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Zuckerrüben umbrechen? Was gibt es zu beachten?

Zuckerrüben umbrechen? Was gibt es zu beachten?

 

Den Fall hat schon der eine oder andere Zuckerrübenanbauer erlebt – unbefriedigende Bestandesdichten. Die Ursachen dafür können vielfältig sein, vom Saatgut über die Saatbettbereitung bis zu Frost, Hagel, Starkregen, Verschlämmung, Schnecken und Bodeninsekten.


Nach einer neu aufgelegten Versuchsserie am Strube-Standort Ingeleben im Landkreis Helmstedt wird der maximale bereinigte Zuckerertrag (BZE) bei einer Bestandesdichte von 98.500 Pflanzen pro Hektar erreicht. Die unterschiedlichen Bestandesdichten in den Versuchen werden nicht durch Vereinzeln eingestellt, sondern durch das Einmischen von Leerpillen in das Saatgut. So ergeben sich, je nach Anteil der Leerpillen in der Mischung, lückige Bestände, die denen unter Praxisbedingungen entsprechen: Die Lücken sind zufällig verteilt. Die beiden Bilder oben zeigen die gleiche Parzelle, mit einer Bestandesdichte von ca. 40.000 Pflanzen pro Hektar.

 

Welche Verluste entstehen durch solche mangelhaften Bestände? Wäre es nicht besser gewesen, den Bestand umzubrechen und neu zu säen? Einfache Antwort: Für das Auge des Betrachters ganz bestimmt!

Die Auswertung der zwei Versuchsjahre ergibt folgendes Bild:


 

Umbrechen oder nicht?

 


Die Variante mit 40.000 Pflanzen/ha führt zu einem Verlust im BZE von 17,6 % gegenüber dem Maximum. Bei einer Ertragserwartung von 15 t/ha BZE wären am Ende also noch 12,4 t/ha herausgekommen.

 

Was wäre passiert, wenn der Bestand umgebrochen worden wäre?

In der Praxis vergehen von einer misslungenen Aussaat bis zur Umbruchentscheidung und Neusaat nicht selten dreißig Tage, wie Erfahrungen zeigen. Auch das lässt sich im Rahmen eines Versuches gut nachvollziehen, indem unterschiedliche Aussaatzeiten zu gleichem Erntetermin miteinander verglichen werden. Versuche zu dieser Fragestellung wurden in den Jahren 2006 bis 2008 am Versuchsstandort Sülbeck im Landkreis Schaumburg durchgeführt. Dazu wurden Aussaattermine 15 und 30 Tage nach der Erstsaat angestrebt.

Im Mittel der drei Jahre wurde, berechnet nach julianischen Tagen, an folgenden Terminen gedrillt:

 

  • Saat 1 (S1): 11.04.
  • Saat 2 (S2): 27.04.
  • Saat 3 (S3): 12.05.

 

Nicht besonders früh, aber durchaus praxisüblich. Zwischen S1 und S2 lagen im Mittel 15,3 Tage, zwischen S1 und S3 30,7 Tage. Geerntet (E2) wurde im Mittel der Jahre am 13.10.

 

Die Bestandesdichten lagen jeweils am optimalen Bereich zwischen 95.000 und 97.000 Pflanzen pro Hektar in handvereinzelten Parzellen. Die Ergebnisse sind beeindruckend:


 

 Ber. Zuckerertrag t/ha 2006 2007  2008 
 Aussaat 11. April (Ernte 13. Oktober) 15,6 15,9  14,5 
 Aussaat 27. April (Ernte 13. Oktober) 14,2 13,7 12,9
 Aussaat 12. Mai  (Ernte 13. Oktober) 12,1 11,9 10,8


 
 Ber. Zuckerertrag relativ


Mittel Verlust %
 Aussaat 11. April (Ernte 13. Oktober) 100 100  100  100  
 Aussaat 27. April (Ernte 13. Oktober) 90,7 85,8 88,7 88,4 -11,6
 Aussaat 12. Mai  (Ernte 13. Oktober) 77,4 74,5 74,3 75,4 -24,6


Während im Mittel der Versuchsjahre eine um 15 Tage verspätete Saat zu einem Verlust von 11,6 % im BZE führte, waren es bei 30 Tagen bereits 24,6 %. Diese Auswertung berücksichtigt nur ertragliche Parameter. Durch eine Neusaat entstehen ebenfalls zusätzliche Kosten durch Überfahrten für Bodenbearbeitung, Saatgut, ggf. höhere Kosten für Herbizidmaßnahmen.


Fazit: Wenn eine Umbruchentscheidung bei Bestandesdichten von unter 40 - 50.000 Pflanzen pro Hektar ansteht, sollte die Umsetzung entschlossen und schnell erfolgen. Bei Neusaaten innerhalb von 15 Tagen sind die dadurch zu erwartenden Verluste geringer als die durch den mangelhaften Bestand. Mit jedem weiteren Tag des Wartens jedoch wird es sinnvoller, den mangelhaften Bestand, wenn er einigermaßen gleichmäßig ist, stehen zu lassen.

 

Möglicherweise entstehen hierdurch höhere Kosten durch intensiveren Herbizideinsatz, der nötig wird, um das durch die geringere Bodenbedeckung in Vorteil kommende Unkraut in Schach zu halten. Gleichzeitig ist es wahrscheinlich, dass etwas höhere Rodeverluste durch ungleichmäßige Rüben entstehen. Diese Parameter sind von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich einzuordnen. Hier ist die Erfahrung des Betriebsleiters von besonderer Bedeutung.
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