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Thema des Monats

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25. November 2011

Zuckerverluste: Lange Kampagne - lange Lagerung

Von Mitte November bis in die dritte Januarwoche wird sich in diesem Winter der Lagerungszeitraum für einen Teil der Zuckerrüben erstrecken. So lange rechnet die Industrie mit der Verarbeitung der diesjährigen Rüben. Die letzte Schätzung vom 11. November beläuft sich auf eine zu verarbeitende Rübenmenge von 28,9 Mio. Tonnen. Das wären rund 30 Prozent mehr Rüben als in der vergangenen Kampagne und 13 Prozent mehr als im Rekordjahr 2009. Mitte November waren gut 50 Prozent der Rüben im Bundesgebiet verarbeitet. Damit werden 13 Mio. Tonnen Rüben über einen mehr oder weniger langen Zeitraum gelagert werden müssen.

 

Nach der letzten Zuckermarktreform 2006 verringerte sich die Anzahl der Zuckerfabriken im Bundesgebiet von 26 auf 20. Damit erhöhte sich die Kampagnedauer der einzelnen Fabriken. Im Bereich der Nordzucker arbeiteten die Fabriken im Rekordjahr 2009 durchschnittlich 128 Tage (2010: 115 Tage), im Bereich der Südzucker 116 Tage (2010: 97 Tage). 

 

Grafik Thema des Monats, November 2011


Grafik: Zuckerverluste bei der Lagerung von Zuckerrüben werden durch Produktionsverfahren, Lagerung und durch genotypische Unterschiede beeinflusst. Zuckerverluste sind natürliche Reaktionen der Pflanzen bei der Lagerung. Die Abdeckung einer Rübenmiete durch Vlies hat sich bewährt und senkt die Verluste um mehr als 50 Prozent. 


Für den Anbauer bedeuten die langen Kampagnen eine längere Lagerung seiner Rüben und eine damit verbundene erhöhte Mietenpflege. Die Lagerung der Rüben geht auch unter den günstigsten Bedingungen mit Zuckerverlusten einher, denn der Rübenkörper erhält lebensnotwendige Stoffwechselaktivitäten aufrecht. Die dafür benötigte Energie bekommt er, indem er den Zucker, der als Saccharose in den speziellen Speicherzellen im Rübenkörper eingelagert wurde, veratmet. Dabei wird mit Hilfe des Enzyms Invertase der Zucker zunächst in die Invertzucker Glucose und Fructose gespalten. Diese reichern sich in den Zellen an und behindern als Melassebildner die Ausbeute in den Fabriken. Zusätzlich zum Abbau des Zuckers erfolgt deshalb auch immer eine Verschlechterung der Rübenqualität.

 

In den ersten Tagen nach der Rodung sind die Zuckerverluste stärker, denn für Wundheilungsprozesse wird viel Energie benötigt. Je geringer deshalb die Verletzungen bei der Rübenernte ausfallen, desto geringer fallen die dadurch bedingten Zuckerverluste aus. Pilz- und Krankheitsbefall wirkt sich verlustfördernd aus. Die Pflanze wehrt sich gegen den Schadorganismus. Mit steigenden Temperaturen nimmt die Gefahr eines Befalls zu, bei starkem Krankheitsbefall kann es in der Miete zu Gärungsprozessen kommen. Als problematisch erweist sich das Auftauen der Rüben, da dabei Zellmembranen zerstört werden. Danach kann es zu Fäulnisprozessen kommen. Mittelfristiges Ziel der Züchtung ist es, lagerstabile Zuckerrübensorten zu züchten, die geringere Veratmungsverluste und höhere Fäulnistoleranz aufweisen.

 

Temperaturen zwischen + 3°C und + 5°C haben sich laut Kenter und Hoffmann für die Lagerung von Zuckerrüben am günstigsten erwiesen. Mit steigenden Temperaturen erhöht sich die Veratmungsrate. Eine Lagerung unter Vlies verringert die Zuckerverluste laut den aktuellen Lagerungsversuchen der Nordzucker um mehr als die Hälfte. Vlies schützt vor Frösten bis -5 °C und bei Wetterumschwung für einen gewissen Zeitraum auch vor dem Auftauen.

Zuckerverluste in Zahlen

Bei 10 °C Lagerungstemperatur kommt es im Mittel zu einem Zuckerverlust von 0,1 Prozent pro Tag. Bei 2.000 Tonnen Rüben mit einem Zuckergehalt von 17,8 Prozent und einem Ausbeuteverlust von 2 Prozent wäre das ein Zuckerverlust von 0,3 Tonnen pro Tag und in 10 Wochen von 22 Tonnen.


Lagerungsversuche von Nordzucker 2010 ergaben nach 10wöchiger Lagerung bei 2.000 Tonnen Rüben ohne Vlies einen Zuckerverlust von 0,55 Tonnen pro Tag und nach 10 Wochen von 38,5 Tonnen. Bei Vliesabdeckung verringerten sich die Zuckerverluste um die Hälfte auf 0,25 Tonnen pro Tag und auf 17,5 Tonnen nach 10wöchiger Lagerung.

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