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Thema des Monats

Thema des Monats

30. März 2012

„Das Keimbett von Zuckerrüben: Eine Wissenschaft für sich.“

Selten werden die Zuckerrübenanbauer im Frühjahr mit so idealen Wetterbedingungen für die Aussaat beschert wie bisher in diesem Jahr. Seit Mitte März herrschte eine stabile Hochdrucklage, die bundesweit für die Zuckerrübenaussaat genutzt werden konnte. Februar und März waren insgesamt niederschlagsarm, sodass viele  Böden nicht lange abtrocknen mussten. In den traditionellen Frühsaatregionen im Südwesten ist die Aussaat deshalb schon abgeschlossen, im Rheinland sind bis zu 90 Prozent der Flächen bestellt und auch in einigen norddeutschen Regionen konnten bereits 50 Prozent der Rüben ausgesät werden. Die äußeren Bedingungen für die Herstellung eines günstigen Keimbettes waren sehr gut.

 

Thema des Monats März 2012


Grafik: 
Das Keimbett von Zuckerrüben stellt viele Anforderungen: Nicht zu tief, nicht zu flach, die hergestellte Bodenstruktur sollte keine Verdichtungen aufweisen. (Bodenschichten nach Brinkmann)


Ziel in allen Anbauregionen, auf allen Böden und mit jedem Verfahren ist ein Saatbett, das einen möglichst zügigen Feldaufgang ermöglicht. Das Saatbett sollte die Pille mit Wärme und Luft sowie ausreichend Wasser versorgen können. Das wird durch eine flache Ablage von zwei bis drei Zentimetern Tiefe auf einem rückverfestigten Saathorizont erreicht. Die Ablage auf der rückverfestigten Bodenschicht gewährleistet den Anschluss an das aus Ober- und Unterboden verfügbare Bodenwasser. Kapillarkräfte befördern das Wasser in den Bodenporen nach oben und führen der Pille die für die Keimung nötige Feuchtigkeit zu. Die Sekundärbodenbearbeitung sollte den Boden soweit wieder verdichten, dass die dabei entstandene Krümelstruktur und Porengröße die Kapillarkräfte wirksam werden lässt. Von oben dringen Wärme und Luft sowie Niederschläge durch eine locker aufliegende krümelige Bodenschicht ein.

 

Bei einer zu nassen Saatbettbereitung wird die günstige Krümelstruktur zerstört, indem die Bodenteilchen zusammengepresst und die Bodenporen verkleinert werden. Das zeigt sich in Bodenverdichtungen und Schmierschichten zwischen den Bearbeitungshorizonten. In niederschlagsreichen Jahren staut sich das Wasser, der für die Stoffwechselvorgänge nötige Sauerstoff kann nicht mehr zu Pille und Keimling vordringen. Die Entwicklung des Keimlings verzögert sich oder er stirbt ab. Schmierschichten erschweren und verhindern außerdem das Wurzelwachstum in die unteren Bodenschichten. Die Pflanzenentwicklung ist im späteren Wachstumsverlauf gestört und es können sich beinige Rüben bilden. Mit Bodensonden lassen sich entsprechende Verdichtungshorizonte identifizieren. In Fahrspuren treten diese Probleme in erhöhtem Maße auf.

 

Wird die Pille zu flach abgelegt, dann fehlt ihr der Anschluss an die wasserführenden Schichten. Die Wasserzufuhr von unten ist in diesen Fällen ungenügend. Bleibt es nun nach der Saat trocken, kann sich die Keimung so lange verzögern bis Niederschläge die nötige Feuchtigkeit von oben zuführen. In Jahren mit langanhaltender, extremer Trockenheit nach der Saat können sogenannte „Etagenrüben“ beobachtet werden. Auf einer Fläche zeigen sich reihen- oder nesterweise ganz unterschiedlich groß gewachsene Pflanzen. Sie offenbaren Bodenstruktur- oder Bearbeitungsunterschiede und spiegeln Bodenanschluss und Wasserversorgung von Pille und Keimling wider.

 

Bei der Direktsaat oder Mulchsaat ohne Saatbettbereitung (oben im Bild) wird keine lockernde Bodenbearbeitung vor der Saat vorgenommen. Scheiben schneiden Boden und Mulch auf und erzeugen eine Furche, in die das Saatgut abgelegt wird. Wichtig ist auch hier, dass das Saatgut in der Furche den nötigen Bodenschluss erhält. Das Verfahren wird vorwiegend auf erosionsgefährdeten Flächen angewandt, z. B. um Sandböden vor Windverwehungen zu schützen.  

 

Die Erzeugung eines optimalen Saatbettes ist stark von den individuellen Bodeneigenschaften, den Bodenbearbeitungsverfahren und den Witterungsbedingungen abhängig. Der ideale Saatzeitpunkt ist leider nur in seltenen Jahren frei wählbar. In jedem Fall von Vorteil sind Erfahrung und genaue Boden- und Schlagkenntnisse des Landwirts, was sich besonders in schwierigen Aussaatsituationen zeigt. 

457-16-81-619