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Thema des Monats

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21.07.2016

Starkregen und Gürtelschorf

Gürtelschorf ist in Deutschland eine eher seltene Erkrankung im Zuckerrübenanbau. In diesem Jahr zeigen sich die Symptome jedoch wieder und treten in einigen Regionen verstärkt auf. Grund sind die enormen Niederschlagsmengen, die Ende Mai und Anfang Juni in vielen Regionen abregneten. Zahlreiche Felder erreichten Wassersättigung, vereinzelt standen Flächen einige Tage unter Wasser. Im Verlauf des Juni blieb es wechselhaft und regnerisch, die Böden konnten vielfach nicht abtrocknen. Gleichzeitig war es leicht überdurchschnittlich warm. Das sind die optimalen Wachstumsbedingungen für den bodenbürtigen Pilz Aphanomyces cochlioides, der den Gürtelschorf auslöst.

 

Thema des Monats Juli 2016


Grafik: Regenmengen im Mai und im Juni 2016 (Daten: Deutscher Wetterdienst 2016, CDC, GIS-Bearbeitung: Strube, Geobasisdaten: www.bkg.bund.de, 2016, Open Data)


 

In Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz maß der DWD die höchsten Niederschlagsmengen im Juni seit Beginn der regelmäßigen Aufzeichnungen 1881. Im Bundesgebiet regnete es im Flächenmittel 115,5 Millimeter. Das waren 48 Prozent mehr als der langjährige Wert von 1981 – 2010 ergab. Im Bereich der Zuckerfabrik Appeldorn summierten sich die Regenmengen auf über 200 Millimeter. Die rechte Karte oben zeigt die Niederschlagsmengen im Juni, zum Vergleich befindet sich links oben die Karte mit den Mengen im Mai. Vielerorts wurde im Mai Regen herbeigesehnt um die anhaltende Frühjahrstrockenheit zu beenden. Erst zum Monatsende begann es zu regnen. Die aufziehenden Wärmegewitter waren örtlich mit katastrophalen Starkregen verbunden.

 

Flächen offenbarten ihre Strukturschäden. Das Wasser floss in Fahrspuren, Vorgewenden und in  Schlagbereichen mit Stauschichten im Untergrund langsamer ab. In verdichteten und wassergesättigten Bodenporen fehlte der Sauerstoff, das Pflanzenwachstum stagnierte. Der bodenbürtige Pilz Aphanomyces cochlioides fand im wasserreichen Bodenmilieu die besten Bedingungen um sich zu vermehren und Zuckerrübenpflanzen zu infizieren. Ab Mitte/Ende Juni wurden die ersten Gürtelschorfsymptome beobachtet.

 

Thema des Monats Juli 2016Thema des Monats Juli 2016
Gürtelschorf: Am Rübenkörper befinden sich dunkelbraune, schorfige Pusteln, es ensteht ein Gürtel vertikaler Risse. Es entstehen Deformationen und Verwachsungen.

 

Für Gürtelschorf gibt es keine chemischen Bekämpfungsmöglichkeiten. Sortentypische Unterschiede in der Anfälligkeit lassen sich zuweilen an Einzelstandorten beobachten. Der Schaden ist in Deutschland aber in der Regel gering. Üblicherweise sind nur einzelne Pflanzen oder Teilbereiche in Ackerschlägen betroffen, die Strukturschäden oder Staunässe aufweisen. In der Vergangenheit traten jedoch immer wieder Jahre mit verstärktem Befall hervor (2002, 2010, 2013). In diesen sehr nassen Jahren oder Jahren mit Starkregenereignissen kam es zu einem erhöhten Vorkommen der Gürtelschorfsymptomatik. Örtlich begrenzt kann der Befall in den Einzeljahren ertragswirksam sein. Dagegen tritt die Krankheit in Skandinavien und Nordamerika regelmäßig in größerem Umfang auf. 

 

In einem BLE-Verbundprojekt erforschen IfZ und Strube Research in Kooperation die Infektionsmechanismen und suchen nach Resistenzen in Zuckerrübenpflanzen. Dafür müssen zuverlässige Biotests im Gewächshaus entwickelt werden. Im Feld unter natürlichen Bedingungen sind Sortentestungen auf Grund der Unvorhersehbarkeit der Witterung nur schwer möglich.


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