Jugendentwicklung

Während ihrer Jugendentwicklung reagieren Zuckerrüben auf wachstumsfördernde oder wachstumshemmende Einflüsse empfindlicher als in späteren Entwicklungsstadien. Eine frühe Aussaat, hohe Feldaufgänge und hohe Bestandesdichten befähigen die Bestände bereits früh im Jahr zu einer zügigen Entwicklung des Blattapparates und somit zu einer besseren Nutzung der Globalstrahlung. Gleichzeitig wird der Boden zügig bedeckt.

Die Blattbildung wird in Mitteleuropa in der ersten Hälfte der Vegetationsperiode fast ausschließlich über die Temperatur gesteuert. Bis etwa 90 Tage nach der Aussaat besteht ein enger Zusammenhang zwischen Temperatur und Blattbildung. In diesem Zeitraum gilt das Erreichen einer Temperatursumme von 1200 °Celsius als Indiz für eine zügige und optimale Blattentwicklung. Je eher ein Zuckerrübenbestand die optimale Blattfläche (BFI) von 4 m² pro m² Boden erreicht, desto höher ist auch die Wachstumsrate der Rübenkörper. Wird die Blattbildung während der Jugendentwicklung massiv gestört, z.B. durch Hagel oder Insektenfraß, kommt es zu einer verzögerten Bildung des optimalen BFI-Wertes mit entsprechenden Ertragsverlusten.

Unkrautkontrolle

Herbizide Behandlungen werden in der Regel im Nachauflauf durchgeführt und dienen der Reinhaltung des Bestandes und damit der ungehinderten Bestandesentwicklung. Die jungen konkurrenzschwachen Zuckerrübenpflanzen müssen zur optimalen Ertragsbildung unkrautfrei gehalten werden. Dies wird in der Regel mit 3 NAK-Behandlungen erreicht. Dabei ist nicht der Entwicklungszustand der Rüben sondern der Unkräuter entscheidend. Im Abstand von etwa 10 - 14 Tagen werden die Maßnahmen durchgeführt. Bei sehr starker Verunkrautung, Problemunkräutern sowie kalter Witterung könnte auch eine 4. Herbizidmaßnahme notwendig sein.

Als Problemunkräuter gelten: Melde/ Weiße Gänsefuß, Vogelknöterich, Bingelkraut, Hundspetersilie, Klettenlabkraut und Storchschnabel. Diese Pflanzenarten sind sehr robust und widerstandsfähig. Spezialherbizide müssen dann eingesetzt werden.

Die Witterung hat für die Verträglichkeit der Zuckerrüben sowie für die Wirksamkeit der Herbizide eine große Bedeutung. Unter trockenen Bedingungen sollte die Blattaktivität erhöht werden. Dies erfolgt durch blattaktiviere Herbizide, höhere Aufwandmengen und/oder den Einsatz von Additiven. Ist es hingegen feucht, so sollten die Bodenwirkstoffe bevorzugt werden. Eine zu hohe Blattaktivität schädigt die Rübenpflanzen, ist jedoch wirksamer gegen die Unkräuter. Hier wird ersichtlich, dass eine Balance zwischen Wirksamkeit und Verträglichkeit der Herbizidmaßnahmen notwendig ist.

Zuckerrübe, N-Düngung, Stickstoff

Nährstoffversorgung - Stickstoff

Eine herausragende Rolle bei der Nährstoffversorgung der Zuckerrüben spielt die Stickstoffdüngung. Die Höhe der Düngung ist dabei abhängig vom Nährstoffbedarf des Zuckerrübenbestandes und vom Nährstoffvorrat des Bodens. Im Vergleich zu anderen landwirtschaftlichen Kulturen wie Getreide oder Raps sind relativ geringe Düngermengen ausreichend, um den Pflanzenbestand zu ernähren. 

Der Rübenertrag steigt im Allgemeinen mit zunehmender N-Düngung an. Demgegenüber sinkt jedoch der Zuckergehalt, sodass sich ein Optimum für den Zuckerertrag ergibt. Langjährige Versuchsreihen ergaben, dass das Optimum bei 160 kg N/ha (Nmin-Bodenvorrat + Düngung) liegt. Die neue Düngeverordnung stellt der Zuckerrübe 170 kg N/ha als Bedarfswert zur Verfügung. 

Die mineralische N-Düngung wird zur Aussaat vorgenommen und eventuell mit einer zweiten Gabe im 6-8-Blattstadium abgeschlossen. Spätere Düngungsmaßnahmen wirken sich stark qualitätsmindernd aus.

Düngefahrplan Zuckerrübe

Grafik: Der Düngefahrplan der Zuckerrübe schematisiert

Im Laufe der ersten Wochen nach der Aussaat entzieht der Zuckerrübenbestand dem Boden nur geringe Mengen an Mineral-N, so dass der Nmin-Gehalt infolge Düngung und bodenbürtiger Mineralisation ansteigen kann. Erst mit dem Einsetzen des Massenwachstums der Zuckerrüben kommt es zu einer Verringerung der Mineral-N-Gehalte im Boden. Parallel dazu steigt die N-Aufnahme der Pflanzen stetig an und erreicht zur Ernte ihr Maximum. Stellt man dem Pflanzenentzug das N-Angebot aus Nmin-Vorrat plus N-Düngung gegenüber, ergibt sich ein Fehlbetrag, der durch Mineralisation der bodenbürtigen organischen Substanz während der Vegetation gedeckt wird. Die Zuckerrübe nutzt wie keine andere Kultur die N-Freisetzung aus der organischen Substanz des Bodens (Netto-Mineralisation). Dieser Umstand wird durch die neue Düngeverordnung von 2017 unterstützt.  

Für die Ermittlung des mineralischen Stickstoffdüngebedarfs müssen neben den N-min-Gehalten auch Humusanteil des Bodens, Zwischenfruchtanbau, Vorfrucht sowie eine organische Düngung des Vorjahres berücksichtigt werden. Die neuen N-Bedarfswerte lösen die N-Sollwerte ab und berücksichtigen alle den Pflanzen zugänglichen Stickstoffquellen.

Nährstoffversorgung - Spurenelemente

Kümmerwuchs, Blattchlorosen oder Wurzelfäulen können auf das Fehlen eines wichtigen Spurenelements hindeuten. Mangelsituationen dieser essentiellen Nährstoffe können durch anhaltende Trockenheit hervorgerufen oder durch ungünstigen Kalkhaushalt und pH-Wert beeinflusst werden. Deshalb können Mangelsymptome auch auf Schlagbereiche begrenzt sichtbar werden.  In der Regel sind die Böden jedoch ausreichend mit Mikronährstoffen versorgt. Am empfindlichsten reagiert die Zuckerrübe auf ein Fehlen an Bor und Mangan.

  • Bor
  • Mangan

Bor

Zuckerrüben reagieren auf einen Mangel an Bor besonders empfindlich. Das Fehlen des Mikronährstoffes bleibt lange latent, eine starke Unterversorgung führt zur Herz- und Trockenfäule. Die Symptomatik wird jedoch erst ab Ende Juli im Bestand sichtbar, für eine Düngung ist es nun aber zu spät. Sie sollte zum Reihenschluss abgeschlossen sein.

Mangelsituationen entstehen beispielsweise durch anhaltende Bodentrockenheit im höchsten Bedarfszeitraum oder bei höheren pH-Werten. Bor kann in nassen Jahren auch ausgespült werden. So wird die Borverfügbarkeit durch Humusanteil und Kalkung, durch Bodenfeuchte und Größe der Bodenteilchen beeinflusst.

 

 

Bormangelsymptome

Den höchsten Borbedarf haben die Rübenbestände zum Reihenschluss, dem Zeitraum des stärksten Blattwachstums. Ein Mangel zu diesem Zeitpunkt macht sich jedoch erst einige Wochen später bemerkbar. Ein latenter Bormangel zeigt keine Symptome, mindert jedoch bereits die Qualität der Zuckerrüben. Deshalb wird grundsätzlich empfohlen zum Reihenschluss eine Blatt-Düngung mit Bor abzuwägen. Eine Pflanzenanalyse gibt einen genaues Bild der Borversorgung.

Bor ist in der Zuckerrübe an wichtigen Prozessen beteiligt, die Zellen und Gewebe aufbauen. Damit werden Assimilattransport und Wasserhaushalt bei einem Mangel gestört. Bei der Zuckerrübe wirkt sich Bormangel mindernd auf Zuckergehalt und Zuckereinlagerung aus. 

 

 

 

 

Mangan

Auf einen Mangel an Mangan reagieren die Zuckerrüben ebenfalls sehr empfindlich. Die Blattspreiten älterer Blätter sind gesprenkelt durch kleine, helle Flecken. Die Blattränder rollen sich ein. Beispiele finden sich in der Regel auf überkalkten humosen Sandböden, kalkreichen anmoorigen Böden sowie Marsch- und Carbonatböden. Auch bei Trockenheit kann die Mangan-Verfügbarkeit eingeschränkt sein. Ein Mangel im Boden liegt selten vor. 

Ist die Mangel-Symptomatik akut, kann Mangan durch Blattspritzungen zugeführt werden.

Blattapparat

Vorrangiges Ziel des Anbauers von Zuckerrüben ist die Erzeugung einer möglichst hohen Zuckermenge pro Flächeneinheit unter Berücksichtigung ökonomischer und ökologischer Gesichtspunkte. Grundlegender Prozess der organischen Substanzbildung ist die Photosynthese. In deren komplexen Ablauf wandeln Zuckerrübenblätter Kohlendioxid und Wasser unter Nutzung der Sonnenlichtenergie in das Kohlenhydrat „Zucker“ um.

Während der Zucker über Leitungsbahnen transportiert und im Rübenkörper eingelagert wird, entstehen gleichzeitig nicht unerhebliche Mengen an Sauerstoff, der von den Blättern an die Atmosphäre abgegeben wird. Im Vergleich mit anderen Kulturarten steht die Zuckerrübe dabei an der Spitze der sauerstoffproduzierenden Pflanzenarten. Für den jährlichen Sauerstoffbedarf eines Menschen, reichen umgerechnet 159 m² Rübenfläche aus.

Im Verlauf der Vegetation sollte der Blattapparat gesund erhalten werden, damit die Photosyntheseleistung nicht durch eine verringerte Blattfläche vermindert wird. Hagel, Starkregen und Trockenheit wirken als abiotische unbeeinflußbare Faktoren blattreduzierend. Zu den biotische Schadverusachern gehören Blattkrankheiten und Insektenfraß. Ergebnisse aus Versuchsserien zeigen, dass der Schadensumfang in hohem Maße vom Termin der Blattschädigung abhängt. Die stärksten Rückgänge im Ber. Zuckerertrag traten bei Blattverlusten im Juli auf. Entscheidend für das spätere Ausmaß des Ertragsverlustes ist ferner der Grad der Blattschädigung und die Folgewitterung nach einer Blattzerstörung.

  • Blattkrankheiten
  • Insektenfraß
  • Hagelschlag/Starkregen
  • Trockenheit

Blattkrankheiten

Ab Anfang Juni bis in den September müssen die Bestände wöchentlich auf den Befall mit Blattflecken und Mehltau beobachtet werden, die fungizide Behandlung erfolgt nach dem IPS Schadschwellenmodell.

Krankes Rübenblatt in engen Fruchtfolgen eine ständige Infektionsquelle für Blattkrankheiten dar. Das gilt besonders bei nichtwendender Bodenbearbeitung, weil das gesamte Infektionsmaterial auf der Bodenoberfläche verbleibt.

Insektenfraß

Ein insektizider Schutz durch die Wirkstoffe in der Rübenpille besteht bis zum Reihenschluss, danach müssen die Zuckerrüben auf Schädlingsbefall untersucht werden. 

Hagelschlag/Starkregen

Hagel und Starkregen sind gefürchtete Wetterereignisse im Ackerbau. Bei Zuckerrüben ist in erster Linie der Blattapparat in mehr oder weniger starkem Maße betroffen. In der Regel sind damit Rückgänge im Ber. Zuckerertrag verbunden. Wie hoch der Ertragsrückgang ausfällt, hängt ab von dem Grad und dem Zeitpunkt der Blattzerstörung sowie der Folgewitterung. Die stärksten Ertragsverluste ergeben sich nach Blattverlusten, die im Juni und Juli auftraten. 

Trockenheit

Temporären Wassermangel kann die Zuckerrübe gut überbrücken. Ist die Austrocknung des Bodens hoch - das osmotische Potential des Bodens ist stärker als die Saugspannung der Pflanze - dann reagiert die Rübe mit anhaltender Welke. Der Blattapparat legt sich rosettenförmig um den Rübenkopf schlafen. Um Verdunstungsfläche einzusparen reagiert die Pflanze mit Blattabwurf. Die älteren am Boden liegenden Blätter vertrocknen. Mit einsetzendem Regen wird aus der Mitte der Blattrosette neues Blatt gebildet.

 

Wasserversorgung

An vielen Standorten in den mitteleuropäischen Zuckerrübenanbauregionen ist das Wasser der begrenzende Wachstumsfaktor. Vor allem während der Hauptwachstumszeit von Juni bis September benötigt die Zuckerrübe viel Feuchtigkeit. Auf temporären Trockenstress reagiert die Rübe im Gegensatz zu anderen Feldfrüchten flexibel. Nach dem Auffüllen der Bodenwasservorräte wächst sie in der Regel wieder ungehindert weiter.

Insgesamt benötigt die Zuckerrübe rund 550 bis 750 mm Wasser. Für die Bildung eines Ertrages von 50 Tonnen werden etwa 400 mm Wasser je m² verbraucht. In den Sommermonaten wären 60 bis 80 mm Niederschlag je Monat wünschenswert. Der Wasserverbrauch in der Hauptwachstumsphase hängt in großem Maße von der gebildeten Blattmasse, der Temperatur und der Luftfeuchte ab. 

Ab einer nutzbaren Feldkapazität von 50% beginnt die Rübe zu welken. Hält das Welken bis in die Nacht hinein und länger an, dann wird die Assimilatbildung und deren Umlagerung in den Rübenkörper behindert und Blattfläche wird abgebaut. Als tief wurzelnde Pflanze ist sie in der Lage, an das Wasser bis in die 2,5 m tiefen Bodenschichten zu gelangen. Auf tiefgründigen Böden kann sie deshalb auf die tiefer liegenden Wasservorräte zurückgreifen. In Regionen mit leichten Böden und geringer Wasserhaltefähigkeit versucht man das Wasserdefizit durch Beregnung zu decken. Dadurch wird nicht nur der Rübenertrag gesteigert, sondern auch die Zuckergehalte können wesentlich verbessert werden. 

Schosser

Schosserrüben treten in jedem Frühsommer und Sommer in mehr oder weniger starkem Maße auf. In der Regel ist die Gefahr des Schossens am Größten, je früher die Aussaat war. Die Jugendentwicklung der Zuckerrüben ist die für die Schossauslösung empfindlichste Phase. Spätfröste und niedrige Temperaturen nach der Aussaat wirken als Kältereiz auf das Hypokotyl ein und bewirken eine Vernalisation der Pflanzen, die das Schossen auslöst. Allerdings kann ein ausgelöster Kältereiz durch anschließend hohe Temperaturen wieder zurückgenommen werden.

 

Faktoren, die das Schossen auslösen können: 

  • Je früher die Aussaat, desto größer die Gefahr des Schossens.
  • Frühschosser (bis 15.7.), Spätschosser (nach dem 15.7.) und Fremd- oder Wíldrübenschosser.
  • Pro Schosser bis zu 2.000 Samen.
  • Samen können bis zu 10 Jahre ohne Keimfähigkeitsverlust im Boden überdauern.
  • Umweltfaktoren
  • Pflanzenbauliche Faktoren
  • Genotypische Faktoren
  • Saatgut-Produktionstechnische Faktoren

Umweltfaktoren

  • Niedrig-Temperaturbereich und –dauer (0-10 °Celsius, Optimum +8 °Celsius, 2 bis 6 Wochen)
  • Tageslänge (Dauer der Belichtung in Stunden)

Pflanzenbauliche Faktoren

  • Trockenheit
  • Herbizideinsatz
  • Überoptimale Düngung (Stickstoff) 

Genotypische Faktoren

  • Schoßtoleranz abhängig von: Proteinstoffwechsel <-> Gibberelinsynthese
  • Schoßneigung: polygen vererbtes Merkmal
  • Genotyp A: langer Kältereiz, lange photoperiodische Phase
  • Genotyp B: kurzer Kältereiz, lange photoperiodische Phase 

Saatgut-Produktionstechnische Faktoren

  • Fremdbefruchtung im Vermehrungsgebiet (z. B. Rote Beete, Mangold, Beta maritima -> Isolierungsproblem)
  • Genetische Schossfestigkeit
  • Klimatische Bedingungen während der Saatgutreife am Samenträger (heute eher unbedeutend)

Auswirkungen von Schosser-Rüben

  • Ernteerschwernis (Köpfarbeit, Ernteverluste durch Umkippen)
  • Verschlechterung der Verarbeitbarkeit (Verholzung, Behinderung der Extraktion)
  • Qualitätsverschlechterung (hohe Kalium- und Natrium-Gehalte, geringere Ausbeute)
  • Erschwerung der Bodenbearbeitung nach der Ernte
  • Unkrautrüben in den Folgejahren

Entfernen der Schosser-Rüben

  • Ziehen (ab Samenbildung heraustragen)
  • Handhacke (bei Unkrautrüben Maschinenhacke)
  • Schlegeln (Kreiselmäher, Mähbalken)
  • Streichgeräte (mit Totalherbizid)

Nur rechtzeitiges und nachhaltiges Entfernen von Schossern verhindert das Unkrautrübenproblem in kommenden Jahren!

Ihre Ansprechpartner zu pflanzenbaulichen Themen bei Strube Söllingen

Tobias Bokeloh
Anbautechnische Versuche / Beratung

0 53 54 80 92 06

t.bokeloh@strube.net

Antje Schneider
Anbautechnische Versuche / Beratung

0 53 54 80 92 01

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