Anfang 2011 befanden sich die Preise mit starken Schwankungen in einem Abwärtstrend. Seit Oktober 2015 konnte ein deutlicher Anstieg bis Oktober 2016 um 200 Euro verzeichnet werden. Im Laufe des Jahres 2017 gingen die Preise jedoch wieder zurück und pendelten sich bis Ende des Jahres beim Weißzucker bei knapp unter 300 Euro/Tonne ein. 

Quelle: EU-Kommission, Börsen London und New York, Europreise dem Wechselkurs angepasst. (Stand 31. August 2018)

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