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Thema des Monats April 2012

27. April 2012

Rüben im Auflaufstress
Der März 2012 war nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes außerordentlich warm, trocken und sonnenscheinreich. Diese günstige Witterung kam den Zuckerrübenanbauern deutschlandweit entgegen und wurde für eine sehr frühe und zügige Aussaat genutzt. Die Böden befanden sich in optimalen Bearbeitungszuständen. Frühe Aussaattermine verlängern die Vegetationsperiode der Rübe und führen laut langjährigen Versuchsreihen zu maximalen Ber. Zuckererträgen. Jeder Tag einer verzögerten Aussaat kostet Ertrag, besonders je weiter sie sich nach hinten verschiebt.

 

Allerdings bergen frühe Aussaattermine auch immer ein Frostrisiko für die empfindliche Auflaufphase. Und in diesem Jahr hatten die keimenden Pflanzen wieder mit einer typischen unbeständigen Aprilwitterung zu kämpfen, nachdem sie in den vergangenen Jahren regelmäßig mit fast frühsommerlichen Temperaturen verwöhnt wurden. In einigen Anbauregionen traten immer wieder Nachtfröste auf, die bis –7 °Celsius hinabgingen. Das Auflaufen der Bestände musste an einigen Standorten mit Sorge beobachtet werden. Wenige Flächen, vorwiegend im Südwesten und im Osten, wurden wegen Frostschäden umgebrochen.

 

Thema des Monats April 2012


Grafik: 
Minimumtemperaturen 5 cm über dem Boden nach der Zuckerrübenaussaat 2011 und 2012 im Bereich der Zuckerfabrik Klein Wanzleben (nach Daten des DWD, Wetterstation Magdeburg).  


Die obige Grafik verdeutlicht das „Wechselbad der Temperaturen“, denen die Samen und Keimpflanzen in der Auflaufphase 2012 im Raum Wanzleben in Bodennähe ausgesetzt waren. Die Hauptaussaat erfolgte noch eine Woche früher als im vergangenen Jahr. Nach der Ablage beginnt die Entwicklung der Rüben mit der Wasseraufnahme und Quellung des Samenkorns. Die Temperaturen stiegen zunächst auf 5 °Celsius an, gingen dann jedoch nach knapp einer Woche innerhalb eines Tages auf –5 °Celsius zurück. Nach zwei Tagen stiegen sie wiederum um 10 °Celsius auf Plusgrade an, um drei Tage später wieder abzusinken. Die niedrigste Temperatur von –7° wurde am 8. April rund vierzehn Tage nach der Hauptaussaat erreicht. Das „Auf und Ab“ von Plus- zu Minusgraden wiederholte sich in den darauffolgenden 14 Tagen und bedeutete weiteren Stress für die Keimlinge.

 

Am frostempfindlichsten ist der Keimling in der Hakenphase. Die Keimwurzel ist geschoben und die Keimblätter durchbrechen die Bodenkrume. Dann reichen Nachtfröste von -2 bis -3 °Celsius um die Pflanzen irreversibel zu schädigen. Symptome von Frostschäden bei überlebenden Pflanzen sind schwarze nekrotische Keimblätter oder ein verdrehtes Hypokotyl unterhalb der Bodenkrume. Diese verzögern nachfolgend das Wachstum. Zügige Auflaufphasen von zwei bis drei Tagen sind generell am günstigsten. Die jungen Pflanzen haben ihre Keimblätter schnell entfaltet und beginnen die ersten Laubblätter zu bilden. 

Zuckerrübensamen benötigen nach Winner eine Keimtemperatur von 5 °Celsius. Dann beträgt der Zeitraum zwischen Quellung und Keimung 17 Tage. Bei 10 °Celsius verkürzt er sich bereits auf 10 Tage, bei 20° auf 3 Tage. In dieser Phase ist der Keimling auf die Versorgung durch das Nährgewebe im Samenkorn angewiesen. Danach sind die Keimblätter entfaltet und die Pflanze kann sich mit Hilfe des Sonnenlichts und der Photosynthese selbst ernähren. Neben der Temperatur wird der Keimvorgang zusätzlich durch den Boden beeinflusst. Die unterschiedlichen Wärmekapazitäten der Böden, die sich bereits innerhalb eines Schlages verändern können, führen zu unterschiedlichen Auflaufgeschwindigkeiten der einzelnen Pflanzen. So sind trockene, lockere Böden beispielsweise frostempfindlicher, feuchte Böden dagegen halten Wärme besser.

 

Da die Pflanzen zur Zeit noch sehr klein sind, lässt sich auch bei vollständigem Feldaufgang die allgemeine Bestandesqualität noch nicht endgültig einschätzen. Aktuell wird auf Grund des deutlich kühleren, wechselhafteren Aprils die Rüben- und Bestandesentwicklung trotz früherer Aussaat schlechter eingeschätzt als in 2011. 

Das Auflaufen 2012
Von der Aussaat bis zum Erscheinen des ersten Laubblattpaares vergingen hier mehr als vier Wochen.
Thema des Monats April 2012
5. April: Stadium 05 (Keimwurzel aus dem Samen/Pille ausgetreten)
Thema des Monats April 2012
12. April: Stadium 06/07 (Keimspross aus dem Samen/Pille ausgetreten)
Thema des Monats April 2012
27. April: Stadium 10/11 (1. Laubblattpaar deutlich sichtbar)


Aus einer Keimpflanze sollte sich so schnell wie möglich eine Jungpflanze entwickeln. Die gegenüber Frost, Wind, Niederschlag, Hagel, Schnecken- und Vogelfraß sowie Herbizideinsatz sehr empfindliche Entwicklungsphase ist dann so kurz wie möglich.

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